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2026-08-23 12:10:53, Jamal

Echte Dominanz bedeutet, das gegnerische System kinetisch und neurologisch so zu überfordern, dass es gar nicht erst zu einem symmetrischen Abnutzungskampf kommt.

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Je digitaler und hochentwickelter das Geschehen am Himmel wird, desto archaischer und brutaler wird der Kampf am Boden.

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Soldaten steuern über Starlink-Satelliten KI-gestützte FPV-Drohnen, während sie knietief im Schlamm eines handgegrabenen Grabens sitzen, der so aussieht wie das Verdun-Modell von 1916 oder die Variante im amerikanischen Sezessionskrieg (1861).

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Ein Panzerkommandant führt nach Jahren der Ausbildung und des Trainings ein 10-Millionen-Euro-Kunstwerk der Ingenieurkunst. Ein Teenager mit drei Wochen Training am Simulator rammt die Drohne in den empfindlichen Heckrotor. Das Handwerk des Panzerfahrens wird im Bruchteil einer Sekunde deklassiert.

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Ein Panzerkommandant führt nach Jahren der Ausbildung und des Trainings ein 10-Millionen-Euro-Kunstwerk der Ingenieurkunst. Ein Teenager mit drei Wochen Training am Simulator rammt die Drohne in den empfindlichen Heckrotor. Das Handwerk des Panzerfahrens wird im Bruchteil einer Sekunde deklassiert.

Weil Drohnen und Satelliten das Schlachtfeld rund um die Uhr überwachen, ist jede Bewegung an der Erdoberfläche lebensgefährlich

Weil Drohnen und Satelliten das Schlachtfeld rund um die Uhr überwachen, ist jede Bewegung an der Erdoberfläche lebensgefährlich. Soldaten müssen sich eingraben. Im Schlamm versagt Elektronik schnell. Gefragt ist mechanische Hardware, die noch funktioniert, wenn sie tagelang nicht gereinigt wurde – wie das Galil ACE. Der Himmel ist voller Störsender, die GPS-Signale, Funk und WLAN blockieren. Ein digital vernetztes Visier oder eine Waffe mit elektronischem Abzug nützt nichts, wenn die Batterien leer sind und das Signal gestört wird. Eine Kugel, die von expandierendem Gas aus dem Lauf getrieben wird, kann man nicht hacken oder per Funk stören. Soldaten greifen zu Jagdschrotflinten und nutzen Sturmgewehre, um eine Schrot- oder Kugelwand in die Luft zu stellen.  

In Francis Ford Coppolas Apocalypse Now gibt es eine Szene, die sich ins kollektive Gedächtnis des Westens eingebrannt hat. Lieutenant Colonel Kilgore steht lässig an einem Strand, während um ihn herum Granaten detonieren. Der Kommandierende einer Luftkavallerie-Einheit (1st Cavalry Division) trägt einen Kavallerie-Stetson. Seine Arroganz – gipfelnd in dem Befehl, im feindlichen Feuer zu surfen („Charlie surft nicht!") – war das filmische Denkmal einer Epoche, in der technologische Überlegenheit noch mit imperialer Pose und persönlicher Unverwundbarkeit-Attitüde einherging. Es war ein Paradebeispiel der asymmetrischen Hochtechnologie-Kriegsführung. Der Westen schlug von oben zu, geschützt von einem unüberwindbaren Wall aus Stahl, Elektronik und Air Supremacy.

Wer heute versucht, wie Kilgore aufzutreten, überlebt keine sechzig Sekunden. Die Transparenz des Schlachtfelds, garantiert von billigen FPV-Drohnen (First-Person-View) und unerbittlicher Satellitenaufklärung, erstickt jede Form von martialischem Hochmut im Keim.

Im Vietnamkrieg schlug die US-Luftwaffe mit industrieller Übermacht aus dem Himmel zu –  Napalm, Hubschrauber-Gatlings und B-52-Bombern. Der Vietcong gab die Vertikale auf. Er nutzte einfache Waffen (AK-47 und simple Bambusfallen) und verkroch sich unter die Erde – in die kilometerlangen Tunnel von Củ Chi. Damals war das ein asymmetrischer Zustand, den nur eine Seite wählen musste, während die USA die herrschaftliche Pose aufrechterhalten konnten. Heute kann sich die am besten ausgerüstete High-Tech-Armee der Welt den Kilgore-Hochmut nicht mehr leisten. In Vietnam war der Tunnel das Schicksal des Unterlegenen; heute nivelliert Technologie die Hierarchien. Technologie beendet die Suprematie des Westens  – indem sie alle Akteure in die Primitivität zwingt.

