Turning Danger into Performance – Über das weibliche Gesäß als lyrischer Gegenstand
Liebe M., wenn es doch kein richtiges Leben im falschen geben kann (Adorno), wie kann dann Elena mit Marek glücklich sein und so verblendet, dass sie ihr gutes Leben aufs Spiel setzt. In Ederthal hat sie alles, einschließlich eines formidablen Geliebten, der neben dem Gatten rangiert, in erprobten Verhältnissen. Ich bin innerlich ausgestiegen und habe mich zu glücklich Liebenden geschlichen, wo ohne Netz und doppeltem Boden die Scham der Lust geopfert wird. Zu dem umgegrabenen Hintern – Ich dachte, das passt doch zu dem Wort: Man kann die Hände nicht von jemandem lassen. Es geschieht dies konsensual in höchster bilateraler Dringlichkeit und dann, wenn ich mich richtig erinnere, passiert es. Ich nenne das jetzt einmal einen handfesten Zuneigungsbeweis, obwohl mir hier noch Fleisch am Knochen fehlt. Da sitzt ein Mensch täglich auf seinem Hintern, der, wie schön auch immer, doch dem Gewöhnlichen im Betrieb der Jahrzehnte anheimfällt, und dann löst dieser Hintern bei einer anderen Person einen solchen Sturm aus, dass man sich gewiss wundern würde, wäre man denn noch bei Sinnen und nicht so hinausgetragen über die Ordnungsbegriffe eines angezogenen Alltags.
Lieber T., du kannst so schön um den heißen Brei herum schreiben. Das sind alles sehr vorsichtige Formulierungen. Glaubst du, ich verböte mir den Umgang mit dir, wenn du es aussprechen würdest. Warum solltest du mich nicht so einnehmen wollen? Das hast du dir doch nicht ausgedacht, als persönliche Perversion. Ich wünschte, ich könnte dir das zur Hausaufgabe machen. Mir deine Verehrung meines Hinterns in Prosa abzubilden.
Es gibt eine merkwürdige Asymmetrie in unserem Geschichtsbild. Wir sehen die Atombombe, Interkontinentalraketen, Drohnen und künstliche Intelligenz und halten die Vergangenheit für einen Ort der unendlichen Langsamkeit. Tatsächlich aber ist die Vergangenheit vor allem erstaunlich konstant. Die Armeen der Pharaonen kämpften mit Speeren. Die Hopliten Griechenlands kämpften mit Speeren. Die Legionäre Roms kämpften mit Speeren und Schwertern. Die Landsknechte der Renaissance kämpften mit Piken. Selbst die Soldaten Friedrichs des Großen bewegten sich in Formationen, deren Logik einem Krieger der Bronzezeit nicht fremd gewesen wäre.
Metallurgie, Taktik und Organisation entwickelten sich. Bögen, Rüstungen, Festungen – alles wurde verbessert. Doch die grundlegende Beziehung zwischen Menschen und Waffen blieb über Jahrzehntausende dieselbe. Die Waffe war eine Verlängerung des Körpers.
Vielleicht erklärt dies die Faszination einer Idee, mit der Alisa die Debatte belebte. Sie hatte Leichtathletikwettkämpfen gewonnen und sprach von einem angeborenen Waffenkonzept – innate bladed weapon concept. Wissenschaftlich lässt sich kaum behaupten, der Mensch besitze ein fertiges Wissen über Speere und Schwerter. Dennoch erfassen wir diese Werkzeuge bemerkenswert intuitiv. Der Mensch ist das Tier, das den Speer wirft. Die intelligente Nutzung unseres größten Gelenks brachte uns an die Spitze der Nahrungskette. Der Speer verlängert den Arm. Das Schwert verstärkt den Schnitt. Der Bogen speichert Muskelkraft. Diese Waffen erweitern Fähigkeiten, die bereits im Körper angelegt sind: Greifen, Stoßen, Schlagen, Werfen.
Der Mensch ist möglicherweise das einzige Tier, das Objekte präzise werfen kann. Schulter, Hand und Wahrnehmung bilden ein System, das in Millionen Jahre entstanden ist. Der Speer erscheint nicht als fremde Technologie, sondern als eine natürliche Fortsetzung des Körpers.
