„Ich wollte nochmal Danke sagen. Nicht nur, weil du es magst. Sondern weil ich es so meine. Dass wir gemeinsam eine Geschichte von 170 Seiten geschrieben haben, die ich jetzt den Rest meines Lebens bei mir tragen werde; dass ich dank dir Co-Autorin eines echten Romans geworden bin; dass du mir so viel Energie und Lebenselixier für meinen Alltag gibst; dass ich mich auch als Schreibende weiterentwickeln und lernen darf; dass du mich aufforderst, immer weiter zu schreiben und meiner Inspiration zu trauen; dass du mir eine Frauenfigur geschenkt und mit mir erschaffen hast, die stark ist, ihre Wünsche lebt, fordert und sich kein kleines bisschen schämt; die Erregung und der Humor und die tiefe Verbindung beim Lesen. Danke.” Christine Zarrath
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“Fiddling with divine energy, such as CCs is dangerous and enticing on a cosmic scale. I adore you JJ, and what you can do with your words. Your words are magic spells that lift and enlighten me. Like a diamond that is finally able to glitter in all its facets. I hope part of this intense glimmer and energy spreads back to you.” Christine Zarrath
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Nana sieht sich um. Ein Bild erinnert sie an eine ikonografisch ins kollektive Gedächtnis eingegangene Katastrophe. Am 28. Januar 1986 endete der NASA-Weltraumflug STS-51-L gleich nach dem Start. Die Raumfähre zerbrach in einem Bild. Ein vielfach gewundener Explosionsschweif mäanderte über den Himmel. Das hatte die Welt noch nicht gesehen. Zu den Opfern des Unglücks zählte Judith Arlene ‚Judy’ Resnik, deren Eltern aus der Ukraine nach Ohio gekommen waren.
Das zu wissen ist Nana kaum bewusst. Sie schöpft aus dem Vollen.
Klassisch-grandios
„Erzähl mir”, beginnt er, „von dem Buch, das dich in letzter Zeit so richtig angemacht hat. Ich meine den Titel, der dich höllisch heiß gemacht hat. Das hilft mir, dich zu verstehen.”
Nun agiert Vernon konventionell und zurückhaltend als klassisch-grandioser Verführer, wohl wissend, dass die eigentliche Faszination des Gegenübers von ungefiltertem Interesse ausgeht - das Zielobjekt wird in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt, um später mit dem erworbenen Wissen demontiert zu werden. Das ist nicht die schönste Wendung, die sich Nana vorstellen kann. Aber es überfordert sie auch nicht.
Vernon will sich keine Blöße geben. Er braucht Grund unter den Füßen. Nana wird ihn nicht so schnell dazu verführen können, über seine heimlichen Ufer zu treten. Sie muss mit trainierter Hinterlist rechnen. Es gibt nichts Gefährliches, als einen eifersüchtigen Liebhaber der ersten Kategorie.Zu den Kategorien später mehr.
„Ich fand ‚Brigitte Bardots Memoiren’ geil.”
Nana offenbart ihre letzte denkwürdige Lektüre. Ihr ist klar, dass Vernon mehr erwartet und seine Enttäuschung eine erotische Dimension hat.
Nanas Faszination für eine schillernd-umstrittene Frauenfigur gibt Vernon einfach nichts. Nana braucht das aber für ihren Sex. Als Herrin des Geschehens muss sie Akzente setzen und Regieanweisungen geben. Sie lenkt Vernons Blick auf ihre Vorzüglichkeit. Die ganze Pracht in der Auslage. Alles für dich, wenn du nicht vor den Hindernissen scheust, die meine Exzellenz-Agenda vorschreibt.
Nana spiegelt sich in BBs Sinnlichkeit, ihrer Sanduhrfigur und Tanzleidenschaft.
Nana identifiziert sich. Sie teilt mit der berühmten Frau „diese unbedingte Hingabe an ihre Romanzen”. Sie schätzt „die völlige Kompromisslosigkeit, mit der BB ihre eigenen Vorstellungen auslebte”. Dass BB ihr Kind allein ließ, um Filme zu drehen, sei in den 1960er-Jahren skandalös gewesen. Das brennende Feuer ihres Temperaments, die große Sensibilität und Verletzlichkeit. Wie sie sich völlig verausgabte und schließlich rücksichtslos zusammenbrach.
Das gehört zu den Trivia meiner Existenz ... “That touches me, do you understand?”
Manchmal reden sie Englisch, die Anglistin und der Amerikaner. Aber meistens will Nana ihren Liebhaber Deutsch reden hören. Vernons ausgesuchte, von Kostbarkeiten funkelnde Fremdsprachlichkeit beglückt sie bis hin zu klandestinen Erweiterungen im Spektrum ihrer erogenen Zonen.
Dieser stoische Ehrgeiz, besser Deutsch zu können als die Natives, zumal in der absurd provinziellen Kleinstadt, die den Schauplatz für Vernons Expatriierten-Dasein abgibt. Besser angezogen zu sein. Besser gelaunt. Besser informiert. Dazu kommt der texanische Gigantismus ... on the pulpit of claimed supremacy.American by birth, Texan by the grace of god.Nana weiß das alles ... in Texas everything is a little larger and so are the men. The Waylon Jennings style: “I may be crazy, but it keeps me from going insane.”
Vernon versteht sofort, was ihm offenbart und auch angekündigt wird - eine hemmungslose Exzessbereitschaft. Der Wille, alle Hindernisse niederzubrennen. Vernon erfindet Ausreden, er schweift in gemäßigte Bereiche ab. Spielt den Dozenten. Den Eroberer steckt er vorsichtshalber in die Tasche. Der Taschenkasper lungert herum und wartet auf den nächsten Auftritt. Er hat alle Zeit der Welt und sehr viel Spielraum. Vernon ist zweifellos der interessanteste Germanist weit und breit. Die Reliefs an seinen Händen und Unterarmen lassen Nana an ein dendritisches Flussnetz denken. Für die männlichen Attribute in ihrer Reichweite verzeiht sie Vernon, dass er kurz davor war, zurückzuweichen.
„Es ist interessant, dass du dich so erhaben fühlst - während du strategische Zurückhaltung übst. Gefällt dir die Idee, ohne Kontrolle aufs Ganze zu gehen und dich und andere den Wölfen deiner Schimären zum Fraß vorzuwerfen?”
Vernon startet den nächsten Angriff auf Nanas Protokoll. Sollte diese Liebesgeschichte dämonische Dimensionen annehmen, will er der Dämon sein.