Eine Drohne für 500 Euro zerstört einen Kampfpanzer für 10 Millionen Euro. Eine Flugabwehrrakete für 1 Million Euro muss abgefeuert werden, um eine Sperrholz-Drohne für 20.000 Euro abzufangen. Dieser Verschleiß überfordert auf Dauer jede Volkswirtschaft.

Die Konkurrenz ist nicht neu. Denken Sie an jene gepanzerten Ritter, die von Bauern mit Langbogen und Armbrust vom Pferd geholt wurden. Im Zweiten Weltkrieg wurden unbezahlbar teure Schlachtschiffe (wie die Yamato oder Bismarck) von relativ billigen Torpedobombern versenkt.

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Nach der Schlacht von Gettysburg (1863) wurden Zehntausende liegengebliebene Musketen untersucht. Die statistischen Auswertungen zeichnete ein präzises Bild des menschlichen Verhaltens im Ausnahmezustand. Von 27.574 eingesammelten Musketen waren 24.000 geladen. Rund 12.000 waren zweifach oder mehrfach geladen. Etwa 6.000 Musketen hatten 3 bis 10 Kugeln mitsamt den dazugehörigen Pulverladungen übereinander im Lauf stecken. Spitzenreiter war eine Muskete, die 23 Mal geladen worden war, ohne dass auch nur ein einziger Schuss abgegeben worden war. Im Todesstress schaltet das Gehirn auf Autopiloten. Der Ladevorgang eines Vorderladers bestand aus vielen mechanischen Einzelschritten. Das Ausführen dieser drillmäßig erlernten Schritte beruhigte den traumatisierten Soldaten. Solange er lud, kämpfte er scheinbar. Wegen des Lärms von Tausenden Kanonen und Gewehren sowie des dichten Qualms von Schwarzpulver konnten die Soldaten oft weder hören noch sehen, ob ihre eigene Waffe tatsächlich abgefeuert worden war. Der Vorderlader gab dem Schützen kein unmissverständliches Feedback, ob er feuerbereit war. Ein Soldat konnte die Waffe lange fehlbedienen, ohne dass das System ihn physisch blockierte.

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Denken Sie an 9/11. Da fliegen Passagierflugzeuge als gelenkte Raketen in Wolkenkratzer. Satellitendaten werden genutzt, Logistikketten gehackt und globale Medienströme in Echtzeit bespielt. Die terroristischen Akte sind Resultate digital-vernetzter Planung. Sobald die High-Tech-Maschinerie des Gegners (Satelliten, Drohnen, weltweite NSA-Fernmeldeaufklärung) voll anläuft, verwandelt sich jedes digitale Gadget in einen Peilsender des Todes. Das Smartphone ist ein Todesurteil. Die Terroristen mussten der Infrastruktur des 21. Jahrhunderts entsagen. Im Zweifelsfall kappten sie jede Verbindung zum Cyberspace und zogen sich in unwegsames Gelände zurück – in die afghanischen Tora-Bora-Berge. Sie nutzten die Urgewalt der Geografie als letztes Schild gegen den Algorithmus. In der Höhle waren sie wieder im 20. oder gar im 19. Jahrhundert. Sie kommunizierten per Boten. Sie kämpften zumal mit einer Waffe, deren Mechanik seit Jahrzehnten unverändert ist – der Kalaschnikow.

Supermächte bauen Tarnkappenbomber für Milliarden Dollar, entwickeln Künstliche Intelligenzen zur Zielerfassung und filtern den gesamten weltweiten Datenverkehr – nur um am Ende vor einem Loch im Boden zu stehen, in dem ein Mann mit einem Bart, einer Decke und einem Gewehr sitzt.

High-Tech hat den Raum über der Erde sterilisiert. Alles Gesehene stirbt. Also zwingt die modernste Kriegsführung den Menschen in eine Verweigerungshaltung, die so alt ist wie die Menschheit selbst. Der modernste Krieger lässt das System des Gegners ins Leere laufen, indem ertechnologisch nicht mehr anwesend ist.

