Turning Danger into Performance – Kryptische Didaktik
Evolutionärer Endpunkt
Der eigentliche Engpass jeder Intelligenz ist die Thermodynamik. Jede Form von Informationsverarbeitung muss mit begrenzter Energie auskommen. Die erfolgreichsten Systeme vermeiden Rechenaufwand. Sie verlagern Komplexität in Struktur. Sie lassen die Physik arbeiten. Biologie ist ein Meisterwerk dieser Strategie. Über Milliarden Jahre entstanden Systeme, die mit erstaunlich geringem Energieaufwand Wahrnehmung, Anpassung, Lernen und Selbstorganisation ermöglichen. Verglichen mit vielen künstlichen Systemen wirkt biologisches Leben nicht wie eine unvollkommene Maschine, sondern wie eine außergewöhnlich effiziente Form verkörperter Berechnung.
In dieser Betrachtung erscheint Bewusstsein nicht als evolutionärer Endpunkt. Es ist eine Organisationsform. Eine leistungsfähige, aber kostspielige Methode, mit Unsicherheit umzugehen. Eine Ausnahme, nicht die Regel.
Vielleicht liegt die tiefere Lektion darin, dass Intelligenz nicht mit dem Denken anfängt. Sie beginnt in lernfähiger Materie, die im Rahmen ihrer energetischen Grenzen expandiert.
Seit er Aiko dabei erwischt hatte, wie sie sich selbst mit dem Stock konditionierte, kreiste Aslans Unterricht um den Bō. Seine Bewegungen ließen Aiko ständig an Sex denken. Sie folgte ihm mit dem Atem ihres Verlangens.
Die Erweiterung der biomechanischen Basis … einen Ruck im Holz spürte Aiko mitunter im Brustbein. Bei Partnerübungen mit dem Stock wusste Aiko oft nicht, wo ihre Bewegungen begannen und endeten. Abstrakt war ihr schon klar, dass es keinen Anfang und kein Ende gab, aber die Übungen demoralisierten den Geist, da sich kein Gedanken festhalten ließ. Ständig bedrohte sie ein Gleichgewichtsverlust. Wieder und wieder ließ Aslan die Novizin auf der energetischen Ebene stolpern, um sie liebevoll aufzufangen.
„Da, wo du fällst, verbirgst du dich.“
„Ich weiß es. Aber mir nutzt mein Wissen nichts. Ich kriege meinen Geist nicht zu fassen.“
„Das ist kein Techniktraining.“
Da war sie wieder – diese kryptische Didaktik, aus der Alisa oft nicht schlau wurde. Mitunter erlaubte sie sich den Gedanken, dass Aslan einen seiner eigenen Meister imitierte. Er hatte Jahre auf Okinawa und in China verbracht … ein besessenes Kind in Alisas Vorstellung. Einsam und zerschlagen. Zweifellos hatte sich Aslan seine opake Erscheinung eisern zusammengeschustert.
Alisa gehorchte dem Zeremoniell. Beim finalen Gruß verbeugte sie sich regelrecht, während Aslan es bei einem Kopfnicken beließ. Er nahm zuerst Platz, sie wartete auf ein Zeichen, bevor sie sich niederließ. Aslans liebster Bō - ein klassisches Instrument von unschätzbarem Wert und doch nur ein Stück Holz - lag still zwischen ihnen. In der Stille wuchs die Spannung.
Aslan betrachtete Alisa wie ein Kurasawa-Kinosamurai den letzten Sonnenaufgang vor Seppuku. Wieder amüsierte sie die Idee, dass er sich seine Attitüden irgendwo abgeguckt hatte.
„Du kämpfst mit dem, was du zurückhältst.“
Alisa nickte kaum merklich. Sie wusste es längst. Aber was nutzte es.
„Ich will nicht kämpfen“, sagte sie leise.
Aslan hob den Bō auf und schwang ihn liegend. Er wirbelte den Stab wie einen durchgeknallten Ventilator … bis er sich zu verflüssigen schien. Die Virtuosität ging über alles hinaus, was Alisa je gesehen hatte. Sie verstand sofort. Aslan offenbarte sich ihr. Endlich! Nur, wie lautete die Botschaft?
„Ich danke dir“, flüsterte sie prophylaktisch.
Aslan legte den Stock ab.
„Du bist bereit.“
Ein Zittern durchlief Alisa. Etwas löste sich. Etwas fiel ab. Und was blieb, war sie selbst, ohne Schutz, ohne Rüstung - zum ersten Mal vollkommen unbesorgt. Sie vernahm einen inneren Andrang, einen verlangenden Ruf, der ihr nicht über die Lippen kam.
„Spüre, was du gibst. Nicht was du bekommst.“
Zärtlich berührte Aslan ihr Lustzentrum. Alisa stöhnte auf, ein Laut, der sich nicht zurückhalten ließ.
