Turning Danger into Performance – Schießende Schönheit
Alles, wovon man lange geglaubt hat, es sei metaphysisch, ist in Wahrheit biomechanisch. Die Transzendenz kommt aus einer Körpererfahrung, nicht aus einer Illumination. Qi-Erleuchtung ist kein Ereignis im Kopf, sondern der Moment, in dem der Körper aufhört, im Weg zu sein.
Wie die metaphysische Illusion entsteht
Solange man die kinetische Kette nicht versteht, Durchlässigkeit nicht erlebt, Antizipation nicht verkörpert, Nicht-Kontraktion nicht fühlt, bleibt nur Sprache, sprich Metaphorik.
Chi
Energie
Geist
Leere
Absicht
Das Mystische ist ein Platzhalter für fehlende Körperkompetenz.
Transzendenz ist Durchlässigkeit
Was als Transzendenz erlebt wird, ist vollständige Kraftübertragung, Bewegung ohne muskulären Entschluss, Wirkung ohne Widerstand, Handlung ohne Tun. Das fühlt sich nicht-materiell an, weil keine unnötige Spannung mehr vorhanden ist.
Ederthal anno 2000
Jarek erzählt – The Texas Ranger Division was Rough and Ready
Lange gehörte Louisiana zum Vizekönigreich Neuspanien. Als Napoleon Bonaparte die Provinz 1803 an die Vereinigten Staaten verkaufte, war sie gerade einmal vier Jahre lang wieder französisch gewesen. Es begann ein mörderisches Feilschen um alles, was östlich der Rocky Mountains und nördlich des Rio Grande lag. Es war von Anfang an ein Katz-und-Maus-Spiel mit den spanischen Interessen – und es sollte schon bald zu einem Katz-und-Maus-Spiel mit den mexikanischen werden.
An diesem Punkt lohnt sich der Blick auf die historischen Verästelungen, die Männern wie dem Sir (Naomis Vater) und Saltus (ihrem ersten Mann) völlig verschlossen blieben. Die spanische Kolonialherrschaft in Mexiko endete 1821 nach einem elfjährigen Unabhängigkeitskampf. Das nun unabhängige Mexiko war ausgeblutet und bankrott. Männer wie Bull Calhoun, Grand Slam Coogan, Texas Thunderbolt, Mortimer DeWitt, John Wayne Cooper, Stephen Fuller Austin und Samuel Houston erkannten ihre Chance. Sie ernteten, was sie nicht gesät hatten – weil es andernfalls auf dem Halm verdorrt wäre.
Spanien spielte nicht mehr mit, Mexiko war am Ende, und die indigene Bürgerschaft kämpfte ums nackte Überleben. In diesem Vakuum erhielt Austin von der mexikanischen Regierung die Erlaubnis, dreihundert US-amerikanische Familien in der neu gegründeten Provinz Coahuila y Tejas anzusiedeln. Diese Siedler schufen Fakten auf dem Boden – Facts on the Ground – und das auf die brutalste Art. Mit ihrer eigenen Miliz steuerten sie geradewegs auf einen Kollisionskurs zu. 1823 gründete Austin die Texas Ranger Division. Die Ranger der ersten Stunde waren Trapper, die seit Jahrzehnten in der Wildnis herumgestreunt waren; wie die Comancheros trugen sie Ponchos und Mokassins. Rein zahlenmäßig waren sie eine unbedeutende Truppe, doch ihre Effizienz speiste sich aus ihrer absoluten Kompromisslosigkeit. Oder, um es mit den Worten des Historikers T. R. Kammschneider zu sagen: „Die Texas Rangers waren eine der schillerndsten, effizientesten und tödlichsten Partisanenbanden im Dienst von Recht und Ordnung, die die Welt je gesehen hat.“
Ich nenne John Coffee Hays. Er stammte aus dem schottisch-irischen Milieu von Tennessee. Hays‘ Vater hatte bereits im Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812/13 unter Andrew Jackson und eben Sam Houston gekämpft. Zusammen mit Solomon Ford, Ben McCulloch und Samuel Hamilton Walker veränderte Hays das Gesicht der Texas Rangers fundamental. Diese Akteure überwandern das Rough-and-Ready-Image der gesetzlosen Freischärler, das der Organisation anfangs anhaftete.
Zu ihnen gehörte auch John Salmon Ford – Kongressabgeordneter der Demokraten, Bürgermeister von Brownsville, Texas Ranger der ersten Stunde, Oberst der Konföderation, Arzt, Anwalt, Journalist und Verleger. Ford stammte ursprünglich aus South Dakota und hatte sich als junger Mann in der Texas Revolution von 1835/36 gestürzt. Im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg diente er im ersten Regiment der Texas Mounted Riflemen wieder unter Hays. Später, im Sezessionskrieg, gehörte Ford zu jenen charismatischen Anführern, die ihre Männer von Sieg zu Sieg peitschten. Er war es auch, der noch im Mai 1865 die allerletzte Schlacht des Bürgerkriegs schlug – fünf Wochen nach der offiziellen Kapitulation Robert E. Lees vor Ulysses S. Grant bei Appomattox. Bei Palmito Hill, am Ufer des Rio Grande östlich von Brownsville, kam es zum letzten blutigen Gefecht zwischen den Landstreitkräften der Union und der Konföderation. Für Ford ging es dabei nicht nur um ‚die Sache des Südens‘ (das ist ein feststehender Begriff), sondern auch ums Geschäft. Es stand eine Menge Baumwolle auf dem Spiel, die den Yankees bei vorzeitiger Kapitulation in die Hände gefallen wäre.
