Turning Danger into Performance – Sklaverei auf Spanisch
Er war Husar und Hasardeur, Gouverneur und General. Geboren wurde Esteban Rodríguez Miró y Sabater 1744 im katalonischen Reus. Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs diente er unter Bernardo de Gálvez im Feldzug gegen die Briten in Florida. 1785 wurde er Statthalter der spanischen Krone in Louisiana. Vor anderen erkannte Miró die Gefahr, die für sein Reich von dem Expansionsdrang angloamerikanischer Siedler ausging. Die feudalistischen Spielregeln verloren im blutigen Durcheinander der Erschließung des Westens ihre Regulationskraft. Das Archivo General de Indias bewahrt Korrespondenzen Mirós mit James Wilkinson, Philip Nolan, Manuel Gayoso de Lemos, Alexander McGillivray, Bull Calhoun, Texas Thunderbolt, Mortimer DeWitt und Grand Slam Coogan auf.
General James Wilkinson machte den Spitzel für die spanische Krone. Ab 1787 sandte er chiffrierte Memoranden an Miró. Er versprach, Kentucky in den iberischen Orbit zu ziehen. Die royale Administration führte Wilkinson als „Agente 13“. Miró zeigte sich skeptisch und bewies Weitsicht. 1790 notierte er, Wilkinson behaupte, High Performer für ein verräterisches Unterfangen gewonnen zu haben. Miró quittierte sinngemäß, der Windbeutel Wilkinson übertreibe seinen Einfluss aus den niedrigsten Beweggründen. Verrätst du einen, verrätst du alle; einem Verräter kann niemand trauen.
Wilkinson bediente sich eines Belfast-Iren namens Grand Slam Coogan als Boten. Die Texas State Historical Association rekonstruiert Coogans erste Expedition über den Neutral Strip hinaus auf das Jahr 1791. Damals hatte das No Man’s Land, im Wesentlichen ein Pinienwald zwischen dem Arroyo Hondo und dem Sabine River, noch keinen Namen. Es gab keine Verträge, Pufferzonen und Patrouillen. Gouverneur Esteban Miró stellte dem Gringo einen Pass in New Orleans aus. Coogan kam mit Kram für den täglichen Bedarf, sprich Bettgeschirr und Branntwein nach Nacogdoches. Er wurde gefilzt und seine Sachen wurden konfisziert. Das war Amtssprech für Schikane und Raub. Die Kolonialköniglichen Schergen fürchteten den invasiven Furor der westeuropäischen Migranten. Der Geprellte verzog sich zu den Comanchen. In seinem First-Nation-Chapter avancierte er zum Jäger und Mustanger und kehrte 1793 mit siebundfünfzig Wildfängen nach Louisiana zurück. Das war die Geburtsstunde des angloamerikanischen Mustang-Business. 1794 diente Coogan einer Filibuster-Expedition als Scout. Er reiste mit einem Pass von Mirós Nachfolger Baron de Carondelet. Ein Jahr später ließ er sich in Nacogdoches nieder, mit dem offiziellen Auftrag, Pferde für das Regiment von Louisiana zu fangen.
Der 1773 zurückbeorderte und in Madrid zum Brigadier beförderte Miró fiel am 4. Juni 1795 im Kampf gegen Truppen der Französischen Republik. Carondelets Amtszeit im Gouverneurspalast endete 1797. Das Regierungsgebäude, ein trutziger Ziegelbau im Barockstil, hieß im Volksmund Cabildo. Die Casa Capitular war eine Festung des bürokratischen Misstrauens – mit einer formidablen Belvedere-Aussicht auf den Mississippi.
Und wieder einmal überrollte Grand Slam Coogan mit einer Herde von hundert wilden Mustangs die Grenze zu Louisiane espagnole. Die Spanier übernahmen einfach die Schreibweise der Franzosen (La Louisiane) und hispanisierten sie zu Luisiana. Da es administrativ kein eigenständiges Vizekönigreich war, sondern als Übersee-Provinz direkt dem Virreinato de la Nueva España (dem Vizekönigreich Neuspanien mit Sitz in Mexiko-Stadt) unterstellt war, lautete die Zuordnung in den königlichen Akten: Provincia de Luisiana, Virreinato de la Nueva España.
