Postjuveniles Gebirgspetting
Ich erinnere mich … es war kurz vor Sonnenuntergang. Der Himmel glühte. Du sagtest nichts, und ich ahnte, dass dies einer jener Orte war, an denen du mich schweigend lieben würdest.
Der Grand Canyon. Ich habe ihn tausend Mal auf Bildern gesehen, aber nichts, wirklich nichts, bereitet dich auf dieses Gefühl vor. Du findest dich in einem Geschichtsbuch der Erde wieder. Seite für Seite in Gestein geschrieben.
Der Grand Canyon ist eines der spektakulärsten geologischen Fenster der Erde. Seine Entstehung ist das Ergebnis von rund 2 Milliarden Jahren Eruption und Erosion. Die ältesten Formationen, Vishnu-Schiefer und Zoroaster-Granit, stammen aus dem Präkambrium. Darüber folgen Schichten aus Sandstein, Kalkstein und Schiefer, jede entstanden in einem anderen Klima, unter anderen Bedingungen – von Meeresböden über Wüsten bis zu Flussdeltas.
Die Farben wechselten mit dem Licht. Von Zinnober zu Ocker, von Sand zu Asche. Und in der Tiefe, fast wie ein flüsternder Gedanke, wand sich der Colorado River.
Fünf Millionen Jahre Erosion hatte die Schlucht entstehen lassen. Du wusstest das. Für dich war es Wissenschaft, für mich Poesie. Ein Gedicht des Wassers und der Zeit.
Dreihundert Millionen Jahre geologische Schichtung, sichtbar in einem einzigen Blick.
Als wir tiefer stiegen, auf einem Maultierpfad, begann ich, den Canyon zu hören. Ich fühlte mich richtig bemessen. Endlich einmal in einem Maßstab, der ehrlich war. Du deutetest auf eine Stelle mit Petroglyphen - Gravuren in einer schattigen Felsspalte. Zeichen der Ancestral Puebloans. Ihre Geister waren noch da, in der Art, wie der Stein die Wärme hielt oder wie sich ein Echo auf den eigenen Herzschlag übertrug.
Das war magisch. Ich dachte an die Havasupai, die „Menschen des blauen Wassers“. Sie lebten im Supai Village. Ihr Leben war verwoben mit dem Wasser. Der Fluss war eine Arterie ihrer Erinnerungsanatomie.
Du sprachst vom Hoover - und vom Glen Canyon Staudamm, von politischen Linien, die Lebenslinien durchkreuzten und Wasser zu Eigentum machten. Dieser Ort war nicht nur Naturwunder. Er war auch Schlachtfeld. Aber in dieser Stunde - zwischen Licht und Schatten, zwischen dir und mir - war der Canyon eine Offenbarung nicht nur der Erdgeschichte.
Erosion und Erotik
In den Dimensionen der geologischen Zeit ist der Grand Canyon jung. Vor etwa 5 bis 6 Millionen Jahren begann der Colorado River, sich tief in das Plateau zu schneiden. Der Fluss ist bis heute der wichtigste Architekt des Canyons. Er gräbt sich immer tiefer ein. Ihm helfen Regen, Frostsprengungen und Hangrutschungen.
Erosion schließt ein komplexes Zusammenspiel von Wasser, Zeit, Gravitation und Klima in eine Begriffsklammer. Der Canyon ist gegenwärtig 450 Kilometer lang, bis zu 29 Kilometer breit und stellenweise über 1.800 Meter tief. Früher war der Colorado ein wilder Strom. Heute fließt er relativ konstant, mit negativen Folgen für Flora und Fauna.
Die Region ist seit mindestens 12.000 Jahren besiedelt. Zu den frühesten bekannten Kulturen zählen die Ancestral Puebloans, die Felszeichnungen, Wohnanlagen und Keramik hinterließen. Spätere Völker wie die Hopi, Navajo, Havasupai, Hualapai und Zuni haben das Gebiet kulturell und spirituell geprägt.
Für viele Gruppen ist der Canyon ein heiliger Ort, Ursprungsgeschichte und Identität zugleich. Die Havasupai leben noch heute im Canyon, in Supai Village, erreichbar nur zu Fuß oder mit Maultieren.
Wir suchten einen schattigen Rastplatz und stärkten uns mit unseren Vorräten. Wir verließen uns darauf, vollkommen ungestört zu sein. Ich konnte es kaum erwarten, dass du das Spiel eröffnen würdest. Warum ich nicht einfach anfing? Weil es so erregend war, dich manövrieren zu sehen; zu erleben, wie du die ersten Akzente setztest. Gleich würde die erotische Deckenbeleuchtung aufflammen. Ich wollte dir nicht vorgreifen.
Es waren die Details. Stets waren es die Details.
Ein Wispern ging durch die Bäume, kaum hörbar, als würde die Natur den Atem anhalten. Du bewegtest dich mit dieser stillen Sorgfalt, die nur wenige besitzen. Ich wartete voller Vorfreude. In meiner Leidenschaft hätte ich sofort kommen können.
Du wolltest einen Raum erschaffen; wolltest inszenieren. Eine Verschmelzung von Naturgewalt und Sinnlichkeit lag nah. Ein Blick von dir genügte, um das Licht zu verändern. Nicht heller, nicht dunkler, nur wärmer. Wie eine Einladung. Ich spürte, wie mein Puls sich dem Rhythmus deines Atems anpasste. Du nahmst das Tempo aus jeder Geste. Wie deine Fingerspitzen über meinen Busen strichen, noch ohne mich zu berühren. Wie deine Stimme mich vibrieren ließ. Du schriebst ein Gedicht auf meine Haut nur mit deinem Atem. Ich war bereit, jede Zeile auswendig zu lernen.
Du wolltest dich in mich eingraben wie der Colorado in den Canyon. Wachsam patrouilliertest du an meinen Grenzen. Begierig darauf, dass mir eine Regung entkam, die zu meinem verborgenen Wesen gehörte. Ich sollte über meine Ufer treten und mich dir übergeben. Oh, wie gern wollte ich es. Erst jetzt ging deine Hand unter dein Hemd. Ich trug es als Flanellflagge der Liebe. Du untergrubst die Formbügel meines Büstenhalters.
„Lass mich auf der Stelle kommen, bitte Liebster“, bat ich dich.
Ich genoss deine Lustfreude.
„Warte, lass uns gemeinsam kommen, meine Süße.“
Du bedeutetest mit einem Blick, was du wolltest.
Ich öffnete deine Hose und befreite dein Glied. Es schnellte mir entgegen.
„Jetzt“, sagtest du.
Wir küssten und rieben uns in einem Akt postjuvenilem Gebirgspettings.