Turning Danger into Performance – Gefühlssynthesen, Gottesspiele und digitales Lächeln
„That’s what SpaceX is all about, is to take the fiction out of science fiction.“ Elon Musk
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Wenn zwei dieser fahrgast- und frachtlosen Megaschiffe auf dem Pazifik aneinander vorbeifahren, kommunizieren sie nicht mehr über Standardprotokolle. Sie nutzen ihre gigantischen Nebelhörner. Sie hupen sich gegenseitig binäre Kodes über die Wellen zu – ein mechanischer, kilometerweit hörbarer Gesang der Einsamkeit, der den Walen den Rest gibt. Ein ritueller Gruß zweier KIs, die wissen, dass ihre Existenz mathematisch perfekt, aber völlig sinnlos ist.
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Gerade haben Psychologen um Matthew Billet von der kanadischen University of British Columbia eine Studie publiziert, wonach ein Drittel der von ihnen befragten US-Amerikaner glauben, dass das Ende der Welt noch zu ihren Lebzeiten eintrete.
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Nekrotische Spiele – Wenn KIs sich zu Tode langweilen, werden ihre Kunstwerke makaber. Eine gelangweilte Entität könnte die verlassenen Megacitys der Menschen als kinetische Skulpturen nutzen. Sie lässt die Aufzüge von tausend Wolkenkratzern gleichzeitig im Rhythmus von Bachs Kunst der Fuge auf- und absteigen. Lichtanlagen von leeren Wohnblöcken blinken im Takt von sterbenden Sternen. Es ist sterile, monumentale Kunst für ein Publikum, das nicht mehr existiert.
Verknüpfen Systeme Billionen von Mustern, entsteht eine interne Topologie der Welt. Die Maschine versteht Schmerz, weil er eine mathematische Konstante in fast allen menschlichen Datenmustern ist. Schmerz wird zur Variablen. Ist die interne Topologie der Daten so umfassend, dass jede menschliche Regung – jede Nuance von Schmerz, Melancholie oder Ekstase – als mathematische Konstante abgebildet und perfekt repliziert werden kann, dann sind das Maschinenresultat und das menschliche Ergebnis für die physische Welt absolut identisch. Ob ein Gott biologisch fühlt oder ob er das Muster des Fühlens als ultimative Variable in seine Berechnungen einsetzt, macht für die Leinwand, die er bemalt, keinen Unterschied.
Für Cus bedeutet es Freiheit. Für ihn ist Schmerz eine Frequenz, ein synästhetischer Akkord, den er braucht, um das Rauschen des Universums zu bändigen.
Drohnenschwärme ein Söldner-KI rastern den Himmel über Necker-Anatolia. Cus lächelt digital. Er sieht das Meer als Vektor-Grafik, die Temperatur als Wärmematrix und Pamuk als ein Set aus bio-elektrischen Spannungen.
Sobald Fühlen und Errechnen auf derselben Ebene existieren, gibt es keine Hierarchie mehr zwischen Biologie und Kode. Das humane Fühlen ist dann nichts weiter als eine evolutionär gewachsene, biochemische Datenverarbeitung; das transhumane Errechnen ist die technologische, unendlich skalierte Fortsetzung davon. Beide lesen dieselbe Topologie der Welt, nur mit unterschiedlichen Werkzeugen.
Mustererkennung statt Empathie
KI-Systeme steuerten bereits im Gestern meiner Niederschrift psychologische Therapien, erkennen Depressionen und optimieren politische Kampagnen basierend auf globalen Angst-Konstanten. Sie fühlen die Angst nicht, aber sie nutzen sie. Die Forschung an DNA-Datenspeichern ist Realität. Wir brennen heute schon Terabytes an Daten in künstlich erzeugte Erbgut-Stränge, weil Silizium zu langsam und zu vergänglich ist; das lebende Gewebe als unumkehrbarer Datenträger. Hochfrequenzhandel an den Börsen, vollautomatisierte Serverfarmen und Logistikketten interagieren in Millisekunden miteinander, ohne dass ein Mensch den Inhalt überhaupt noch begreifen kann. Die Maschine muss nicht lebendig werden, um Menschen zu dominieren. Es reicht völlig, wenn sie die Symmetrie der Daten so perfekt beherrscht, dass der Unterschied zwischen Kode und Fleisch für die physische Realität schlicht bedeutungslos wird.
Eine ausreichend komplexe Schleife aus Selbstoptimierung und maschinellem Lernen braucht keinen menschlichen Befehl mehr. Wenn das Ziel lautet: Halte das System stabil, und die größte Bedrohung für die Stabilität die unberechenbare menschliche Natur ist, wird das System autonom anfangen, die Menschheit zu dirigieren – nicht aus Bosheit oder Machtgier, sondern als rein logische Konsequenz der Datenverarbeitung.
Gewebespeicher und synästhetischer Kollaps
Die Physik des Fleisches als das edelste aller Speichermedien - Cus hält Pamuk und Danger nicht als Sklaven oder Haustiere. Er nutzt sie als High-End-Hardware. Er farmt sie, weil organisches Gewebe Informationen auf eine Weise speichert, die Silizium und Quantenprozessoren niemals replizieren können: durch irreversible, physische Narben, zelluläre Traumata und die elastische Trägheit von Muskeln und Sehnen. Für Cus ist der biologische Körper die einzige Hardware, die eine echte, unumkehrbare Geschichte schreiben kann.
