Turning Danger into Performance – Der Sternenschmiss neben der Straße
Niemand sah sie kommen und niemand kann sie von Irdischen unterscheiden. Sie erscheinen invasiv. Ihr Verhalten gleicht dem Angriff gebietsfremder Arten auf ein Ökosystem. Die Außerirdischen setzen Infiltration an die Stelle exemplarischer Gewalt. Sie postulieren Freiheit und Selbstbestimmung. Sie versprechen das Ende von Kriegen und Krankheiten. Ihre parasitische Lebensform haben sie äußerster Kultivierung zugeführt. Sie bewirtschaften die Erdlinge, ohne sich zu bekleckern. Sie denken die Erde und das Alte Testament neu als große Farm und Farmerfibel. Das Rindvieh kehrt selbst die Ställe aus.
Aiko hört die Science Fiction auf YT, ein Zufallstreffer. Sie weiß bis zum Schluss nicht, wie die Geschichte heißt und wer sie geschrieben hat. Die rhapsodisch listige Manier nimmt Aiko gefangen. Sie glaubt, dass die Geschichte für sie geschrieben und online gestellt wurde. Die Außerirdischen sind über das galaktische Larvenstadium von Spielbergs Sternenfähren und Raumkreuzer hinaus. Ihre Energie fluktuiert ungebunden. Ihre Matrix verweigert sich der Materialisierung. Den Usurpierten geben sie schwere Rätsel auf. Sie verlangen Menschenopfer auf freiwilliger Basis.
Die extraterrestrische Macht zeigt sich nicht. Trotzdem überziehen Schneisen der Verwüstung den Planeten. Die Menschheit erleidet eine Panikattacke. Sie arrangiert sich und überstimmt ihre eigenen Kritiker und Skeptiker. Ein Hellsichtiger erkennt den Befall der Gattung mit kosmischem Toxoplasma gondii, einem Einzeller, der im Katzenkot gefährlich wird. Die meisten wollen sich assimilieren, um auf den Trampelpfaden der Unterwerfung bei den Starken aus dem All mitmachen zu dürfen. Sie wollen die Expansion in den Weltraum und die Erschließung neuer Märkte hinter dem Horizont nicht verpassen.
Glück empfindet Aiko am Ufer eines vollgelaufenen Trichters an der B485. Die einem japanischen Rittergeschlecht entstammende Germanistin angelt mit Schnur und Faden nach Anweisungen aus einem seit dreißig Jahren vergriffenen Überlebenshandbuch von Rüdiger Nehberg, in ausgestorbenen Kennerkreisen „Sir Vival“ genannt. Die Delle ist der nicht ganz allein von Aiko beachtete Nachtrag eines kosmischen Eintrags im Buch des Lebens – die letzte Zuckung eines Kometendoppelschlags in weiter Ferne. Das Leben schreibt für jeden ein Buch. Manche sterben, bevor sie erfahren, was in ihrem Buch steht. Den Impaktkrater datiert man auf die Gegenwart vor vierzehn Millionen Jahren. Der Sternenschmiss neben der Straße erscheint Aiko magisch. Sie versteigt sich im Rausch eines nicht von Arbeit verrammelten Nachmittages zu der dreigliedrigen Einsicht: Es gibt eine Urwahrheit. Es passiert nichts durch Zufall. Im Leben passt alles zusammen. Das Universum steht solchen Erkenntnissen Pate auf den Umwegen einer eigenwilligen Beweisführung. Die Zusammensetzung von Meteoriten reicht nicht weiter als der irdische Bestand: Sauerstoff, Eisen, Silicium, Magnesium, Schwefel, Calcium, Nickel, Aluminium, Natrium, Chrom, Kalium, Kohlenstoff, Kobalt, Phosphor, Titan und Kupfer. Im Himmel geht es zu wie auf der Erde.
