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2026-09-29 14:29:10, Jamal

Turning Danger into Performance – Die katholischen Kronen Frankreich und Spanien und ihre Sicht der Sklaverei

Yes Sir, es wird Zeit von Gaspard Destréhans aka Charles S. Sterlings Ritt nach Texas zu berichten. Bitte erst aufs Pferd steigen, wenn Sie die Kapitel „Sklaverei auf Spanisch“ und „Bürgerliche Spielregeln“ gelesen haben. 

Die katholischen Kronen Frankreich und Spanien und ihre Sicht der Sklaverei – Ludwig XIV. erließ 1685 den Code Noir, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts für Louisiana extra kodifiziert wurde und ein rassisches Kastensystem etablierte. Das Gesetz behandelte Sklaven als bewegliches Eigentum (meubles). Zwar verlangte es die katholische Taufe und verbot die Folter, doch in der Praxis ließ sich in Louisiana kaum eine staatliche Vorschrift einfach durchsetzen. Die Krone vernachlässigte die Kolonie. Sklaverei unter französischer Flagge bedeutete: mangelhafte Versorgung, brutale Gelegenheitsjustiz und ein ständiger Kampf ums nackte Überleben. Freilassungen (Manumissions) waren selten und bedurften der Genehmigung des Gouverneurs. Wer schwarz war, sollte Sklave bleiben. Punkt.

Trotzdem dynamisierte einer relativ große Gruppe Gens de couleur libres das Geschehen. Es gab eben auch freie Schwarze, die als Handwerker, Händler oder in öffentlichen Funktionen tätig waren.   

Warum waren die Spanier in Louisiana anders als in ihren anderen Kolonien?

Das ist die historische Kernfrage, die Jarek 1984/85 in Texas und Louisiana elektrisiert. Warum löste die spanische Krone in der Karibik (Kuba, Santo Domingo) und in den Minen von Potosí grauenhafte Massensterben aus, gebärdete sich aber in der Provincia de Luisiana fast schon paradox human?

Für das Vizekönigreich Neuspanien war Louisiana nie eine Kolonie, die Profit abwerfen sollte. Es gab keine Minen und in den ersten Jahrzehnten kaum nennenswerte Plantagen. Louisiana war eine Pufferzone zwischen den unermesslichen Reichtümern Mexikos und dem angloamerikanischen Raum. Als die Spanier 1763 das Land übernahmen, gab es kaum Spanier. In New Orleans saßen französische Kreolen, die 1768 sogar den ersten spanischen Gouverneur Ulloa aus dem Land jagten. Die spanischen Statthalter – von O'Reilly bis Carondelet – wussten, dass sie den französischen Pflanzern niemals trauen konnten. Um nicht von französischen Siedlern gelyncht oder von amerikanischen Grenzgängern überrollt zu werden, spielten die Spanier die schwarze Karte. Sie setzten das spanische Recht (Las Siete Partidas) gegen den Willen der französischen Kolonisten durch. Sie gaben den Sklaven das Recht auf die Coartación (Selbstkauf) und die Möglichkeit, ihre Herren vor dem Cabildo wegen Misshandlung zu verklagen. Indem sie eine mächtige, loyale Klasse von freien Schwarzen und die bewaffnete Miliz der Morenos Libres schufen, erhielten sich die Gouverneure eine Prätorianergarde. Ein schwarzer Kapitän in spanischer Uniform verteidigte den König von Spanien leidenschaftlicher gegen amerikanische Usurpatoren als jeder französische Gutsherr, weil die Krone der Garant seiner persönlichen Freiheit war. Als Napoleon das Land 1800 zurückforderte, um es 1803 an die USA zu verkaufen, baten die französischen Staatsbürger in New Orleans den Abgesandten Laussat, den Code Noir wieder in Kraft zu setzen. Das taten dann die Amerikaner in ihrer eigenen Lesart. William C. C. Claiborne wurde 1803 (nach dem Louisiana Purchase) der erste US-Gouverneur des Mississippi-Territoriums.

