Zunächst unterstützte die Bundesrepublik Deutschland ihn, dann unterstützte Deutschland jene, die Schah Reza Pahlavi vom Pfauenthron stürzten. Frank Bösch beschreibt diesen historischen Wendepunkt als eine Zäsur der Weltgeschichte – und als Initialzündung der Gegenwart. Nichts von dem, was sich im Februar 1979 in Teheran ereignete, entsprach einer Vorzeichnung. Michel Foucault, der den landesweiten Aufstand für Corriere della Sera beobachtete, schrieb: „Dies ist vielleicht der erste große Aufstand gegen die globalen Systeme.“
Innerhalb von drei Tagen waren die etablierten Machtstrukturen hinweggefegt. Viele dürften den unheilvollen Charakter von Foucaults Iran-Berichten übersehen haben. Plötzlich drängten verschleierte Frauen in den Vordergrund und erklärten ihre „Ablehnung der westlichen Moderne“ zur politischen Leitlinie. Die Botschaft verpuffte in einem Vakuum des Unverständnisses. Zukunft wurde allgemein als ein westliches Projekt begriffen. Wahrgenommen wurde eine „Rückkehr ins Mittelalter“ unter der Ägide Ajatollah Khomeinis.
Siehe Frank Bösch, Zeitenwende 1979 – Als die Welt von heute begann
*
In unseren Zellen herrscht noch immer Steinzeit.
*
„Das Wesentliche im Universum ist nicht das Organische, sondern die Information.“ Heiner Müller
*
„Die wichtigste Ware, die ich kenne, ist Information.“ Gordon Gekko
*
„Ein Körper ist eine Überlebensmaschine für Informationen.“ Richard Dawkins
*
„Wir sind Überlebensmaschinen – Roboter, blind programmiert, um die egoistischen Moleküle, genannt Gene, zu erhalten.“ Richard Dawkins
*
„Man kann wissen, wie man siegt, ohne es tun zu können.“ Sunzi
*
„Man kann Bücher nicht erschießen.” Amos Oz
*
Ritter und Räuber - Ein Beispiel für die Bedeutung von Erzählungen. Auf Okinawa wurde eine Kata mit der Legende versehen, sie stamme von einem Schiffbrüchigen, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Tomari/Tomari gestrandet sei. Er habe sich auf einem Friedhof eingerichtet und sich auf die schiefe Bahn nächtlicher Überfälle begeben. Um dem Treiben ein Ende zu bereiten, sei die bedeutende Schranze Matsumura Sōkon vom König persönlich losgeschickt worden sein. Jedoch konnte der Ritter den Räuber im Zweikampf nicht überwinden. Fragt mich nicht, warum der Polizeieinsatz so förmlich über die Bühne gegangen sein soll. Gewiss entsprach es keiner ständigen Praxis, Verbrecher:innen die Ehre eines Duells anzutragen. Im Folgenden ergründete der Verlierer das Geheimnis der Überlegenheit als Schüler desDelinquenten. Angeblich hieß der chinesische Experte Chintō. So heißt jedenfalls die Kata. Zu jenen, die sie tradierten, zählen im historischen Präsens Gusukuma Shiroma, Matsumora Kōsaku, Oyadomari Kōkan und eben der von einem Strauchdieb genickte Premiumhäscher.
Heute fragt man sich, warum ein so hoch gestellter Beamte und berühmter Kampfkunstexperte wie Matsumura Sōkon einen solch niedrigen Auftrag direkt vom König bekam. Vermutungen liegen nahe, dassMatsumura Sōkon die Chintō von Matsumora Kōsaku aus Tomari lernte, sie aber Kraft seines Amtes mit einem anderen Ursprung belegte. Die Politik der damaligen Gesellschaft ist heute nicht mehr durchschaubar. Der Eintrag bringt einiges auf den Punkt. Die Deutungshoheit liegt einmal wieder bei dem Autor mit der besten Story. Matsumura Sōkon weiß, wie man Glaubwürdigkeit erntet. Unverfroren tritt er als Loser auf, der seine Position pimpt, indem er den Wissensrahm eines versprengten Haudegens abschöpft. Im weiteren Verlauf gehen Chintōs Gong-fu-Ziselierungen durch die Okinawa-Presse und erfahren die oft besprochene Do-Ki-Transition im Geist einer Abhärtungslogik.