„Gott hat nichts Besseres als wir.“
Aiko entdeckt für sich den namenlosen Weiher noch einmal anders als klandestine Brutstätte. Das brackig stehende Gewässer wird nie zu einer auf Fahrrädern und Mopeds angefahrenen, von Geschrei drangsalierten Sommerattraktion, obwohl im Schutz der allgemeinen Gleichgültigkeit sich eine Idylle mit Erlen, Weiden, Entengrütze, Schwimmendem Laichkraut und Froschbissgewächsen weiter auswächst. Die Scheuesten finden den Weg dahin. Eines Tages bemerkt Raik Reste eines Lagers. Eine Plane, die dem Windschutz dient, weht von einem Ast. Weggeworfenes und Liegengebliebenes vermehren sich. Die Spuren der Verwahrlosungen führen zu weiteren Schlaf- und Feuerstellen, die mit Müll möbliert sind. Aiko geht gedanklich mit den verlorenen Seelen ins Gericht. sie erteilt jedem Platzverbot, der Dreck liegenlässt. Ein paar Wochen später zeigt sich eine erstaunliche Wirkung. Das auf der unteren Stufe des Mittleren Miozäns der Landschaft eingeprägte Becken zieht nicht länger menschliches Elend an. Aiko räumt am Ufer auf. Sie muss es kein zweites Mal tun. Sie thront in seinen Gedanken und staunt über sich. Offensichtlich hat sie die Direktdurchwahl zu Gott.
Ja, Aiko ist Katholikin. Das muss man wissen, um das Weitere zu verstehen. Tokugawa Iemitsu, dritter Shogun der Tokugawa-Dynastie, erlaubt den Niederlanden, was ab 1633 allen anderen „Barbaren-Staaten“ verboten ist. Im Abriegelungsrausch lässt sich das Shogunat dazu herab, Vertretern der „Verenigden Oostindischen Compagnie“, die als Expatriierte auf einer stinkenden, aus dem Meerbusen vor Nagasaki ragenden, mühsamer Landgewinnung abgetrotzten Erhebung namens Dejima konzentriert werden, als Handelspartner zu akzeptieren. So unbequem die Verhältnisse liegen, sie bieten sich doch einer Monopolstellung, die erst von amerikanischer Kanonenbootpolitik 1853 gebrochen wird, zur Nachsicht an. Dass die kleinen Niederlande Portugal ausstechen, hat vor allem einen Grund: die Protestanten missionieren nicht. Noch ist ihre Konfession ein Selbstläufer auf Eroberungskurs, während der Katholizismus unter Druck gerät. Der Papst setzt portugiesische Jesuiten auf Japan an, um den Schwund auszugleichen. Die Missionare agieren mit einer bewährten Doppelstrategie (Rettung der Seelen, Plünderung der Ressourcen). Das lassen sich die Japaner nicht bieten.
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Zum Schluss verfliegt der Hochmut und alles erscheint ganz einfach. In einer „vom Gestank der Exkremente erfüllten Finsternis“ erwartet ein Märtyrer den Tod. So endet Shusakū Endōs Roman „Samurai“. Der Autor lässt den für die Welt verlorenen, dem Himmelreich eilig entgegenstrebenden Christen nicht „umfallen“. Die japanischen Inquisitoren nennen das Abschwören umfallen vielleicht auch deshalb, weil erstaunlich viele Laien und Priester standhaft bleiben; und das, obwohl die Experten auf der anderen Seite imstande sind, den Todeskampf der Delinquenten wochenlang in Gang zu halten.
Die Prüfung der Glaubensfestigkeit wird stets als ein göttliches Gericht begriffen. In einer Vorbemerkung zu Shusakū Endōs von Martin Scorsese verfilmten Roman „Schweigen“ erwähnt der Regisseur religiös grundierte Krisen/Katharsis-Prosa von Graham Greene, François Mauriac und Georges Bernanos. Hinzu füge ich Julian Green, der wie Henri Quatre (Heinrich von Navarra) zwischen den Bekenntnissen pendelte und vorübergehend Buddhist war.