The Southern Gentlemen of Colour

Im April 1861, als Louisiana sich von der Union lossagte, formierte sich in New Orleans das 1. Louisiana Native Guard Regiment. Es war das erste Mal im Süden, dass sich eine PoC-Miliz für die Verteidigung des Staates anbot. Sie bestand ausschließlich aus nobilitierten, wohlhabenden, französisch- und spanischsprachigen Gens de couleur libres – darunter Plantagenbesitzer, Intellektuelle und Sklavenhalter. Sie verteidigten ihren Reichtum und ihren Sonderstatus.

Des farbig geborenen und als Charles S. Sterling von eigenen Gnaden weiß gewordenen Gaspard Destréhans einziger Sohn, Richter Charles S. Sterling jr., war nicht dabei. Schließlich war er – Southerner von echtem Schrot und Korn – makellos. Selbstverständlich diente er in der Rebellenarmee als Offizier, nur eben als weißer Colonel. Seine Familie war auf Zack von jeher. Mit der Sklavenhautfarbe war sie eine Sklavenhalterdynastie gewesen und, in gewisser Weise, geblieben.

Die Führer der Konföderation misstrauten dem martialischen Angebot. Jefferson Davis und die Generäle in Richmond gerieten in Panik bei der Vorstellung, bewaffnete schwarze Männer in ihren Reihen zu haben. Sie nutzten die Native Guard als Propaganda-Requisite. Das Regiment durfte über die Canal Street marschieren, um der Welt zu zeigen, wie loyal die Sklavenhalter-Republik angeblich sei. Aber die weiße Administration verweigerte ihnen echte Waffen. Sie ließen sie mit leeren Händen im Exerzierstaub stehen.

Kurz vor dem Fall New Orleans' löste der konföderierte Gouverneur die schwarze Garde per Dekret vom 25. April 1862 einfach auf. In der geschlagenen Stadt vollzog ein Teil dieser Elite das nächste Manöver. Viele Gens de couleur libres schlossen sich der Union an, um nun gegen die Konföderierten zu kämpfen – getrieben von der Hoffnung, dass Lincoln ihnen die versagten Bürgerrechte schenken möge. Sie wurden die ersten schwarzen Offiziere der US-Armee.

*

„Sie haben mir immer noch nicht gesagt, Mr. Teichmann, was Sie an meinen Stammbaum fesselt", sagte Cissy Sterling, ihr himmelsblaues Sommerkleid glattstreichend. Ich zündete mir eine filterlose Pall Mall an und blies den Rauch in das flirrende Grün der Pinien. Ich beneide den jungen Mann, der ich war. Ich rauche schon lange nicht mehr. Ich wollte Cissy den Familienfarbfehler als Adelstitel verkaufen. 

„Miss Cissy“, begann ich leise, „haben Sie sich jemals gefragt, warum Ihr Ururgroßvater Charles S. Sterling keine Angaben zu seinen Vorfahren gemacht hat? Er kam aus dem Nichts nach Texas.“

Cissy lächelte stolz.

„Er kam aus dem Nichts wie viele, die ihre Identität frisiert hatten und vielleicht schon zum dritten Mal neu anfingen. Die Sterlings haben das Blut von Pionieren. Es gab kein Vorher unter dem texanischen Himmel."

„Ich habe Ihren wahren Familiennamen in einem Taufregister der Provincia de Luisiana im Cabildo von New Orleans gefunden. Ihre Familie stammt in direkter Linie von einem spanisch-kreolischen Delta-Granden ab.“

Cissy wurde blass.

„Ihre Vorfahren waren Gens de couleur libres.“

Mein „spanisch-kreolisch“ hieß in der familiären Übersetzung „andalusisch-kastilische Melange“.

„Ihr Ururgroßvater ritt 1836 als beinah Sechzigjähriger in San Jacinto an Houstons Seite. Er war ein Held der Texas Revolution. Ihm verdanken Sie ein genetisches Echo des spanischen Imperiums und seiner administrativen Schliche. Man behandelte Schwarze vergleichsweise gut in Spanish-Louisiana, weil man sie brauchte.“

„Ein spanisches Geheimnis also“, sagte Cissy, und ein exklusives Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. „Mein Gott, Mr. Teichmann ... Daddy darf das nie erfahren. Er würde sterben bei dem Gedanken, dass wir von katholischen Kreolen abstammen.“