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2026-10-01 21:10:42, Jamal

Turning Danger into Performance – Grande von eigenen Gnaden

Die geopolitische Lage spitzte sich im Oktober 1800 zu, als Napoleon Bonaparte Spanien im geheimen Vertrag von San Ildefonso zwang, das Louisiana-Territorium zurückzugeben. Das Gerücht über den Deal verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die spanischen Behörden in Texas schlossen die Grenze nominell und stoppten Visavergaben für Amerikaner, da sie eine Invasion von Filibustern in das ungeschützte Texas befürchteten.

Der ungenehmigte Aufbruch im März 1803

Don José Maria Vidal war spanischer Konsul in Natchez (Mississippi) und zeitgleich Kommandant des Grenzpostens Post of Concordia. Nach ihm ist die Stadt Vidalia (in Louisiana) benannt. Vidal stritt an der Geheimdienst- und Spionagefront. Ihm oblag es, illegale Expeditionen amerikanischer Abenteurer scheitern zu lassen. Anno 1800 versuchte Vidal nachdrücklich, den Glücksritter Philip Nolan und seine Filibuster-Gang vor einem heimlichen Aufbruch nach Texas zu stoppen. Er informierte eine US-Behörde. Da diese wegschaute, warnte Vidal den texanischen Gouverneur Juan Bautista Elguézabal vor der drohenden Infiltration. Der Statthalter des spanischen Königs fing Nolans Erkundungscorps ab und verwickelte die Usurpatoren in ein Gefecht. Der Anführer fiel zu seinem Glück. Die gefangenen Gringos mussten um ihr Leben würfeln. Wer die niedrigste Zahl warf, wurde gehängt; den anderen hackte man die Hände ab und warf sie in die Kerker von Chihuahua.

Das war die spanische Botschaft. Jeder hatte sie vernommen und sich seinen Reim darauf gemacht, der am Sabine River einen Siedlungsversuch startete. Es gab keinen Tejano, der nicht wusste, was ihm blühte, sollte er der royalen Obrigkeit in die Hände fallen. 

Der Vertrag von San Ildefonso und der anschließende Verkauf Louisianas an die USA im Jahr 1803 bewirkte eine Schwächung bis zum Kollaps des spanisch-mexikanischen Grenzregimes. Grand Slam Coogans Aufbruch im März 1803 dynamisierte die Aussicht auf demoralisierte Patrouillen im No Man’s Land. 

Gouverneur Claiborne schreibt: „Coogan left New Orleans at the head of a body of well-armed men in March 1803 and made his way to the area west of Nacogdoches.“

Die Mustanger im Gefolge des zum Granden von eigenen Gnaden aufgestiegenen irisch-schottischen Belfaster Analphabeten Grand Slam Coogan vertrauten auf das unverschämte Glück ihres Patrons. Sie erreichten Nacogdoches und befestigten ihr Camp mit der Absicht, jedem Angriff an Ort und Stelle zu trotzen. Da war der Wille, sich festzusetzen und den Platz nicht mehr aufzugeben. Es entstand erst einmal kein sichtbares Fort. Die Pferdekoppeln funktionierten aber wie eine Wagenburg.  

Die Errichtung von permanenten Unterkünften und befestigten Lagern (Chinking) auf spanischem Territorium verletzte die koloniale Souveränität. Die spanische Kavallerie machte keinen Unterschied zwischen kriminellen Pferdedieben (Mustanger) und einer Vorhut der US-Armee. Unabhängig von Coogans tatsächlichen Absichten zwang die schiere Existenz des stark befestigten Lagers die spanischen Behörden zum militärischen Gegenschlag, um ein Exempel zu statuieren.

Die ambulante Phase  
Drangen US-amerikanische Akteure illegal auf spanisches Territorium vor, errichteten sie zuerst ein Log Cabin – ein einfaches Blockhaus. Die Stämme wurden ungeschält gestapelt. Da die Hölzer nie gerade waren, blieben fingerbreite Längsfugen zwischen den Stämmen. In diesem Zustand war das Haus ein zugiger Unterschlupf.

Das Chinking – das Ausfugen der Längsspalten zwischen den Baumstämmen eines Blockhauses – war mehr als bloße Bauarbeit. Es war ein stilles Bekenntnis zum Bleiben. Solange die Ritzen zwischen den Stämmen unversiegelt waren, konnte eine Hütte noch als Jagdlager gelten: ein Provisorium für Männer, die kamen und wieder verschwanden. Sobald frischer Lehm in die Spalten gedrückt wurde, veränderte sich die Bedeutung. Die Hütte war winterfest.

In Coogans Biwak kreuzten im Sommer 1803 zwei Kämpferinnen auf. Sie waren bereit, für eine Bezahlung gegeneinander sowie gegen jeden Freiwilligen anzutreten, die sich am üblichen Preisgeld orientierte: drei Guineen, also 3 Pfund und 3 Schilling. Es war jenes seltene Schmuggelgold, das via New Orleans ins Grenzland gesickert war – ein Vermögen, so es sich denn an einem Nachmittag verdienen ließ. Ein Arbeiter musste dafür mehrere Monate schuften.