„Ich will dich nicht besitzen“, sagte Aslan. „Ich will dich erleben.“
Mit jeder Faser streckte sie sich ihm entgegen. Sie seufzte seinen Namen, bebte in seinen Armen.
„Unsere Körper sind Bibliotheken. Die Yi Jin Jing ist ein Alphabet der Verwandlung. Du bist ein Geschöpf der hessischen Prärie. Ich fließe in einem Strom, dessen Quellen einem Trauermassiv entspringen. Meine Ahnen gehörten zu einem der verlorenen Stämme.“
Die Luft war schwer von Duftstoffen, die Aslan durch zig Diffusoren strömen ließ. Es war beinah eine Obsession. Alisa wusste es nun. Sie trug das geheime Feuerzeichen und er hatte es gesehen. Das machte sie unentbehrlich. Die Matrix ist ohne sie nicht vollständig.
Alisa bot Aslan ein entzückendes Bild. Doch nahm er nicht einfach an, was sie ihm bot. Warum gab er dem Wunsch nach sofortiger Befriedigung nicht nach? Wollte er ausgerechnet jetzt prüfen, ob Alisa ihm auch dann noch in die Anstrengung folgen würde, wenn ihr Körper nach ihm schrie?
„Aufstehen“, befahl er leise.
Alisa stand auf, federleicht im Qi-Fluss.
„An den Pfosten.“
Ihr Gang war ein Tanz zwischen Anmut und Berechnung.
Der Pfahl ragte aus der Mitte des Dōjōs. Alisa legte die Stirn an das Holz und streckte ihren Po raus. Ihre Brust hob und senkte sich erwartungsvoll. Ihre Haut war ein einziges Lustorgan. Es bedurfte kaum einer Berührung, um förmlich zu explodieren.
„Gefällt es dir, mich so zu sehen?“, fragte sie. Ihre Stimme war rau von zurückgedrängter Erregung. In ihr vibrierte eine ungeheure Spannung.
„Gefällt es dir, mich so zu erleben?“, fragte er.
„Oh ja“, entgegnete Alisa mit einer Leidenschaft, die vor den Silben nicht halt machte. Sie genoss das vokale Element. Worte wurden zu Berührungen. Sie führten den Sex aus dem Tunnel des Begehrens in die Freiheit der Zärtlichkeit.
In dieser Nacht erträumte sie noch mehr Dōjō-Sex. Ja, es war ein Genre und eine Passion zwischen ideal und sakral. Es wäre gelogen, zu behaupten, dass sie im Schlaf von Aslan erkannt wurde, aber die Person entsprach ihm in Anspruch und Wesen. Er teilte mit Aslan die Vorlieben. Er führte sie über dessen Etagen zum Höhepunkt und als sie wieder klarsah, stand Malia in der Tür des Dōjōs. Regungslos. Ganz in Schwarz. Ihre Haltung war perfekt. Die Augen verrieten es; Sie hatte alles gesehen. Sie trat vor und verneigte sich vor Aslan – nicht demütig, sondern fordernd. Alisa empfand kam Scham. Sie wich nicht zurück.
„Du hast uns beobachtet.“
Malia reckte das Kinn.
„Ich sehe, was du gibst. Und was du nimmst.“
Ein gefährlicher Ton lag in ihrer Stimme. Auch sie war eine Atemträgerin und zugehörig dem Kreis der Verschworenen. Alisa fand sich herausgefordert in einem Spiel um Macht, Würde - und die Gunst eines Mannes, der auswählte.
Malia ergriff das Wort. Mit peinigender Präzision sagte sie:
„Ich habe zu lange gewartet. Ich werde mich nicht mehr mit deinen Resten begnügen, Alisa.“
Der Meister stand zwischen den Rivalinnen und rührte sich nicht.
Alisa antwortete theatralisch wie in einem Bühnendialog:
„Ich habe nichts genommen, was dir gehört. Es war er, der wählte.“
„Dann wähle jetzt du“, zischte Malia. „Teile ihn oder verliere alles.“
Der Meister zeigte keine Regung. Kein Entgegenkommen.
Alisa formulierte vollmundig:
„Wenn ich dich teile, Meister, dann nur auf deine Anweisung. Nicht, weil ich weiche. Sondern weil ich standhalte.“
„Ihr wollt denselben Ort in meiner Ordnung. Doch diesen Ort gibt es nur einmal.“
Ein stilles Duell begann. Malia trat zuerst vor, ließ den Kimono von ihren Schultern gleiten, Alisa tat es ihr gleich. Ein rituelles Dreieck entstand. Die Außenwelt existierte nicht mehr. Als er sie zum zweiten Mal kommen ließ, erkannte Alisa den Meister. Es war Agravain. In ihrem Traum hatte sie die Seiten vertauscht. Sie war die Eindringende. Nun sah sie in Malia keine Gegnerin mehr. Bereitwillig empfing sie die erste zärtliche Berührung der anderen Frau. Doch war da keine Lust.