Auf einem Broadway der Antike - Normannische Metamorphose
Es gab royale Ludwigs, die so arm waren, dass sie ihre Pisspott-Schwenker anpumpten.
Was ließ sie verarmen?
Leute, die ihnen die Lebensbänder zu verkürzen die Muse besaßen. Jesus war gerade erst auferstanden, als Pariser sich gegen Römer zur Wehr setzen mussten. Die Römer stellten ihre Überlegenheit aus, indem sie an der Seine ein Theater eröffneten. Auf einem Broadway der Antike vollzog sich die Romanisierung der Kelten. Ab 465 bespielten Merowinger unter Childerich I. und Chlodwig I. die Freilichtbühne mit Thermalbetrieb. Die Einheizer der Karoliner Renaissance machten Paris zur Hauptstadt. Die Franken bekamen es mit Dänen zu tun, denen sie sich auf den Umwegen von Niederlagen, Arrangements, überlebten Seuchen, verweigerten Schlüsselübergaben, erbrachten Tributzahlungen und Intrigen immerhin so weit zu erwehren wussten, dass Paris keine skandinavische Herrschaft erlebte. Bedenkt man, wie erfolgreich Wikinger als Vernichter bestehender Machtverhältnisse waren, dann bleibt es bemerkenswert, dass ihre konzeptionelle Doppelaxt, Handel, wo möglich, Raub, wo nötig (oder umgekehrt), vor Paris nicht verfing. Sie etablierten sich in der Gegend und mauserten sich normannisch.
Das nur nebenbei - Die Koinzidenz geologischer und politischer Verwerfungslinien
Zu Peter Sloterdijks „Pangäa des regulär Irregulären“ zählt Afghanistan. Ein Jahr vor seinem Tod im Dezember 2010 fährt der ‚Bulldozer’ einem Treffen mit afghanischen Clanchefs in den Breiten des dritten Pols entgegen. Eine Terror-Serie, die Kabul erschüttert, und Selbstmordanschläge in anderen Gegenden Afghanistans, sind womöglich der Präsenz des grobkörnig-hemdsärmeligen US-Sondergesandten Richard Charles Albert Holbrooke geschuldet. Wegen seines ungehobelten Wesens nennen ihn manche Dick. Lieber möchte der „Architekt des Dayton-Abkommens“ Richard genannt werden. Er erklärte das seinem Dienstherrn Obama.
Holbrookes Mission könnte kaum heikler sein. Sein mit einem Ablenkungsmanöver zusätzlich gesicherter Konvoi quert geopolitisch und geologisch explosives Gebiet. Arizona Jakarta leitet das Sicherheitsteam.
Der Emissär soll Verhältnisse sondieren, deren Fatalität Peter Sloterdijk universell formuliert. Zu beobachten sind da „Überschneidungen partieller Energien, von denen keine stark genug ist, zu siegen, und keine resigniert genug, um die Waffen zu strecken ... (Das sind) Regionen ohne Vormacht, ohne Gericht und ohne Entschädigung ... Zwischenwelten aus Infiltrationen, Unterwanderungen und Verklumpungen ... Ströme aus strategisch gelenkten Ressentiments und gefälschten Nachrichten“.
„Der Himalaja und seine angrenzenden Regionen ... (erfahren) infolge der anhaltenden Konvergenz zwischen den indischen und eurasischen Platten eine kontinuierliche Kompression.“
Die interessierten Nachbarn
An der geografischen Peripherie positionieren sich Pakistan, Indien und der Iran. Pakistan unterstützt nur vorgeblich den „Krieg gegen den Terror“. In der pakistanischen Perspektive dient der Taliban-Terror der Abnutzung des amerikanischen Interventionswillens. Die Hegemonen belauern sich gegenseitig. Pakistan fürchtet eine Zunahme indischer Einflüsse. Gleichzeitig versuchen Taliban Pakistan in ein Kalifat zu überführen.
Alexander Kluge spricht von „eingefrorenen und virulenten Konflikten“. Sloterdijk spricht von einer Grauzonen-Globographie. Er sagt: „Kein Bürgerkriege-Atlas, kein Lexikon der Defizite vermag das Grauzonen-Reich zu umspannen, keines der üblichen Weltbilder fängt es ein. Historikern der Imperien ist die Neigung gemeinsam, die Existenz und Ausdehnung des Grauzonenhaften zu übersehen ... kein Auswärtiges Amt weiß wirklich, was da draußen geschieht, wo die Irregularitäten unter sich sind. Über einhundert staatsartige Halbanarchien unter Flaggen brüten auf dem Planeten in sich selbst, in der Regel von der Mitwelt ignoriert, im Halbschatten grellerer Konflikte, mittelfristig fixiert im Wiegeschritt steigender und fallender Korruptionswerte. Der gutwilligste Kosmopolit ist irgendwann müde genug, den Mantel des benign neglect über Gegenden zu werfen, von deren Verhältnissen zu viel zu wissen bloß unglückliches Bewusstsein nach sich zöge, sprich mentalen Stress ohne Handlungsoptionen.“