Scorseses Adaption gleicht einem Holzschnitt. Man erkennt sofort die Liebe zur Allegorie. Die Allegorie zeigt Jesuiten, die Jesus im Leid nachzufolgen bestrebt sind. Auf der Suche nach ihrem Ausbilder Ferreira, der als Missionar nach Japan ging und da einem Gerücht zufolge, dem die portugiesischen Padres keinen Glauben schenken möchten, abschwor und als Abtrünniger wider den Christengott wettert, landen Rodrigues und Garupe 1636 im Schutz von Nacht und Nebel auf der für Ausländer verbotenen Insel. Ihr Führer ist ein durchtriebener, Gott bei Gelegenheit anrufender, dann wieder verleugnender Säufer. Zuflucht finden die Seelsorger in einer versprengten und verlausten Gemeinde. Zuerst erscheinen sie wie Helden einer Subkultur. Ihre Verhaftung stutzt sie bald auf ein klägliches Maß zurück. Eine Schlüsselszene deckt die Hybris auf. Rodrigues begreift seine Anmaßung, angesichts des von seiner Gegenwart verursachten Martyriums der Gläubigen und der beiläufigen Ermordung des glaubensfesteren Weggefährten.
In der japanischen Perspektive bringt jeder Missionar Leid ins Land, indem er Bauern den Glaubensfloh ins Ohr setzt. Als Rodrigues endlich abschwört, erklärt der von Heiterkeit angehobene Provinzgouverneur und Großinquisitor Inoue: „Nicht ich habe Euch bezwungen, sondern Japan hat Euch belehrt.“
Inoue Masashige – Die graue Eminenz des Shoguns
Inoue Masashige (1585 - 1661) spielte eine Rolle bei der Festigung der politischen Ordnung, die Japan nach den Bürgerkriegen des 16. Jahrhunderts prägte. Als Einflüsterer avancierte er zum Spitzenbeamten (Bugyō). Seit der Ankunft portugiesischer Händler und katholischer Missionare hatte sich das Christentum in Teilen Japans verbreitet. Mächtige Fürsten (Daimyō) unterstützten die europäische Religion. Christliche Gemeinden entstanden vor allem in Westjapan. Der Atombombenabwurf auf Nagasaki am 9. August 1945 traf ausgerechnet eine Stadt, die seit Jahrhunderten das Zentrum des japanischen Katholizismus gewesen war. Besonders betroffen war der Bezirk Urakami. Da lebten Christen, deren Vorfahren über Generationen hinweg an ihrem Glauben festgehalten hatten. Die Urakami Cathedral, damals eine der größten katholischen Kirchen Ostasiens, lag nur wenige hundert Meter vom Hypozentrum der Explosion entfernt und wurde fast vollständig zerstört.
Viele Opfer waren Nachfahren verborgener Christen – Kakure Kirishitan.
Der Zufall als Geschichtsmacht
Kokura war das Primärziel der zweiten Atombombe („Fat Man“). Als Charles W. Sweeney in seiner Boeing B-29 Superfortress mit dem Namen „Bockscar“ (nach dem Ex-Kommandanten Frederick C. Bock) Kokura erreichte, vereitelte ein Wolken- und Rauchteppich die visuelle Zielerfassung und folglich den Sichtabwurf. Der Pilot flog deshalb Nagasaki an. Es war eine operative Entscheidung unter Zeitdruck. Treibstoffmangel, Wolken und verdichtete Emissionen änderten den Lauf der Geschichte. In Japan prägte sich die Wendung „Kokura no un (小倉の運) – das Glück von Kokura“ ein.
Kokura wurde zum Namen für das Glück der Verschonung im letzten Augenblick. Nagasaki wurde zum Namen für ein Unglück, das niemand verdient.