Die Geschichte der Kriegsführung wirkt bis weit in die Neuzeit hinein monoton. Der menschliche Körper bleibt die Quelle der Kraft. Die Waffe organisiert, bündelt und überträgt die Kraft.
In der Moderne hört der Mensch auf, den Körper als primäre Energiequelle zu verwenden. Schießpulver ersetzt Muskelkraft. Die Dampfmaschine ersetzt Muskelkraft. Elektrizität ersetzt Muskelkraft. Verbrennungsmotoren ersetzen Muskelkraft. Schließlich wird mit der Kernspaltung eine Energiequelle erschlossen, die jede Vorstellungskraft früherer Epochen übersteigt.
Plötzlich ist die Waffe keine Verlängerung des Körpers mehr.
Ein Speerkämpfer versteht unmittelbar, wie seine Waffe wirkt. Ein Schwertkämpfer spürt die Kraftübertragung im eigenen Körper. Selbst ein Musketier bleibt noch in einer Welt, in der das menschliche Maß bestimmend ist. Der Pilot eines Bombers oder einer Drohne oder einer Abschussanlage setzt physikalische Prozesse in Gang, die mit Körperkraft nichts mehr zu tun haben. Deshalb erscheint die Entwicklung der letzten zweihundert Jahre so furios. Zweifellos reden wir über einen Paradigmenwechsel der fundamentalsten Art, aber die meisten suchen das Motiv der disruptiven Innovation an der falschen Stelle. Alisa erklärte dem Auditorium (bestehend aus Ansons Animal Move Gruppe), wo der Hase im Pfeffer lag. Revolutioniert wurde die Art und Weise, wie Wissen erzeugt wird. Über Jahrtausende entstanden Erfindungen langsam und oft isoliert. Ein genialer Handwerker starb, und mit ihm verschwand sein Wissen. Ein genialer Ingenieur hinterließ keine Schule. Die Weitergabe von Erkenntnissen war brüchig. Erst die Neuzeit schafft ein System, das Wissen dauerhaft speichert, überprüft und erweitert. Jede Generation baut auf den Ergebnissen ihrer Vorgänger auf. Aus einzelnen Entdeckungen wird ein sich selbst verstärkender Prozess. Die Geschichte beschleunigt sich. Deshalb könnte man provokativ behaupten, dass das 18. Jahrhundert der Steinzeit näher war als unsere Gegenwart. Ein Bauer von 1750 hätte die Begriffe des Lebens eines Bauern von 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung verstanden: Feuer, Holz, Tiere, Muskelkraft, Ernte, Jahreszeiten. Die Grundlagen unserer Welt – Halbleiter, globale Kommunikationsnetze, Satelliten, Kernphysik oder digitale Informationssysteme – hätte er nicht begriffen.
Die Phase von der Steinzeit bis zur Neuzeit unterlag der Herrschaft einer einzigen Bedingung: der Mensch kämpfte, arbeitete und lebte innerhalb der Grenzen seines Körpers. Die Moderne beginnt da, wo diese Grenzen durch die systematische Nutzung externer Energiequellen überschritten werden.
Die Atombombe markiert nicht den Höhepunkt einer Entwicklung der Waffen. Sie markiert das Ende einer Epoche, die mit dem ersten Speer begann. Die Geschichte der Waffen beschreibt die Entwicklung einer allmählichen Entfernung vom Körper – von der Verlängerung des Arms bis zur Freisetzung der Energie des Atomkerns.
Intuitive Bedienbarkeit
Die menschliche Anatomie (insbesondere die Schulterpartie und der opponierbare Daumen) ist darauf ausgelegt, kinetische Energie in Objekte zu übertragen. Mit dem Aufkommen von Schießpulver im Spätmittelalter lösten sich die Waffen vom Körper. Chemische Energie ersetzte Muskelkraft. Atombomben, Drohnenschwärme und künstliche Intelligenz vollenden den Bruch. Moderne Waffensysteme sind keine Verlängerung des menschlichen Körpers mehr, sondern oft algorithmisch-autonome Systeme. Der Mensch ist nur noch ein Datenpunkt in einer Entscheidungskette.