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2023-12-25 12:19:20, Jamal

Wir alle tragen in uns Informationen, die eines Tages mit anderen Rekordhalter:innen der geologischen Zeit in den Weltraum fliegen werden. Was die Filter der menschlichen Zeit passiert, ist erfolgreich, auch da, wo man den Sinn der Übung nicht begreift.

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„Sodann waren Ikeda no ason Nahira, der zweite Befehlshaber der Garnison in Michinoku vom unteren fünften Rang der zweiten Klasse, und Abe no Sashima no omi Suminawa vom äußeren unteren vierten Rang zweiter Klasse und Andere ungehorsam und feige, haben das Maß fürs Vorrücken und Zurückziehen verloren (sind in Verlegenheit geraten) und den günstigen Augenblick zum Schlagen versäumt.“ Zitiert nach Paul Adler/ Michael Revon, „Japanische Literatur. Geschichte und Auswahl von den Anfängen bis zur neusten Zeit“, Quelle

Im Sommer 2023 © Jamal Tuschick

Durchdachte Erniedrigungen

Pedro de Mendozas weiches Fleisch faulte im Fieber. Der Flottenführer erschlug einen Jungen mit dem beinernen Schuhlöffel. Eine kritische Bemerkung kostete einen Bootsmann den Schmerz und die Schmach von fünfzig Hieben. Mendoza ließ Delinquenten zur Abschreckung an Pranger stellen und in den Vorrichtungen auf Deck verrotten. Einen zu geringen Grad der Unterwürfigkeit deutete er als Insubordination. Meutereien beugte er mit durchdachten Erniedrigungen der Mannschaft vor.

Die Flotte fand sich nach einer stürmischen Zerstreuung im süßen Meer, wie manche den Río de la Plata nannten. Strandinder:innen erschreckten sich vor dem „stolzen und gewaltsamen Auftreten des Fremdlings“. Deshalb blieben Annäherungen aus. Keine Pocahontas in Sicht.

Nautischer Feldzug

Die Zitate stammen von Pero Vaz de Caminha. Er nahm als Schriftsteller an Mendozas nautischem Feldzug (Terminus technicus) teil.  

Mendozas hochnäsiges Terrorregime stachelte seine Leute auf. Es reizte sie zu Gewalttaten gegen die Schwächsten unter ihnen. Sie vergingen sich auch an jenen, die ihnen aus Versehen zu nahegekommen waren. Im Gegenzug kreisten „Horden kriegerischer Guaranì“ die „Entdecker“ mehr oder weniger weiträumig ein. Mendoza kannte nur ein Rezept.

„Ein Kriegszug sollte den Widerstand brechen.“

Der Konquistador schickte „einen Haufen vom Fußvolk und die Blüte der Ritterschaft“, vierhundert Mann im Ganzen. Die Expedition unterstellte er seinem Bruder Diego. Drei Tage später kehrten zwölf Klägliche zurück, die anderen lagen zur Freude der Geier in der Pampa. Die Guaranì hatten einen Sumpf für ihre Zwecke genutzt, eine Engstelle, die den „Entdeckern“ wenig Spielraum bot. Da entfalteten sich die Nachteile komplizierter Waffen und die Vorteile unterkomplexer Lösungen.

„Die Pulverpfannen waren nass geworden, die Musketen versagten. Die dem Zügel auf der Überfahrt entwöhnten Pferde bockten. Umsonst warf sich Diego mit seinen Kavalieren auf den Feind. Mehr als ein altes Geschlecht erlosch an diesem Tag.“

Die Guaranì kämpften mit ihren Leibern mehr als mit anderen Streitmitteln. Sie zerschellten schließlich an der Monotonie eines Mannes, der es für seine Aufgabe hielt, einen Posten in ihrem Gebiet aufzustellen - Nuestra Senora Santa Maria del Buen Aire.

Es waren Leute am Verhungern, die Buenos Aires gründeten. Man sagt, Mendoza habe Fleisch vom Leichnam seines Bruders nicht verschmäht, so heruntergekommen war dieser „zum Herrschen geborene“ Kolonist.

Die Inder:innen witterten erst einmal Morgenluft. Die Sache im Sumpf stimmte sie zuversichtlich. Noch waren sie im Beat. Schamanen prognostizierten einen Sieg auf der ganzen Linie. Die Guaranì rannten gegen einen Zaun, den die Neubürger in die Landschaft gepflanzt hatten. Sie legten Buenos Aires in Schutt und Asche. Die Kolonisten wichen zurück und gründeten die Festung Corpus Christi an der Stelle, wo Sebastian Cabot sein Eldorado direkt vor der Palisade vermutet und deshalb den Solís-Fluss“ in Rio de la Plata (Silberfluss) umbenannt hatte. Das war ein Propagandacoup. Indem Cabot sich beeilte, in Spanien Erwartungen hochzuschrauben, machte er „die Welt um eine Täuschung reicher“.

Von Cabots Station war ein zerfallener Turm übrig. Die Flüchtlinge richteten ihn wieder auf. Heute noch erinnert eine Prozession an die Flucht in den Wald. Das waren Abgeschnittene und Versprengte, die den Turm in Erwartung heiterer Stunden Buenas Esperanza nannten und gleich wieder einen Stoßtrupp zur Erkundung der Gegend losschickten. Ich greife kurz vor, um die Sache abzukürzen. Jedes Kind weiß, dass die Guaranì nicht im Rennen geblieben sind. Sechzig Jahre nachdem sie die Spanier so gut wie aufgerieben und den eingeregneten Rest zu Kannibalen gemacht hatten, verkamen sie zu Mündeln ihrer Feinde. Jesuiten mussten sie beschützen. Caminha nennt dies „einen traurigen Ausgang der Geschichte“. Morgen mehr.