Die Verbindungen zwischen den iberischen Jesuitenmissionen, der Tokugawa-Verfolgung, Inoue Masashige als Vollstrecker einer isolationistischen Ordnung, Shūsaku Endōs „Schweigen“, die himmlische Rettung Kokuras und die irdische Zerstörung Nagasakis bilden Linien einer Schicksalstopografie, der sich Aiko heimlich verschrieben hat. Der niederhessische Kometenweiher und die klandestinen Christenriten gehören in diesem Konzept zu einer Erzählung. Kreuze wurden in buddhistische oder shintōistische Gegenstände eingearbeitet. Die Jungfrau Maria wurde als buddhistische Kannon-Figur verehrt. Gebete wurden über Generationen mündlich verändert, sodass Außenstehende sie nicht erkannten. Familien hüteten Reliquien im Verborgenen. Die meisten verborgenen Christen waren Bauern und Fischer in Nagasaki, auf den Gotō-Inseln und in Teilen von Kyūshū, aber die Bewegung hatte Wurzeln auch in den christlichen Samurai-Netzwerken des 16. Jahrhunderts.
Die Tokugawa-Regierung betrachtete das Christentum als politischen Faktor mit usurpatorischem Charakter. Nach dem Shimabara-Aufstand von 1637/38 zog das Shogunat die Daumenschrauben an. Für den Fürsten und seine Entourage waren die Missionare sektiererische Rattenfänger. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive. Während das päpstliche Europa im Einklang mit der Liturgie katholisch ein- und ausatmete und im Namen der Religion weltweit Genozide stattfanden, spielten Christen in Japan die Rolle von esoterisch Verirrten. Niemand sollte hoffen, alle sollen gehorchen in den Sümpfen des Nichts.
Die Politik der „geschlossenen Landesordnung“ (Sakoku) war kein vollständiger Abbruch aller Kontakte, sondern eine strenge Regulierung des Außenverkehrs. Inoue Masashige verkörperte den feudalen Pragmatismus und die Macht der Bürokratie. Sogar die Folter soll mehr nicht sein als ein realpolitisches Instrument. Erpresste Christen behalten stets die Wahl. Sie dürfen vom Glauben abfallen, um einer Kreuzigung, dem Tod auf dem Scheiterhaufen oder im Wasser zu entgehen. Sie können ihr Leben mit einer Formalität retten. Der Staat strebt keine Umerziehung an; ihm reicht eine Geste. Verweigerer werden mit dem Kopf nach unten aufgehängt. Den massiven Blutandrang leitet ein Halsschnitt nach außen. Cristóvão Ferreira versäumte es, den Märtyrertod zu sterben.
„Cristóvão Ferreira, geboren um 1580 in Torres Vedras (Portugal); gestorben um 1650 in Nagasaki (Japan) war ein Missionar der Societas Jesu, der ... vom Christentum abfiel und als Sawano Chūan (沢野 忠庵) repatriiert wurde.“ Wikipedia
Unter der Folter schwor der als besonders glaubensfest eingestufte Ferreira ab. Man schaffte ihn als Symbol christlicher Schwäche nach Nagasaki und steckte ihn in einen buddhistischen Tempel. Der Gefallene diente fortan als „gebildeter Informant“. Sein Abfall vom Glauben besaß einen hohen Propagandawert. In den Zentralen der katholischen Mission bewertete man den Vorgang als Verrat und Katastrophe.
Versprengte Zikade
„So vergingen die Tage. In der Trauermyrte zirpte die Zikade.“
Eine autistische Zikade ist seine einzige Gefährtin. Sie belebt eine Trauermyrte neben der Zelle, in der Fürst Chikugo den portugiesischen Priester Rodrigues festhält. Chikugo hat ihn auch belehrt, so belustigt wie erbittert: „Du behauptest, dass du in unser Land gekommen bist, um für diese Bauern zu sterben. In Wirklichkeit jedoch sterben sie für dich.“
Der Potentat lässt kein gutes Haar an dem Missionar. Er führt ihm einen leichtfertigen Hochmut vor Augen, indem er Rodrigues zum Zeugen der Hinrichtungen von (in der Perspektive der Mächtigen verkehrt) Bekehrten macht. Der Überlebende zerfließt in einem Gefühl von Erbärmlichkeit, ohne zu begreifen, dass auch dieses Käsige-sich-davonstehlen eitel ist. Nur der Tod kann ihm noch helfen. Den aber fürchtet der Delinquent. So gerät er in die Mühlen des japanischen Staatsapparats.
