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2026-07-08 11:13:55, Jamal

Bremsklotz im Orgien-Express

Kairo riecht Bratwurst, zum Glück sind keine Kinder weit und breit. Er schaltet gleich den Fernseher ein, um der Abendunterhaltung die richtige Richtung zu geben. Die Frauen zeigen sich konsterniert wie in einem veritablen Matriarchat. Zum Trotz bleibt Kairo bei so einer italienischen C-Scheiße hängen. Ein Südstaatenoberst will die Niederlage der Konföderierten nicht wahrhaben und kämpft weiter auf eigene Faust bloß mit seinen Söhnen und einer Saloon-Schönheit als Armee. Die Bardame muss sich zum Baden in Tennessee so semi-schicklich ausziehen. Tennessee als Wort indianischen Ursprungs, so wie auch Mississippi. Vielleicht sollte Kairo Imke und Bella auch mal Strumpfbänder anlegen. Elvis Presley soll zum Schluss auch nur noch zugeguckt haben, vielleicht sogar dem Karatelehrer bei seinen Lehrgängen. Eine Erinnerung an Precilla, die blutjung bei der Eheschließung. Bella serviert Staubblütentee aus dem Bioverarschemarkt in Bad Wilhelmshöhe. Da sind die Frauen am Freitag extra hin und haben überteuerte Mohrrüben gekauft. Sie sind nicht mehr ganz nüchtern. Die offene Trinkkultur haben sie abgeschafft und ersetzt mit Gesundheitsverlogenheiten, die von Sherry und Wein bis zur Bodenlosigkeit getränkt sind. Woran rührt dieses Bedürfnis, es sich schwer zu machen? Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Warum nicht die Flaschen auf den Tisch und ab geht die Lucy? Stattdessen Staubblütentee in metrosexueller Keramik, und Kairo ist definitiv der Einzige, dem Staubblütentee schmeckt, seit er seit vielen Jahren keinen Alkohol mehr anrührt, nicht zuletzt zur Rettung der Morgenlatte, die auch nicht mehr. Ständig muss Kairo an Sex denken, bloß die Lust steht merkwürdig auf einem anderen Blatt. Die frappierende Einsicht, dass Bella und Imke nichts dagegen hätten, wenn er. Dass der Bremsklotz am Orgien-Express er mit seiner konstanten Person ist und sonst keinen verantwortlich machen kann, dafür dass die Damen gelangweilt zu Bett gehen. Kairo schaltet um, um auf andere Gedanken zu kommen. Hauptsache, die Fernbedienung bleibt fest in seiner Hand. Das infernalische Trio lagert auf antiken Sitzmöbeln. Einst das Teuerste. Heute würde keiner mehr für geschenkt das Sofa und die Sessel abholen. Um diese Zeit auch immer mal eine Zigarette. Bloß Kairo raucht konsequent auf keinen Fall eine mit.

„Macht wenigstens die Terrassentüre auf", verlangt er. Imke kann Bella das Wasser nicht reichen in Fragen des Lebens. Deshalb hat Bella auch den großartigen Bruder geheiratet, der dann aber ... genauso wie Nana in ihrer exemplarischen Vorzüglichkeit einen international auftretenden Bauhelden geheiratet hat, wenn auch nur aus Liebe.

Beim Konsum von Sarottischokolade beißt sich Kairo auf die Zunge. Das Abendbrot noch zwischen den Zähnen und auf der Nase die falsche Brille. Das erst gerade bemerkt als. Frische Luft, mit Qualm verbunden. Eine Jugendgeruchsreverenz aus der Reval-ohne-Filterzeit. Im Fernseher Experten, die nichts wissen von ihrer Ahnungslosigkeit. Die Mutter trocknete Wäsche manchmal auch im Wohnzimmer. Sie brachte den Jungen zeitig das Selberwaschen bei. Den Vater stellte sie als schlechtes Beispiel hin. Noch nicht einmal ein Spiegelei, also hilflos in Abwesenheit der Gattin. Die sich manche Kur gönnte. Es stellt sich die Frage nach den Kurschatten. Die Verfassung der Elternehe ist Kairo stets passabel erschienen. Man stritt nicht vor den Kindern. Verständigungen mit Kodebegriffen und Schlüsselwörtern. Konspiratives Gebaren bei gleichzeitig totaler Verbannung von Sex aus dem offiziellen Privatleben mit Familie und den allzeit gierigen Nächsten und niedrigen Verwandten. Die Hefte und Pornokugelschreiber des Vaters entdeckte Kairo nach dessen Ableben an Plätzen in der Wohnung, die der Mutter keineswegs verschlossen waren. Da war ein Einverständnis zu vermuten, mit dem der Sohn nicht gerechnet hatte. Die Mutter fand ihr Haushaltungsgeld samstags nach dem Mittagessen und dem Mittagsschlaf des Vaters auf der zurechtgestrichenen Ehebetttagesdecke. Auch Kairo hat Imke Geld schon mal in den Ausschnitt geschoben, ein Rollenspiel so in Gang bringend in der Frühzeit ihrer Ehe. Als junge Ehefrau war Imke generös aufgeschlossen gewesen. „Wer weiß, wo ich ohne dich gelandet wäre", sagte sie, wo es passte, und Kairo musste erst älter werden, um den Subtext zu kapieren: so eine hast du dir ausgesucht. Keine mit akademischem Abschluss. Keine Selbstbewusste, bei all den Selbstbewussten und deinem überbordenden Betragen. Mehr als mich hast du dir nicht zugetraut, du gut getarntes Würstchen. An meiner Haltlosigkeit richtest du dich auf, mit deinem hämischen Repertoire.