Eulalia „La Mariposa“ Solano und Marie-Céleste Choucoune versprachen einen reinen Faustkampf, mit Silbermünzen in den Fingerfugen. Im Preisboxen der georgianischen Epoche erfüllten die Prägestücke einen handfesten Zweck. Die Finger waren blockiert. Die Athletinnen konnten nicht greifen, kratzen und keine Haare raufen.

Die Allwährungszone
Im No Man’s Land zwischen New Orleans, dem Sabine River und Nacogdoches gab es kein staatliches Geldsystem. Man bezahlte mit allem, was aus Metall war. Spanische Silber-Reale und Pesos zirkulierten neben amerikanischen Dollar-Münzen, französischen Louis d’or und britischen Guineen.

Eulalia und Marie-Céleste waren – noch im Gefolge ihrer Herrschaften – vor den Sklavenrebellionen von Saint-Domingue nach Kuba und da flugs in die Freiheit getürmt. In Havannas Hafenspelunken waren sie zu Kampfkünstlerinnen promoviert worden. Sie reisten zwar zusammen, traten aber normalerweise nicht gegeneinander an. In der gottverlassenen Einöde blieb ihnen nichts anderes übrig.

Eulalia und Marie-Céleste waren – noch im Gefolge ihrer Herrschaften – vor den Sklavenrebellionen von Saint-Domingue nach Kuba und da flugs in die Freiheit getürmt. In Havannas Hafenspelunken waren sie zu Kampfkünstlerinnen promoviert worden. Sie reisten zwar zusammen, traten aber normalerweise nicht gegeneinander an. In der gottverlassenen Einöde blieb ihnen nichts anderes übrig.

Eulalia behauptete gleichmütig, es gebe zwischen den Antillen und dem Rio Grande kaum eine Frau – und nur wenige Männer –, die sie nicht besiegen könne. Sie beherrschte nicht nur waffenlose Metiers, sondern trat auch mit Macheten in einer Doppelmessersolonummer auf. Doch gab noch etwas weit Mysteriöseres, das sie aus dem karibischen Untergrund mitgebracht hatte: jene als Tanz getarnte, akrobatische Kampfkunst der Caboera. Es war ein rituelles System aus fließenden Ausweichbewegungen, Kopfständen und peitschenden Tritten, das die Aufseher als bloßes Vergnügen missverstanden hatten, während es in Wahrheit einen tödlichen Kode der Befreiung transportierte.  

Coogan gönnte seinen Männern die Abwechslung; er selbst kam aus dem Gähnen nicht heraus. Zu seiner persönlichen Belustigung zwang er Prozessionsspinner in eine Kreisbewegung, um einmal wieder festzustellen, dass die Spinner einander folgen müssen. Zudem erlangt eine pazifische Feldgrille seine Aufmerksamkeit. Die Hitze prallte geschossartig auf das Camp. Da traf ihn ein Kirschkern am Kopf. So macht sich eine Gewerbetreibende bemerkbar. Die Obst- und Gemüsehändlerinnen zählten zu jenem Kommunenstädel, in dem angeblich fünftausend Entlaufene nach eigenem Gesetz lebten. Sie hatten sich eine Verfassung gegeben, die jedem Mann und jeder Frau volle Freiheit einräumte. Das galt auch für entsprungene Sklaven. Hatte der Schmied einen Hals vom Eisen befreit, wurde gleich eine schwarze Messe gelesen. Berühmte Zweikämpfer verglichen sich in ihren Stilen. Vögel und Schweine waren überschüssig vorhanden so wie natürliche Kräutergärten. Das waren regelrechte Apotheken auf der Wiese. Das Meer ließ seinen Überfluss über die Ufer treten.

Ein Wort, das nie laut fiel, war Trépanation. Die Gilde der Schädelbohrer schwärmte nächtens aus. Die Bohrer gehören zur regulären Bewaffnung mancher Bukanier-Secessionen. Schädel wurden im Zuge chirurgischer, magischer und ritueller Maßnahmen geöffnet. Entfesselte Europäer übernahmen Motive aus dem Voodoo-Portfolio. Sie ließen sich tätowieren, piercen, rasieren, skarifizieren und gegebenenfalls auch ohne medizinischen Grund ein Loch in den Kopf bohren, um die Freiheit als ungeheure Erfahrung archaisch zu schmücken. Die Entbindung von allen europäischen Schranken stieß manchen Bukanier zurück in die Steinzeit. Eine Funktion extremer Körpergestaltung war der aktive Selbstausschluss. Der Bukanier zeigte so an, dass er mit der Alten Welt fertig war. Er konnte nicht mehr zurück. Das machte ihn vertrauenswürdig; es machte ihn zum Bruder. Die Bruderhilfe kannte noch keine Renten- und Krankenkassen. Sie empfahl schon, sich gegen Erwerbsunfähigkeit zu versichern. Es gab Piraten- und Tejano-Manifeste und –Statuten und die ersten standesamtlichen Eheschließungen. Gleichgeschlechtliche Verbindungen waren dem Althergebrachten gleichgestellt. Während in Europa Ehen zwischen Katholiken und Protestanten verboten waren, konnte sich in den Kommunen alles paaren. Piraterie war ein Motor der demokratischen Zukunft. Damit einher gingen Exzesse, es geschieht viel im Geheimen.

Wer würde Championess of the Border?