Hier noch ein paar Fakten
Frankreich und Großbritannien kämpften im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) auch in Nordamerika gegeneinander. Frankreich verlor den Krieg weitgehend. Im nächsten historischen Augenblick wurde Spanien von Großbritannien angegriffen. Im Vertrag von Fontainebleau von 1762 übertrug Frankreich Louisiana heimlich an Spanien. Frankreich wollte so auch verhindern, dass das riesige Gebiet direkt an Großbritannien fiel. Nach der Französischen Revolution strebte Napoleon Bonaparte nach Weltgeltung auf allen Meeren. Louisiana sollte die Drehscheibe für den Kolonialbetrieb in den französisch-karibischen Überseeterritorien sein. Napoleon zwang Spanien 1800 im Geheimvertrag von San Ildefonso, Louisiana zurückzugeben. Dann entglitt Napoleon der Mantel der Geschichte, soweit es die Neue Welt betraf. In der französischen Kolonie Saint-Domingue (heute Haiti) tobte seit 1791 eine Sklavenrevolution nicht zuletzt unter der Führung von Toussaint Louverture. Frankreich verlor die Kontrolle. Das beendete Napoleons amerikanischen Traum. Ohne Saint-Domingue war Französisch-Louisiana nicht zu halten. 1803 zeichnete sich ein neuer Krieg mit Großbritannien an. Die britische Marine lungerte und lauerte an der Mississippi-Mündung. Dem französischen Anspruch entsprach nichts Militärisches. Die blutjungen Vereinigten Staaten waren scharf auf New Orleans. Präsident Thomas Jefferson Schickte Robert Livingston und James Monroe nach Paris. Jefferson war bereit, 10 Millionen Dollar auszugeben. Napoleon machte den Emissären ein überraschendes Angebot. Für 15 Millionen Dollar verscherbelte er ganz Louisiana. Die Unterhändler hatten zwar kein Mandat für den Deal, griffen aber trotzdem zu. Sie wussten schon, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Im Staub der Dekaden stieß Jarek auf einen blinden Fleck in unserer kollektiven Wahrnehmung der amerikanischen Geschichte. Denken wir heute an Sklaverei in den Südstaaten, haben wir das US-amerikanische System des 19. Jahrhunderts vor Augen: Baumwollfelder, Peitschen und unüberwindbare rassistische Barriere.
Über die spanische Sklavenwirtschaft in Nordamerika – und die katholisch geprägte Kultur schwarzer Menschen – spricht kaum je jemand. Die spanische Herrschaft unterschied sich in ihrer inneren Logik und Rechtspraxis grundlegend vom angloamerikanischen System.
Das Recht auf Freiheit – Coartación
Als der zweite spanische Gouverneur, Alejandro O’Reilly, 1769 die französische Gesetzgebung (den berüchtigten Code Noir) aufhob und durch das spanische Recht (Las Siete Partidas) ersetzte, veränderte sich das Leben der Versklavten radikal. Das spanische Recht betrachtete die Sklaverei nicht als einen biologischen Zustand, sondern als ein Unglück der Umstände. Ein Sklave blieb im Kern ein Mensch mit einer Seele und bestimmten Rechten vor Gott und der Krone. Das wichtigste Instrument war die Coartación. Sklaven hatten das gesetzliche Recht, Eigentum zu erwerben, an Sonntagen und Feiertagen für sich selbst Geld zu verdienen und sich selbst freizukaufen. Wenn der Herr sich weigerte oder einen utopischen Preis verlangte, konnte der Sklave vor das Cabildo ziehen. Die spanischen Richter setzten dann einen fairen Marktpreis fest. Der Master musste das Geld annehmen.
