"As you wished, dear mentor, I will end this story now. It will, as you said, never be published in this form and find very few readers." Simone
„Worte infiltrieren. Sie geben sich als Gedächtnis aus. Aber sie erzeugen, was erinnert wird. Sie sind der Code - und der Code hat ein Ziel." Sinngemäß Jürgen Ploog
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Die Verlässlichkeit des Begehrens - „Ich ... musste mir Gewalt antun, um meine Vernunft zu behalten ... und mich (Leopold von Sacher-Masoch nicht) ... rückhaltlos hinzugeben. Ich tat es nicht, weil ich mir sagte, eine solche Hingabe würde ihm als das erscheinen, was sie wirklich gewesen wäre, ein Akt der Dankbarkeit, und das hätte in seinen Augen den Wert meines Besitzes und dadurch sein Glück verringert." Wanda von Sacher-Masoch
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„Eine große Krise sollte niemals ungenutzt verstreichen." Winston Churchill
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Man spricht immer von Originalität, aber was heißt das?" Goethe an Eckermann 1825
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"Yesterday I had fun at an after-work party. I'll tell you all about it in the relevant details. So much in advance: I was wearing a very short red dress, flared, with a halter top and straps that crossed at the back; no bra; a dress at the interface between youthful sportiness and elegant eroticism. With it Falke stockings and white sneakers. Please tell me how much you would have liked to see me like that. Imagine we had crawled into a corner... I feel your fingers in my central organ. I experience your affection, it gives your empathy a signature. I know that you would like to be dominant, a guy like CC, for whom there are no limits, who decapitates my will, but the way you worship me makes me cum in the most delightful way. And that awakens in me the desire to satisfy you, as if I could win a prize for it."
Lüsternes Halbwissen
Eine Beobachtung, wie mit einem Skalpell aus dem Leben geschnitten - eine göttliche Offenbarung riss Simones Freundin Lale einst aus dem Rinnstein und expedierte sie in die Küche des sagenhaften Vincent. Der Dinosaurier seines Fachs gehört einer Kohorte von Küchenrevolutionären an, die der molekularen Labor-Gastronomie den Weg wiesen. In der Handlungsgegenwart lässt sich der Veteran sogar in G. nur noch historisch erklären. Vincent profitiert von dem Wunsch seiner Gäste, einen Helden am Herd zu verehren. Ihr kulinarisches Halbwissen interpretiert die Restaurantküche als Raubtierkäfig mit Greifern aller Größe. Vincent spielt in diesem Szenario den König der Tiere. In Wahrheit schmeißt Lale den Laden. So was sieht man nicht von außen. Das wäre geschäftsschädigend. Niemand fände es plausibel für die Tellerfertigkeit einer Drogenkranken, die sich täglich neu mit Rigorosität und Religion kuriert, seinen Namen auf Wartelisten setzen zu lassen und Vincents Preise akzeptabel zu finden. Der Gast zahlt für eine gelungene Täuschung. Vincent, längst vollkommen verschlissen, raucht über seinem Creuset-Equipment, der Schweiß überrennt das Donnerhaupt wie Schmelzwasser einen Stein. Asche und Schweiß fusionieren mit den Dingen in den Töpfen.
Es ist eine Schweinerei, die in einem Wunder der Suggestion zum magischen Vorgang transformiert. Nie sah ein Gast die Küche und den uniformierten Fleiß, die eiserne Routine der Mannschaft, die von Vincent manchmal wie Sklaven und manchmal wie Mitgötter behandelt werden.
Mise en place let's roll.
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Der Asket bringt die Bereitschaft mit, sich gegen seine Natur zu wenden. Wird diese Tendenz dynamisiert von Optimierungserwartungen, heißt Erziehung der Schlüssel zum Erfolg. Im 5. Jahrhundert breitet sich „eine geregelte, reflektierte und kontrollierte Praxis der Askese" aus. Einen architektonischen Rahmen liefern Klöster. Die Wissensgesellschaft formiert sich. Das erste Informationszeitalter bricht an. Ihrem Wesen nach ist die mit sich selbst befasste Kirche eine Akademie und so auch ein Weltraumzentrum, in dem Himmelfahrten organisiert werden. Was ist erforderlich, dass du mitfliegen darfst?
