“Your writing has a strong voice ...” ember on wattpad
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“Your story was absolutely beautiful ...” _allie_171 on wattpad
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“I was completely immersed in your writing. The atmosphere and detail were so striking, they left me inspired ...” Rose Carmen on wattpad
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„Ich bin immer wieder verzaubert von deinen Wortschöpfungen.” Irene W. auf einer anderen Plattform
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„Sex ist ein stabiles System egoistischer Formen, die um die Sonne der Eitelkeit kreisen.” Pola Oloixarac
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„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,/Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.”Hermann Hesse
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„Our truth, our personality, our whole life is but a narrative. And the beauty of it is that it can be changed at all times.”Christine Zarrath
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„Karl Valentin hier zu zitieren hat Klasse. Der gespaltene Mond ist natürlich auch ein feines Stilmittel.” Musenzeit
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„Das Bewusstsein, dass unsere Worte die ganze Welt auf einmal erreichen können, ist ein Impuls, der unbewusst die Art und Weise beeinflusst, wie wir uns ausdrücken, und ein Reichtum, den nur die größten Giganten des Geistes ungestraft ertragen können.” Johan Huizinga
Emotionale Halbdistanz
„Mein geschätzter Mentor, Sprachschlosserbauer und Mitverschwörer. Ich wollte mich auf die Zulieferung kleiner Szenen beschränken und es dir überlassen, ob du sie einbaust oder lediglich zu deinem eigenen Vergnügen nutzt. Begeistert, aufgerichtet, elektrisiert und inspiriert streife ich durch dein Sprachschloss und freue mich darauf, auch seine verborgensten Winkel zu erkunden.
Mit welchem Recht verweigert man den Gesetzen der Anziehungskraft ihre freie Entfaltung? Der Moral zu entsprechen, dabei aber die höchsten Erfahrungsräume des Daseins zu meiden – dort, wo Körperlichkeit in Bedeutung übergeht, wo Wahrnehmung sich verdichtet, wo Transzendenz als gesteigerte Präsenz erfahrbar wird. Ist das klug? Immer gedimmt zu leben? Nein, ich stürze mich lieber von den Klippen ins aufgewühlte Meer der Existenz.” Simone Walther
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Simone tritt auf. Die kleinen Bewegungen, mit denen sie ihre Tasche zurechtrückt und ins hochgesteckte Haar greift, verzaubern das Publikum.
Wir haben lange nicht mehr von Simone Walther gesprochen – der Blonden mit den dunklen Augen – und vom akademischen Sprachmeister Cornelius von Pechstein. Verschwiegen blieb auch ihr gemeinsames Interesse an archaischen Formen der Gemeinschaft; an ritualisierten Zusammenkünften, wie sie einst zur Kontaktaufnahme mit Göttern dienten. Im FrankfurterClub Coltranemischten sie sich vorgestern erst unter auffallend stilvolle Gästen. Sie gehorchten der Losung, erscheine sorgfältig gekleidet und jederzeit bereit, dich auszuziehen.
Simone trug ein ärmelloses, semitransparentes Spitzenkleid. Sie roch teuer im Chanel-Spektrum. Die Absätze hoben sie in den Himmel, sie ging mit Leichtigkeit voran. Cornelius sah aus wie ein Graf zu Oscar Wildes Zeiten. Simone kannte seinen Duft von einem anderen Liebhaber. Cornelius hatte ein klassisches Eau pour Homme von Giorgio Armani aufgetragen. Es verstärkte seine Aura mit einer attraktiven Frische von Zitrone und Orange.
Nebenbei – Simone fährt einen 68er-Mustang GT Fastback als Hommage an das Heldenauto der längsten Verfolgungsjagd der Filmgeschichte. In ‚Bullitt’ steuert Steve McQueen oder sein Double das Schmuckstück in einem Straßenkampf gegen einen Dodge Charger R/T auf den Straßen von San Francisco.
Paare spielten mit dem Prunkpotential athletischer Pfauen. Die Stimmung war ausgelassen und voller Erwartungen und doch kaum ambitionierter als bei einer Afterworkparty.
Der Club residierte in Sälen eines einst weltberühmten Kinos. Es gab eine Tanzfläche und weitläufige Liegewiesen. Die Bar unter dem gründerzeitlichen Kinohimmel war mit einer Batterie Liegen bestückt.
Alles stand zum Feiern, Tanzen, Trinken, Reden, Zuschauen bereit. Simone war es gewohnt, allein wegen der Energie, die sie ausstrahlte, angestarrt zu werden. Die Energie stieg wie in einer kosmischen Quecksilbersäule.
Simone spürte die Präsenz eines Dämons; eine Totalität der Macht, so grau wie die alte Sowjetunion und so schillernd wie Voodoo auf Haiti. Sie richtete sich auf die Kraft aus wie eine vom Licht geöffnete Blüte. Sie sah sich in einem hellen Ritualraum, das Sakrale war verblendet. Sie befand sich in einer Lage zwischen ausgeliefert und auserwählt – geweiht eine, nebulösen Sternenstaubkatechismus.