Die Umkehrung der Evolution 

Ich stieß eben auf die Beschreibung einer Waffe. Die Genese des Galil ACE ist das Resultat einer asymmetrischen Lektion. Israel Weapon Industries (IWI) konzipierte das System als Evolution der Kalaschnikow-Architektur. Das Gewehr wird für Szenarien gebaut, in denen High-Tech-Systeme womöglich versagen. Aus technischer Sicht ist das Galil ACE ein Meisterwerk schlamm- und staubresistenter Optimierung. Das Herzstück bildet das vom AK-System abgeleitete Funktionsprinzip mit einem robusten Gaskolben. Um die Waffe an moderne Infanterieanforderungen anzupassen, verlegte IWI den Ladehebel auf die linke Seite, gekoppelt mit einer federbelasteten, gleitenden Staubschutzabdeckung. Diese Modifikation folgt dem Gesetz des One-Motion-Acting. Die dominante Hand muss im Gefechtsstress nie den Griff verlassen, während das Gehäuse hermetisch gegen Schmutz versiegelt bleibt. Reduktion ist Trumpf. Der Gaskolben hämmert den Dreck einfach aus dem System. Das Galil ACE modernisiert eine rustikale Mechanik. Während die Waffe geeignet ist, mit einer Bewegung einsatzbereit zu sein, vollzieht sich rund um den Soldaten eine Umkehrung der Evolution. Die Notwendigkeit einer solchen Waffe im 21. Jahrhundert beweist: Je digitaler und intelligenter die Macht am Himmel wird, desto brutaler wird der Mensch am Boden degradiert.

Das verlorene Privileg

Es gehört zu den großen Verdrängungen der Moderne, vergessen zu haben, dass der Kampf ursprünglich eine Auszeichnung war. In fast allen Hochkulturen der Antike und des Mittelalters war das Tragen von Waffen ein Privileg des freien Mannes. Der Sklave durfte nicht kämpfen. Ihm war die Horizontale der Arbeit zugewiesen. Der Freie definierte sich vertikal. Er stand aufrecht im Glied der Phalanx, er ritt und sah dem Feind – einem ebenbürtigen Subjekt – in die Augen.

Das aufrechte Kämpfen war ein zivilisatorischer Akt. Der Mensch erhob sich in die Dreidimensionalität des Raumes. Krieg war, bei aller Barbarei, ein Raum der Bewährung. Wer kämpfte, bewies, dass er kein Sklave war, der sich aus nackter Überlebensangst in die Erde grub. Antike Heere waren komplex-arbeitsteilige Systeme.

Das Zeitalter der Macht am Himmel – das Drohnenregime – hat ein jahrtausendealtes Axiom auf den Kopf gestellt. Der modernste Krieg zwingt den Menschen in die biologische Regression.

Wenn die Vertikale durch algorithmische Präzision mit dem sofortigen Tod bestraft wird, kollabiert der aufrechte Gang. Früher galt für die einfachen Mannschaften die Regression zur Mitte in starren Formationen, während sich Spezialisten mit dynamischen Freiheitsgraden im Raum bewegten. Heute haben die Algorithmen die Freiheitsgrade nivelliert. Vor dem Sensor der Drohne sind alle Silhouetten gleich. Der moderne Soldat muss sich horizontalisieren. Er flieht vor dem Satellitenauge und dem Summen der FPV-Drohne in Erdlöcher und unter Planen.

Das Schlachtfeld hat etwas von funktionaler Nutztierhaltung. Wir haben uns in Kuhställe eingesperrt und die Drohnen zum Metzgern bestellt. In der horizontalen Existenz gibt es keine Krieger mehr, keine Taktik der Bewegung, keine menschliche Meisterschaft im Raum. Es gibt nur noch Biomasse, die vom Sensor am Himmel vielleicht übersehen wird. Der Mensch im Dreck wird de-individualisiert; er ist für die künstliche Intelligenz des Gegners kein Gegenüber mehr, das man bezwingt, sondern ein biologischer Störfaktor auf dem Bildschirm, der effizient abgewickelt werden muss. Die KI als Metzger kennt kein Zögern, kein Erbarmen und kein moralisches Trauma. Sie exekutiert eine mathematische Fleischbeschau aus der Distanz.

Menschliche Gesellschaften investieren Billionen in die Verfeinerung von Mikrochips, globalen Netzwerken und autonomen Waffensystemen, um den Krieg zu perfektionieren. Gleichzeitig entwickelt sich das menschliche Infanterie-System rasant zurück. Um in der Welt zu überleben, die er selbst mit Algorithmen kolonisiert hat, muss der Mensch sich radikal simplifizieren. Das ist das universelle Paradigma von Osama bin Laden in der Höhle von Tora Bora – das historische Muster des modernsten Krieges. Am Ende wirfst du dein Smartphone weg, kappst jede digitale Spur und verziehst dich mit obsoleter Technik in unwegsames Gelände. Am Boden funktioniert Mechanik. Im Erdlochstress setzt sich das Gesetz des One-Motion-Acting durch. Ein Handgriff, ein konditionierter Reflex, pure Physik. Der Soldat schießt Drohnen wie Tontauben mit Schrott ab. Er nutzt die schlammresistente Mechanik eines Kalaschnikow-Derivats. Er kehrt in die Steinzeit zurück, um die von ihm geschaffenen Siliziumgötter zu überleben.