Und Nana hätte dich nie genommen und Bella auch nicht ohne die Schulden deines hochstapelnden Bruders. Ihre prächtigen Buben werden gewiss einmal in der Bundesliga auftrumpfen so wie die Försterbrüder. Merkst du unser Mitleid nicht, unsere Angst vor deiner vollständigen und endgültigen Impotenz und das du uns ganz und gar flöten gehen könntest in deinem Wald. Wir verzehren dein Erbe und gerade mal ein bisschen mehr, dass du den Kontakten deiner Familie verdankst, die da waren halb bäurische Bauherren und halb Gangster im Trutz eines kriminellen Heimatbundes.

Der Bund heißt ‚Casseler Skatbrüdervereinigung', kurz CSB und war eine Gründung im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert. Legenden erzählten von in Kellern eingemauerten Leichen. Kairos Klan zählt zu den Skatbrüdern der ersten Stunde. Es gab ein anti-preußisches Element, das war die politische Grundierung. Sie gestattete dann nicht zu viel monarchistische Nostalgie. Kairo hält es vor dem Fernseher nicht mehr aus, natürlich könnten seine Frauen ausgehen und sich ohne ihn amüsieren. Geld, um es auszugeben, ist genug da. Kairo geht nochmal vor die Tür. Es zieht Kairo zu den Garagen und seinen Schätzen, geschützt von den Korallen des Plunders und bloßer Anhäufungen. Unterwegs trifft er den Schwager in seinem grünen Blaumann. Angenehme Abwechslung. Die Männer schlendern zu dem Hänger voller alter Fensterrahmen, die vor Jahren bereits ihrem energiesparenden Ersatz weichen mussten und sich angesammelt haben. Wie die Zeit vergeht. Gleich morgen früh endlich zeitig das Zeug abfahren. Bereden, was außerdem ansteht. Auch Rückenschmerzen finden Erwähnung. Der Schwager greift zur Bierflasche, Molle sagte man. Der Kronkorken wurde mit dem Flammenwerfer vom Flaschenhals geflanscht. Dafür kam kein anderes Ding in Betracht, außer vielleicht einer Rohrzange wegen der Disproportionalität. Dann ist Kairo wieder bei seinen Lieben im Wohnzimmer. Sex liegt in der Luft, Bella schließt auf. Sie umarmt den Ersatzmannschwager noch nicht lange offen, nach Jahren der klandestinen Kopulationen und verschwiegenen Belustigungen. Kairo reizt die Vorstellung, Bella hielte ihn verführerisch bei der Stange. In Verführung steckt Führung. Das bemerkt Kairo zum ersten Mal. Verfügbarkeit für Verfügbarkeit. Ein gerne mal schweinischer Kuhhandel. Dies nur wegen des Wortspiels. Imke mischt sich ein. Sie umarmt ihren Mann mit einem hinreißenden Anspruch. Die seelisch und körperlich viel potentere Rivalin zieht der Hausfrau den Tchibo-Pulli über den Kopf. Kairo fühlt sich von Imkes spitzem Busen persönlich angesprochen. Die Kontur entwickelt von der Basis am Brustkorb bis zur Mamille eine kegelförmige Silhouette. Sie verkörpert bis auf den heutigen Tag das scheue Selbstbewusstsein, mit dem Imke sich dem ewigen Hessenmeister Kairo gegenüber ins Spiel einst brachte. Sie kommt aus einer Arbeiterfamilie, seit Anbeginn hessischer Zeiten ansässig in Rothwesten. Der Vater war froh über seinen Job im VW-Werk Baunatal. Zu schätzen wusste er paradiesische Arbeitsbedingungen. Vor den Werkstoren marodierten studentische Revolutionäre. Sie nannten ihren Agitationsquatsch Betriebsarbeit und erkannten nicht, was doch offensichtlich war. Die Arbeiter erreichten im Verlauf ihres Berufslebens mehr als die vergangenen drei Generationen zusammen erreicht hatten. Vom Fahrrad über den Käfer zum aufgemotzten Audi in fünfzehn Jahren, Zweimal fett Urlaub im Jahr. Das Glück im Eigenheimwinkel. Die Kinder auf der Uni. Imkes Vater holte für den Besuch eine Dürre Runde, sprich Ahle Wurscht meinetwegen auch Stracke (länglich wie eine Salami) aus dem Keller und machte ein Spreewaldgurkenglas auf. Das war Ehrensache. Kairo durfte in Imkes Elternhaus übernachten. Da begegnete ihm zum ersten Mal Imkes stille Aufgeschlossenheit; ihre Bereitschaft, seiner Lust Auftrieb zu geben in Akten angenehm selbstsüchtiger (selbst-tüchtiger) Leidenschaft. Bella und Kairo befassen sich gemeinsam mit Imkes Rumpf. Die Spitzen sind betonhart. Es hemmt kein Tabu das familiäre Treiben. Bellas tropenförmige Opulenz ... Kairo schwelgt, er schweift aus in einer Landschaft aus Brüsten. Ich assoziiere gerade Lustlautlamento. Ist das vorstellbar? Dass die Frauen sich vollkommen unverschämt ihrem Verlangen überlassen? Dass sie sich stöhnend Kairo an den Hals werfen. Er penetriert beide, die eine genital, die andere manuell. Ich lasse mir das jetzt erst einmal auf der Erzählzunge zergehen.