Die Gens de couleur libres
Während der spanischen Herrschaft (1763–1803) explodierte die Zahl freier Schwarzer und Kreolen in New Orleans. Sie bildeten eine eigene, stolze und wohlhabende gesellschaftliche Schicht, die es im anglo-amerikanischen Raum so nie gab. Spanisch geprägte Schwarze führten Geschäfte, kauften Immobilien an der Plaza de Armas, arbeiteten als Architekten, Büchsenmacher und Händler. Die spanischen Gouverneure – von Galvez bis Carondelet – vertrauten den amerikanischen Siedlern nicht. Deshalb bauten sie eine bewaffnete schwarze Miliz (Morenos Libres) auf. Schwarze Kapitäne trugen die spanische Uniform und verteidigten die Stadt gegen die Briten und amerikanischen Grenzgänger.
Katholisches Echo und Voodoo
Während US-Amerikaner ihren Sklaven Bildung und Religion oft verweigerten, bestand die spanische Krone rigide auf der Taufe und der katholischen Unterweisung. Die Sklaven durften sonntags nicht zu Frondiensten gezwungen werden; das gab ihnen Zeit, Geld für ihren Freikauf zu verdienen. Sie trafen sich auf dem Congo Square in New Orleans. Sie tanzten zu afrikanischen Trommeln, während sie gleichzeitig Rosenkränze beteten. Das sakrale Amalgam gebar Louisiana Voodoo in einer Verschmelzung westafrikanischer Riten und barocker Heiligenverehrung. Riefen die christianisierten Animisten die Jungfrau Maria an, antwortete eine afrikanische Gottheit – camoufliert von Ton- und Spielarten katholischer Ästhetik.
Der juristische Kahlschlag – Die Tragödie von 1803
Für die amerikanischen Herren in Claibornes Gefolge war die Existenz wohlhabender, bewaffneter und gebildeter schwarzer Männer eine Provokation und eine Gefahr für ihre Ausbeutungsökonomie. Claiborne fürchtete die Morenos Libres. Gleichzeitig brauchte er sie. Im Krieg gegen die Briten ab 1812 spielten schwarze Milizionäre unter General Andrew Jackson in der Schlacht um New Orleans (1815) eine entscheidende Rolle. Sie retteten den Amerikanern den Hintern. Jackson lobte sie öffentlich für ihren Mut – und Claiborne dankte es ihnen, indem er die Miliz kurz darauf offiziell auflöste und entwaffnete. Ein schwarzer Mann in Uniform passte nicht in das neue Amerika.
Rückzug in die kreolische Exklusivität
Die Gens de couleur libres grenzten sich rigide von den englischsprachigen schwarzen Sklaven ab. Sie sprachen weiterhin Französisch und Spanisch, blieben streng katholisch. Sie bauten eigene Schulen, Opernhäuser und Geheimgesellschaften auf. Sie schufen sich ein unsichtbares, kulturelles Imperium mitten in der feindlichen US-Umgebung. Viele hellhäutige Nachkommen von Verschleppten nutzten die Unübersichtlichkeit der Stunde, verließen Louisiana, strichen die afrikanischen Ahnen aus ihren Lebensläufen und erfanden sich in Texas als „spanische“ oder „französische“ Aristokraten neu. Sie verschmolzen mit der weißen Elite.
Erzählerisches Gold
Sitzt Jarek 1984 auf Sternes Veranda sitzt, begreift er, dass der Kulturkampf von 1803 die DNA von New Orleans und Texas bis heute prägt. Das, was wir heute als die einzigartige kreolische Kultur von New Orleans feiern – die Architektur, das Essen, der frühe Jazz –, ist im Kern das Überbleibsel dieser stolzen, spanisch geprägten schwarzen Schicht, die sich weigerte, im anglo-amerikanischen System unterzugehen.
Yes Sir, es wird Zeit von Gaspard Destréhans Ritt nach Texas zu reden. Dazu morgen mehr.