Drei Begriffe greifen ineinander: Keuschheit – Reinheit des Herzens – geistiger Kampf. Die Keuschheit des Körpers koinzidiert mit der Keuschheit des Geistes. Die Gedanken sind nicht frei. Phantasie ist gefährlich. Die Erziehung bricht auf in der Zucht. Das Gegenstück: Unzucht; ein Wort, das sich lange hält und bis heute nach Urinstein, Waisenhaus und Jugendstrafvollzug stinkt.
Unzucht. Das Wort atmet in Simone. Sie will Unzucht treiben, wie soll das überhaupt gehen in einer säkularen Gesellschaft.
„Lass' uns heute Abend noch unzüchtig werden", bittet Simone Cole via WhatsApp, während sie dessen Lebensgefährtin breit anlächelt. Die Frauen sitzen an verschiedenen Tischen und doch nah genug, um ihre Parfüms riechen zu können, im legendären 'Da Vincent'. Eine mörderische Spannung liegt in der Luft. Simone und Lydia kennen sich aus einer öffentlich-intimen Konstellation. Cole hatte das Vergnügen Simone vor den Augen seiner Partnerin und einem großen Auditorium in einem Frankfurter Club anal zu penetrieren, während Simone außerdem das Vergnügen hatte, von Lydia geleckt zu werden. Der am Hintern der Graduierten klebende Grandseigneur gab vermutlich ein Bild für die Götter ab.
Um Cole in Schwung zu bringen, formuliert sie: „Ich möchte auf etwas bewegt werden, dass ich für einen Altar halten kann." Sie wünscht sich Führung, um wiederum die Führung vorzuführen, sofern ihr das möglich ist. Topping from the bottom, sagt die Hardcore-Fraktion.
Ich möchte bewegt werden. Die vier kleinen Worte reichen für ein bilaterales Aufrauschen. Sie kommen Coles Wunsch entgegen, Simone in den Griff zu kriegen und ihren Scharaden ein handfestes Ende zu bereiten. Simone erregt Coles Verzweiflung, die sie heraufbeschworen hat. Er kann sich nicht sicher fühlen. Er darf sich nicht sicher fühlen. Sonst könnte er nachlassen. Er könnte seine Anstrengungen verringern; anstatt sie zu verdoppeln. Kurz gesagt, Simone fordert Cole wie ein Trainer, um ihn an seiner Leistungsgrenze zu halten. Trotzdem baut er ab. Etwas klemmt in dem aufgeladenen Verhältnis. Noch ahnt Simone nicht, was es ist. Allerdings spürt sie eine gewisse Einseitigkeit, wie einen Gleichgewichtsverlust.
Zur gleichen Zeit doziert Cornelius über Michel Foucault. Die Antwort auf alle Unwägbarkeiten lautet Erziehung. Das stellt Foucault beinah am Ende seiner Reise zu den Quellen des Nils der „Sexualität und Wahrheit" im vierten Band fest. Er beschreibt das Projekt des Christentums als eine post-antike Verbesserung des Menschen in Glauben und Verzicht. Foucault zeigt, dass die Ökonomisierung der Sexualität, die sich bis in den Regelvollzug fortsetzt, nicht erst vom Christentum ausgelöst wurde, sondern vorher da war. Die apostolischen Einlassungen basieren auf Milieuübereinkünften in einer nicht christlichen Welt. Am Anfang vom Ende einer langen Strecke des Begreifens zeigt Foucault, dass die Kirchenväter zu Anfang der christlichen Zeitrechnung stoische Leitsätze kopierten. Er durchforstet die Reglements von Taufe, Sünde und Buße in der Gemeinschaft der Gläubigen.
„Die Vielseitigkeit und Unbeständigkeit" des Menschen verlangen Regulation. Über die Vereinfachung gelangt man zur Askese.
Zitiert aus Michel Foucault, „Die Geständnisse des Fleisches. Sexualität und Wahrheit", Band 4., herausgegeben von Frédéric Gros