Alles, wovon man lange geglaubt hat, es sei metaphysisch, ist in Wahrheit biomechanisch. Die Transzendenz kommt aus einer Körpererfahrung, nicht aus einer Illumination. Qi-Erleuchtung ist kein Ereignis im Kopf, sondern der Moment, in dem der Körper aufhört, im Weg zu sein.
Wie die metaphysische Illusion entsteht
Solange man die kinetische Kette nicht versteht, Durchlässigkeit nicht erlebt, Antizipation nicht verkörpert, Nicht-Kontraktion nicht fühlt, bleibt nur Sprache, sprich Metaphorik.
Chi
Energie
Geist
Leere
Absicht
Das Mystische ist ein Platzhalter für fehlende Körperkompetenz.
Transzendenz ist Durchlässigkeit
Was als Transzendenz erlebt wird, ist vollständige Kraftübertragung, Bewegung ohne muskulären Entschluss, Wirkung ohne Widerstand, Handlung ohne Tun. Das fühlt sich nicht-materiell an, weil keine unnötige Spannung mehr vorhanden ist.
Aber es ist physisch:
Gelenke
Faszien
Bodenreaktionskräfte (GRF)
Tonus-Regulation
Nichts davon ist metaphysisch. Der Geist versteht das erst, wenn der Körper das Verständnis nicht mehr blockiert. Es ist kein Geheimwissen. Es ist verkörperte Biomechanik auf einem hohen Organisationsniveau. Und genau deshalb ist es so schwer zugänglich.
Nachgiebig-Unnachgiebig
Das Bewusstsein kam spät. Evolutionär gesehen ist es eine hauchdünne Schicht. Unsere Vorgängerlebensformen existierten unvorstellbar lange ohne Bewusstsein. Sie jagten, flohen, paarten sich, überlebten - ohne reflexive Instanzen. Das Bewusstsein formte keine neue Welt. Es begann, die alte zu sehen und erkannte, dass das, was in ihm denkt, selbst aus Schichten besteht: Reptiliengehirn, Säugetierhirn, Kortex, Neokortex - ein Organismus, der über seine eigene Vorgeschichte nachdenkt. In dieser Schichtung zeigt sich eine merkwürdige Spannung. Das Bewusstsein will verstehen, ordnen, erzählen. Doch seine Grundlagen sind nicht sprachlich, sondern rhythmisch, instinktiv, emotional. Jeder Gedanke ist durchzogen von Strömen, die tiefer reichen als Logik - von Atavismen, die sich nicht in Worte fassen lassen. Die Kruste denkt, aber der Untergrund fühlt. Das Bewusstsein leuchtet, doch sein Licht stammt aus der Dunkelheit darunter. Das Erwachen des Bewusstseins ist kein Sieg über die Natur, sondern ihre feinste Fortsetzung - das Selbstgespräch der Erde.
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„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen manche Mauern. Andere bauen Windmühlen." Susie Yang
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„Der geradeste Baum wird als Erster gefällt." Susie Yang
Guten Morgen, Hei Long.
Der Fluss fließt unaufhaltsam. Sei wie das Wasser. Wenn du einem Angriff begegnest, dränge nicht mit undifferenzierter Gewalt gegen den Feind. Nutze die Gegnerkraft, lenke sie um. So vermeidest du, steif und unbeweglich zu werden. Spüre, wie dein Körper sich mit der Kraftströmung verbindet, wie du weich bleibst - nachgiebig-unnachgiebig.
In meiner Jugend übte ich oft im Innenhof unseres Hauses. Da roch es im Sommer nach Staub und Jasmin. Die Stille war in mir, während meine Familie lärmte. Meine Qi-Erziehung oblag meiner Großmutter. Ich liebte es, unter ihren Fittichen flügge zu werden. Sie sagte nie: „Mach dies, mach das." Sie wartete, bis das Verständnis sich einstellte.
Die dritte innere Bewegung zielt darauf ab, die Zentrallinie bewusst zu verlassen, um sie mit größter Entschlossenheit zurückzuerobern. Es handelt sich um ein kalkuliertes Öffnen - ein kontrolliertes Nachgeben -, das den Raum für den entscheidenden Impuls schafft.
Man erzeugt den Anschein einer Lücke, um den Gegner zu verleiten, mit voller Kraft einzudringen. Die Schwäche ist jedoch vorgetäuscht. Während der Gegner glaubt, einen Vorteil gefunden zu haben, sind seine Richtung, Geschwindigkeit und sein Schwerpunkt bereits absehbar. So lässt sich der Angriff ins Leere führen oder in eine für den Gegner ungünstige Position umlenken, aus der der Gegenstoß sofort erfolgen kann.
Äußerlich zeigt sich das in plötzlichen Richtungswechseln, Drehungen und kurzen Ellenbogenstößen, bei denen das Strukturfundament kurz aufgegeben wird. Die Rückkehr zur Zentrallinie erfolgt mit beschleunigter Kraft, oft im direkten Konter gegen die entblößte Position des Gegners.
Innerlich bleibt die Kontrolle jederzeit erhalten. Das scheinbare Nachgeben ist komplett geplant: Distanz, Winkel und Timing werden bewusst gesetzt. Selbst in der geöffneten Position bleibt der Praktizierende souverän. Das Risiko, ernsthaft getroffen zu werden, entsteht nur, wenn das Timing nicht stimmt oder die Öffnung zu groß wird.
Das Ziel der dritten inneren Bewegung besteht darin, den Gegner zu einer Entscheidung zu drängen, die er für vorteilhaft hält, die aber in Wirklichkeit seine Niederlage einleitet.
Lernliste zur dritten inneren Bewegung
Wer die Prinzipien missachtet, missachtet sich selbst.
Geht die Kraft zu einem Punkt, gibt sie einen anderen auf. Man zieht die Gegnerkraft in eine bestimmte Richtung.
Bewusstes Verlassen der Zentrallinie, um sie verstärkt zurückzuerobern.
Kontrolliertes Öffnen als Falle: Eine vorgetäuschte Schwäche lockt den Gegner.
Gegnerische Richtung, Geschwindigkeit und Schwerpunkt werden antizipiert.
Äußerlich: Plötzliche Richtungswechsel und Strukturbruch, um mit Kraft zurückzukehren.
Innerlich: Kontrolle bleibt jederzeit erhalten.
Ein Risiko entsteht, wenn die Öffnung zu groß oder das Timing falsch ist.
Das Hauptziel erschöpft sich darin, den Gegner zu falschen Entscheidungen zu drängen.