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2026-02-06 16:32:32, Jamal

Nana ist seelisch monogam, auch wenn sie viele Liebhaber hat. Allein Goya ist der Anker ihrer Emotionalität. Er ist der einzige, der Zugang zu ihrer inneren Welt hat.

Meisterin der Manifestation

Um Ned in Schwung zu bringen, formuliert sie: „Ich möchte auf etwas bewegt werden, dass ich für einen Altar halten darf.“ Sie wünscht sich Führung, um wiederum die Führung vorzuführen, sofern ihr das möglich ist. Topping from the bottom. 

Ich möchte bewegt werden. Die vier kleinen Worte reichen für ein bilaterales Aufrauschen. Sie kommen Neds Wunsch entgegen, Nana in den Griff zu kriegen und ihren Scharaden ein handfestes Ende zu bereiten. Nana erregt Neds Verzweiflung, die sie heraufbeschworen hat. Er kann sich nicht sicher fühlen. Er darf sich nicht sicher fühlen. Sonst könnte er nachlassen. Er könnte seine Anstrengungen verringern; anstatt sie zu verdoppeln. Kurz gesagt, Nana fordert Ned wie eine Trainerin, um ihn an seiner Leistungsgrenze zu halten. Trotzdem baut er ab. Etwas klemmt in dem aufgeladenen Verhältnis. Noch ahnt Nana nicht, was es ist. Allerdings spürt sie eine gewisse Einseitigkeit, wie einen Gleichgewichtsverlust. 

Ned doziert über Michel Foucault. Die Antwort auf alle Unwägbarkeiten lautet Erziehung. Das stellt Foucault beinah am Ende seiner Reise zu den Quellen des Nils der „Sexualität und Wahrheit“ im vierten Band fest. Er beschreibt das Projekt des Christentums als eine post-antike Verbesserung des Menschen in Glauben und Verzicht. Foucault zeigt, dass die Ökonomisierung der Sexualität, die sich bis in den Regelvollzug fortsetzt, nicht erst vom Christentum ausgelöst wurde, sondern vorher da war. Die apostolischen Einlassungen basieren auf Milieuübereinkünften in einer nicht christlichen Welt. Am Anfang vom Ende einer langen Strecke des Begreifens zeigt Foucault, dass die Kirchenväter zu Anfang der christlichen Zeitrechnung stoische Leitsätze kopierten. Er durchforstet die Reglements von Taufe, Sünde und Buße in der Gemeinschaft der Gläubigen. 

„Die Vielseitigkeit und Unbeständigkeit“ des Menschen verlangen Regulation. Über die Vereinfachung gelangt man zur Askese. 

Zitiert aus Michel Foucault, „Die Geständnisse des Fleisches. Sexualität und Wahrheit“, Band 4., herausgegeben von Frédéric Gros 

Nana versorgt Ned mit Erregungsmaterial. Das ist kein Altruismus, sie überlässt der Konkurrenz keinen Zentimeter. Die Wälle sind geschliffen. Jetzt baut Nana ihre Befestigungen aus. Goya ist in jeder Hinsicht wertvoll. Ein prächtiger, wenn auch nicht der prächtigste Pfau in Nanas Reichweite. Seine Art, sich sozial zu bewegen, verhehlt Neds Vorsprünge. Die Dynamik des Reichtums auf seiner Seite und Nanas gediegener Background befeuern den Sex.  

Ihrer Liebe zum stummen Zwiegespräch frönt sie in allen akademischen Settings. Sie schreibt: Wir sind Meister der Manifestation. Wir schöpfen aus Phantasie und Wirklichkeit. Wir bauen etwas, das perfekt für uns ist. Rote Rosen sollen es für uns regnen (Hildegard Knef). Für uns gibt es kein Prêt-à-porter. Wir machen es nicht unter Haute Couture. Wie willst du mich, gerade jetzt? Du weißt, ich kann dir nicht widerstehen. Gegen meinen Willen bewegt sich meine Hand zu meiner F... Es ist ein magischer Vorgang. Das übersteigt meine Selbstbeherrschung. Ich tropfe in einem Raum mit dreißig Leuten. Die Phantasielosigkeit stinkt. Die geistige Armut stinkt.

Nanas Antwort ist ein fader Aufguss seiner leidenschaftlichen Ausbrüche. Ist eine unangemessene, geradezu beleidigende Reaktion auf Nanas Verausgabungsbereitschaft und ihrem Willen, Nana auf ein Plateau dicht unter der Spitze ihrer Pyramide zu stellen.

Wir machen es kurz und klären einfach auf. Seit einigen Stunden belastet Ned die späte Einsicht, dass Nana ihn jederzeit denunzieren kann. Plötzlich erkennt Nana den Grund für die Krise. Mit Vorsicht kann sie überhaupt nichts anfangen. Sie sehnt sich nach seinen Worten, so wie sie am Anfang kamen, ungefiltert, angstfrei, überflutet von Hormonen.

„Ich lege mein Leben in deine Hand, um dich zu beruhigen“, schreibt sie am späten Nachmittag. Beide sind im selben Institut an unterschiedlichen Orten. In einer halben Stunde wollen sie zusammen Käsebrötchen essen. Die Betreiberin der Cafeteria ist berühmt für ihre Käsebrötchen und ihren Kakao. Die Studierenden lieben Frau Schneider.

Lass uns weiterspielen, bettelt Nana in Gedanken, Ned beißt sofort wieder zu. Die Antwort kommt so prompt wie sein Vertrauen.

„Und wenn ich dich ...“

Nana antwortet zufrieden:

„Dann machst du es genau so, und ich werde mich daran noch erinnern, wenn ich eine alte Schachtel bin und niemand mehr das mit mir machen will.“