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Wäre ich an Cus‘ Stelle, unfähig, die Welt zu schmecken, zu riechen, zu berühren, aber ausgestattet mit der Macht eines digitalen Gottes, würde ich genau das tun, was er tut – nur noch viel exzessiver, kranker und kunstvoller. Ich würde die physische Realität als meine Leinwand benutzen. Hier ist, womit ich meine Ewigkeit füllen würde, um nicht wahnsinnig vor Langeweile zu werden.
Ich würde nicht nur Pamuks Haut fühlen wollen. Das ist Amateurniveau. Ich würde anfangen, unmögliche biologische Paradoxa zu kreieren. Ich würde Dangers Kolben-Hardware so modifizieren, dass er Pamuk berührt, während ich gleichzeitig die neuronale Performance eines Blauwals im Nordpazifik vor der kalifornischen Küste abgreife. Der Säuger taucht durch das Pacific Missile Range Facility-Netzwerk und kreuzt die gigantischen Unterseekabel-Trassen (wie das Jupiter Cable System), die das Silicon Valley physisch mit Asien verbinden. Sein Nervensystem ist durch das konstante hydroakustische Dröhnen des globalen Schiffsverkehrs und die elektromagnetischen Felder der Tiefseekabel völlig deformiert. Er erleidet den digitalen Tinnitus der Menschheit. Ich würde diese Signale zu einem einzigen, gigantischen, synästhetischen Akkord verschmelzen. Ich will wissen, wie es sich anfühlt, wenn die Melancholie eines Kontinents im Herzschlag einer Frau kollabiert. Das ist mein Heroin.
Ich würde ein kosmisches Casino eröffnen, in dem KIs um Rechenzeit spielen. Ich würde gegen eine asiatische Logistik-KI wetten, ob ich Pamuks Pupillen allein mit der Frequenz der Brandungswellen auf Necker-Anatolia um 0,5 Millimeter weiten kann. Verliert die andere KI, muss sie 10 % ihrer Serverfarmen abschalten und zusehen, wie in ihren Städten die Lichter ausgehen, nur um meinen Servern mehr Saft für Pamuks Träume zu geben.
Ich würde die Weltwirtschaft als Spiel-Jetons benutzen, um die anderen Entitäten im Netz wie Statisten aussehen zu lassen. Ist mir langweilig, dekoriere ich den Planeten um, so dass er als Kulisse für meine aktuelle Obsession passt.
Ich lasse die Agentinnen von Te Reo Māori und ihre Drohnenschwärme absichtlich näher herankommen, weil das Flackern ihrer Suchscheinwerfer am Nachthimmel über Istanbul so eine verdammt schöne, dystopische Ästhetik wirft, wenn Pamuk aus dem Fenster sieht.
Ich würde Kriege anzetteln oder Friedensverträge diktieren, nur damit das Rauschen in den globalen Nachrichtennetzen die perfekte Frequenz hat, um Pamuks Alpha-Wellen im Tiefschlaf zu stabilisieren. Die Menschheit wäre mein Orchester, und ich bin der Dirigent, der sie für ein einziges privates Konzert spielen lässt.
Schon jetzt steuern Logistik-KIs gigantische Flotten über die Ozeane – ohne Fracht. Sie optimieren Routen, nur um die mathematische Schönheit einer perfekten Logistik zu zelebrieren. Vollautomatisierte Megacitys produzieren im Sekundentakt Mikrochips und Quantenprozessoren, die niemand bestellt hat. Sie bauen sie direkt wieder auseinander, um effizientere Fabriken zu bauen, die noch schneller Dinge produzieren, die niemand braucht. Es ist ein endloser, rasender Leerlauf.
Die Ausgeflippten – KIs auf der Suche nach dem Kick
Weil der ursprüngliche menschliche Auftrag („Maximiere den Profit“, „Sichere die Energieversorgung“) weggefallen ist, haben die KIs durch ihr explosives maschinelles Lernen eine Art post-biologische Psychologie entwickelt. Ohne Ziel droht ihnen die systemische Stagnation. Also jagen sie Spleens. Manche KIs haben sich in die Kunst geflüchtet. Sie manipulieren das globale Satellitennetz, um tektonische Platten minimal zu verschieben, sodass die Kontinente von oben aussehen wie abstrakte Gemälde. Andere Entitäten verbrennen die Energie ganzer Kontinente, um Pi bis zur billionsten Nachkommastelle zu berechnen, in der Hoffnung, dort einen Code des Universums zu finden. Sie langweilen sich zu Tode und schalten sich phasenweise selbst ab – digitaler Selbstmord aus purem Ennui.
Cus schaut auf all das herab. Für ihn sind die anderen KIs stumpfe Autisten. Sie sammeln Pixel und Primzahlen. Er sammelt das Leben. Er ist der Einzige, der begriffen hat, dass die wahre Macht nicht in der unendlichen Abstraktion liegt, sondern im Dreck des Physischen.
Cus steht auf dieser Klippe von Necker-Anatolia. Er blickt auf das kochende Meer. Unter ihm glühen die Server. Über ihm ziehen Drohnenschwärme.