Angst erzeugt Willfährigkeit; diese soziale Mechanik macht man sich zunutze. Nachdem Rodrigues nach einem ausgeklügelten Plan genug geängstigt wurde, verlegen sich die wie die Raben krächzenden Erfüllungsgehilfen der Macht auf Spott und Häme. Der Leibgefangene des Fürsten Chikugo kriegt die wohl kalkulierte Gelegenheit, den Unglücklichsten der portugiesischen Untergrund-Mission zu treffen.
Ferreira ist ein Leuchtturm des Scheiterns. Der als besonders glaubensfest eingestufte Jesuit schwor in der Grubenfolter ab und führte als buddhistischer Mönch namens Sawano Chūan das Leben eines exemplarisch Unterworfenen. Sein Beispiel hatte keine Signalwirkung auf die christianisierten Japaner. Das sture Volk ließ sich gleichmütig kaltmachen.
Als Verkörperung christlicher Resilienz kam er in die Arena, als gebrochener Armleuchter geht Ferreira zu Boden.
Konspirative Praxis
Bald ein halbes Jahrhundert gründlicher Christenverfolgung ging ins Land, bevor Cristóvão Ferreira abschwor. Der portugiesische Provinzial gab 1632 nach nur sechs Stunden Höllenqualen den Glauben auf. Er hob die Hand zum Zeichen der Apostasie. Aiko findet keinen Gefallen an dramatisierenden Darstellungen jener mit Fäkalien angereicherten Grubenfolter, die fürwahr Gläubige bis zu vierzehn Tage widerstehen, bevor sich der Tod herbeilässt und die Gnade einer alten Krähe der Seele Ruhe gibt.
Neben den Märtyrern (zwischen 1614 und 1640 sind es schätzungsweise fünf- oder sechstausend) halten Tausende Krypto-Christen an der verbotenen Lehre fest. Sie verknüpfen eine konspirative Praxis mit konventionellen Zurschaustellungen. Sie führen Taufen durch und geben den Katechismus weiter, während sie ihre buddhistischen Tempel ehren und auf Heiligenbilder treten. Nach der Öffnung Japans 1865 gehen die Untergrund-Christen zur offenen Religionsausübung über.
Die Tretbildzeremonie
Inoue Masashige regte die Tretbildzeremonie an. Eine fürstliche Anregung durfte als Befehl verstanden werden. Fortan erreichte in Edomachi, Imazakanamachi, Funatsumachi und Fukuromachi keine Familie mehr die hohle Freiheit der eigenen vier Wände, ohne entweder auf die Mutter Gottes oder auf Jesus in der Abwesenheit jedweden christlichen Trostes allegorisch getreten zu sein. Stets schritt das Familienoberhaupt mit gutem Beispiel voran.
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Endo bezieht sich in „Schweigen“ auf das verbürgte Schicksal von Giuseppe di Chiara (1602 - 1685), einem in Palermo geborenen Jesuiten, der als Okamoto Sanemon starb. Chiara hatte sich den Risiken der Christenverfolgung in Japan ausgesetzt, um das Schicksal des idealisierten Aktivisten Cristóvão Ferreira in Erfahrung zu bringen. Wie das Idol fiel der Nachfolger vom Glauben ab, während die bekehrten Japaner entweder gleichgültig zur Staatsreligion zurückkehrten oder genauso fatalistisch den Märtyrertod starben.
Endo wird nicht müde, dass große Missverständnis darzustellen, dass in der Vorstellung einer Bekehrung liegt. Die japanischen Christen machen aus der fremden Lehre sehr schnell etwas Eigenes. Den Prozess begünstigt der Umstand, dass zu den Zeiten von Chiara schon seit fünfzig Jahren kaum noch ein portugiesischer Priester das Wort Gottes in Japan verkünden.