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Die Männer, mit denen Simone ausgeht, sind Meister der degoutanten Selbstinszenierung; Snobs, die an jeder Getränkeauswahl etwas auszusetzen haben. Eine Weinkarte ist für sie nur ein Vorwand für eine Exegese. Sie verunglimpfen Kellnerinnen mit olympischem Eifer. Ihre hochmütige Gemeinheit trägt das Markenzeichen der Pedanterie. Sie parfümieren ihre Arroganz. In ihrer Gegenwart kann Simone keinen Aperol Spritz bestellen, ohne dass man ihr sagt, dass ihre Entscheidung sie zu einer Person der Vergangenheit macht. Sie lacht über die geschliffenen Darbietungen derer, die immer die teuersten Sachen bestellen, um keinen Zweifel an ihrem Status zu lassen. Simone fischt ihre Liebhaber mit der nötigen Gleichgültigkeit aus diesem Becken.
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Auf einer Party umarmt sie den Sicherheitsexperten Norbert überfallartig. Sie kann sich den Verzicht auf den Vorlauf einer zivilen Kontaktaufnahme selbst nicht erklären. Sie nötigt Norbert, auf sämtliche Präliminarien zu verzichten. Die beiden ziehen sich in das Schlafzimmer ihrer Gastgeber zurück. Dies ist mit dem Gefühl dringlichster Zärtlichkeit verbunden. Er herrscht kosmische Vertrautheit, pures Gattungsglück. Die Tiger im Dschungel feiern auch keine Verlobung. Sie sehen sich und erkennen sich in ihrer Schönheit.
Subtile Hemmungslosigkeit
Simone verzehrt ein Post-Doc-Stipendium an einer norddeutschen, im Mittelalter gegründeten und von bedeutenden Absolventen geadelten Universität. Die Zeit läuft ab zwischen Langeweile und Zerfall. Kein Schimmer vergangener Größe hellt den Betrieb auf. Der pompös-marode Festungsbau ist ein Phantom der Grandiosität. Es gibt einen toten Trakt voller Staubwunder und mumifizierter Mäuse. Ein Garn der Gleichgültigkeit webt dem Klandestin-Labyrinthischen einen Schutzmantel. Simone schlüpft täglich durch ein Knopfloch der Zeit und erkundet im toten Trakt die Schichten einer versunkenen Welt.
Sie braucht das Stipendium nicht. Jederzeit könnte sie auf ein kleines Vermögen zugreifen. Trotzdem hat Simone auch noch einen Job in einen KI-Klitsche, die als Start-up noch von sich reden machen wird. Simone liebt Business-Scharaden. Die allgemeine Spießigkeit und Unzulänglichkeit bieten sich ihr als poetische Gegenstände an.
Man muss sich Simone als glücklichen Menschen vorstellen.
Nach einem vorhersehbaren Desaster startet sie in einem Anfall subtiler Hemmungslosigkeit den nächsten Versuch. Kaum verhüllt erzählt sie dem Dozenten Ned die Geschichte des Tages in einer E-Mail. Die beiden haben erst seit wenigen Wochen Kontakt. Bisher verbindet sie nicht mehr als reine Campus-Kommunikation. Die schriftliche Version des verpatzten Kleinstadtabenteuers lässt Simone an ihrem Schreibtisch erschauern. Die Schreiblust verschafft ihr den freifraulichen Kick, der im direkten Kontakt mit dem Lektor Tillmann in der Wohnung seiner Oma nur auf dem Umweg einer Manifestation zustande kam. Das war eine Landung mit dem Notfallschirm.
Im Präsens der Pleite
Tillmann hat es geschafft. Er arbeitet bei Suhrkamp in Berlin. Aus der Flut unverlangter Einsendungen spielt ihm eine Praktikantin ein Manuskript zu, mit träumerisch-handschriftlichem Begleitschreiben direkt aus seiner Geburtsstadt.Wer mich groß herausbringt, den werde ich lieben. Ich will schließlich nicht allein im siebten Himmel wohnen.Tillmann findet den Brief verheißungsvoll. Die gemalten Buchstaben sind heiß; er hält eine Pheromone-Bombe in Händen. Zwei Wochen später trifft er Simone persönlich. Schauplatz der Plötzlichkeit, von Tillmann falsch gedeutet, ist die modrig-vernachlässigte großmütterliche Bleibe mit der unvermeidlichen Plastiktischdecke auf dem Küchentisch. Der Mief aus Alter und Armut bildet in der Dunkelbude eine eigene Emission. Tillmann hat die Witwe in der Nachbarschaft untergebracht. Er fühlt sich erhaben, schließlich weiß er besser als die meisten wie lost man in Ederthal ist. Es kommt ihm gar nicht in den Sinn, dass für Simone die Inszenierung an erster Stelle steht. In ihren Augen ist Tillmann gleichermaßen Mitspieler und Zuschauer.
Während sie eine geschönte Fassung ihrer zerstörten Inszenierung verfasst, überträgt sich ihre Schreiblust auf Ned. Seine Antwort kommt so schnell wie ein Rückstoß. Simone flüchtet in ihre Yoga-Routine. In der Froschposition gesteht sich Simone ein, dass sie gerade mit etwas Unerwartetem konfrontiert wurde.
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Simone und der Dozent - Ned doziert und Persephone schreibt mit, eine Studierende, verliebt in einen (gewiss nicht) unerreichbaren amerikanischen Dozenten ... in einer verschlafenen Kleinstadt, in der abends die Bordsteine hochgeklappt werden. Simone trägt ein schwarzes Satin-Camisole und einen geschlitzten grauen Kaschmir-Bleistiftrock. Sie spricht stark an auf Neds Stimme, sein expressives Deutsch, die Mulden und Hügel seiner Aussprache.