Aus dem Rudel der Texas-Wölfe ragte Sam Houston heraus – der Mann, den die Cherokee „den Raben“ nannten Als Sechzehnjähriger war er zu ihnen geflohen und hatte ihre Freiheit gelebt. Als gescheiterter Gouverneur von Tennessee, ruiniert vom Alkohol, suchte ‚Big Drunk‘ wieder Zuflucht bei der First Nation. Und doch war er es, der im April 1836 in der Schlacht von San Jacinto die mexikanische Armee in nur achtzehn Minuten vernichtend schlug und zum ersten Präsidenten der Republik Texas aufstieg. Houston kannte die Wahrheit dieses Bodens. Verzweifelt versuchte er Friedensverträge mit den Comanchen und Cherokee zu schließen, während die Siedler das Land gewaltsam an sich rissen. 1861 weigerte er sich, den Treueeid auf die Konföderation zu schwören. Er starb einsam und beschimpft als Verräter.
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Der Schießplatz lag abseits der alten Forestry Road. Kiefern standen so dicht, dass die flirrende Nachmittagshitze sich zwischen den Stämmen verfing und die Shooting Range wie eine grüne Festung von der Außenwelt abschirmten. Es roch nach verbranntem Pulver, heißem Metall, Insektenspray und den herben Aromen der Piney Woods. Ich ahnte etwas Klandestines und Exklusives, etwas, das sich zwar meinen Eingebungen verweigerte, aber doch die Eindringlichkeit von erstklassigen Whiskynoten hatte. Klar, die Anlage war kein Golfclub für Millionäre. Aber man sah auch nichts, was auf eine offene Gesellschaft hinwies – geschweige denn auf Diversität, ein Wort, das es damals vielleicht schon gab, aber nicht so verwendet wurde wie heute.
Evangeline Gerrish Cooper stand auf der Linie wie eine Saloon-Pomeranze, in einem texanischen Dirndl. Sie verkörperte den Typus der Southern Belle in einer rural-ikonografischen Version der 1980er Jahre. Ihr berühmtester Ahnherr hatte in der Texas Revolution von 1836/37 eine prominente Rolle gespielt; in ihrer Familie war Texas weniger ein Bundesstaat als eine Erbangelegenheit.
“Gun control in Texas means you use both hands.”
In Texas war das Tragen einer Waffe so alltäglich wie Autofahren – und nicht zuletzt deshalb war auf diesem Platz jeder Schütze originell, wenn nicht extravagant bewaffnet. Evangeline schoss eine Smith & Wesson Model 29 mit 6-Zoll-Lauf, Kaliber .44 Magnum – jenes monströse Stück Eisen, das Clint Eastwood eine reichliche Dekade zuvor in „Dirty Harry“ unsterblich gemacht hatte. Smith & Wesson hatte den .44 Magnum bereits 1955 auf den Markt gebracht; nach dem Erfolg des Films war das Model 29 zum mythischen Revolver avanciert.
Evangeline stand in der Isosceles-Haltung, die 1984 unter Schützen und Ausbildern gerade an Popularität gewann und noch umstritten war – die Weaver-Haltung hatte nach wie vor Anhänger. Evangeline drückte ab. Der .44er schlug mit einem dumpfen Donner los. Der Lauf schnellte hoch. Evangeline senkte die Waffe, als hätte sie gerade weiter nichts getan, als eine Tür zu schließen. Mit einer fast beiläufigen, gewiss zehntausend Mal geübten Bewegung des linken Daumens schob sie den Entriegelungshebel nach vorn, und die Trommel klappte raus. Ein Handballenschlag auf die Ausstoßstange genügte: Sechs rauchende Messinghülsen regneten in einem metallischen Schauer zu Boden. Der beißende Geruch von verbranntem Nitropulver. Evangeline bückte sich nicht nach dem wertvollen Metall; das Aufsammeln überließ eine Cooper anderen.
In den 1980er Jahren war die Schießstandkultur geprägt vom Wiederladen –Reloading – Handloading. Ein Wiederlader sammelte leergeschossene Hülsen. Eine .44-Magnum-Hülse betrachtete man nicht als Müll. Kaum ein ambitionierter Schütze warf das wertvolle Messing einfach weg.
Das Aufsammeln – Brass Ratting
Personen, die jede Hülse vom Boden kratzen nennt man Brass Rats – Messing-Ratten.
Hinter der schießenden Schönheit saßen Männer im Schatten eines Unterstands und sahen zu. Saltus lehnte an einem staubigen Pickup, eine Dose Lone Star Beer in der Hand. Er trug maßgeschneiderte Rindsleder-Stiefel und ein brettsteif gebügelte Westernhemd. In seinem Gürtelholster steckte ein Colt Government 1911. Für den Quiet Professional war dieser Schießstand eine Breitensportanlage und als Schauplatz so gesellschaftlich wie die Bar eines deutschen Tennisclubs.