Turning Danger into Performance - Français Cadien and Louisiana Voodoo
Die Jackson‘sche Dissolution (nach dem Neurologen John Hughlings Jackson, 1835 - 1911) liefert eine elegante neurophysiologische Bestätigung dessen, was biomechanisch logisch ist. Neuere Funktionen wie aufrechter Gang, gezielte Handbewegungen oder komplexe Koordination sind instabiler als evolutionär ältere Muster. Wäre Vertikalität der ursprünglichen Horizontalität ebenbürtig, würde sie unter Druck genauso zuverlässig funktionieren wie ältere Schutzfunktionen. Wer nur sichtbare Apps trainiert, ohne das Sicherheitsnetz archaischer Muster zu stärken, riskiert, dass seine Fähigkeiten bei Instabilität zusammenbrechen. Die Mechanik des horizontalen Betriebssystems ist entscheidend. Die vertikale App läuft darauf.
Vertikalität ist eine komplizierte Oberfläche auf einem urzeitlichen Fundament.
Die Jackson‘schen Dissolution sagt, dass bei Stress und Krankheit die neuesten Funktionen zuerst ausfallen und robustere Muster übernehmen. Das Nervensystem zerfällt in umgekehrter Reihenfolge seiner Entstehung (Dissolution). Was zuletzt erlernt wurde, geht zuerst verloren. Die aufrechte Haltung ist phylogenetisch jung und energetisch teuer. Beugereflexe sind archaisch. In Lebensgefahr geht Sicherheit stets vor Leistung.
Jarek erzählt
Ich stieß bei meinen Recherchen immer wieder auf Lelands Ahnen. Ich stellte mir Lelands berühmtesten Vorfahren als einen Mann der verdeckten Separation vor.
Crobbet Joe Leland machte Schießbilder. Er imitierte Niki de Saint Phalle. Weil er riesig war, einen verschlingenden Blick hatte und die karierten Hemden von Chief Bromden trug, sah bei ihm alles nach ausgeflipptem Holzfäller und nichts nach Kunst aus.
In den letzten Monaten vor ihrer Verlobung mit dem Millionenerben Saltus inszenierte sich Naomi als Muse. Es gefiel ihr, mit Künstlern abzuhängen, von denen ihr Vater nichts hielt. Leland war der Unerträglichste. Er imitierte Niki de Saint Phalle und wunderte sich, dass die Nachahmerei für ein Leben als anerkannter und deshalb vermögender Künstler nicht genug war. Allerdings punktete Leland an zwei Stellen. Erstens war er ein fähiger Selbstversorger mit grünem Daumen und zweitens hatte er als Siebzehnjähriger eine Nebenrolle in einem Acid Western mit Jack Nicholson. Der Film schaffte es nie ins Kino und wurde erst in den Neunzigern für das Fernsehen aufbereitet. In Nacogdoches konnte ihn niemand gesehen haben. Trotzdem zweifelte man nicht daran, dass Leland an einer Filmkarriere haarscharf vorbeigeschrammt war. Er musste einfach etwas Großes verpasst haben, so groß wie er war und so heroisch wie er wirkte – und sein Ahnherr tatsächlich war. John Wayne Going Junior muss ungewöhnlich freundlich zu seinen Sklaven und den Angehörigen der First Nation gewesen sein. Er wollte sich aber in keinen Gegensatz zur neuenglischen Distinktion gestellt wissen. Er zeigte sich beflissen und teilte die Einschätzungen der hauchdünnen angloamerikanischen Oberschicht, obwohl er aus anderem Holz geschnitzt war. Er gehörte nicht zu den von Impresarios nach Absprachen mit der mexikanischen Regierung Angesiedelten. – Und auch nicht zu den wild dazugekommenen Tausendschaften, die von ihren soliden Vorgängern abgelehnt wurden und keinen Zugang zu der neuen Elite um Samuel Houston erhielten. Goings Vater war ein Borderliner und Schwarzsiedler in spanischen Zeiten gewesen. In Tejas infiltrierte er eine Gemeinde im Schatten einer katholischen Missionsstation. Er rang mit einer spanisch-kolonialen Obrigkeit, die seit Jahrhunderten in der Abwehr fremder Interessen geübt war. Als Tejano beteiligte er sich am mexikanischen Unabhängigkeitskampf (1811 – 1821).
John Wayne Going Junior war nicht borniert. Er hatte wenig gemein mit den von zuerst von Stephen Fuller Austins Vater Moses gerufenen Kolonisten. Nichts verband ihn mit den in Texas eingefallenen, sonst wo aufgeflogenen, durchgebrannten und flüchtigen Heiratsschwindlern, Ehemännern, Bankrotteuren, die man French Society nannte. Dirt-poor devils came, schreibt Staatsgründer Houston in seinen Erinnerungen.
Houston war nicht das erste Wort, das auf dem Mond fiel. Doch viel fehlte nicht. Neil Armstrong: „Engine arm is off. Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed.“
Houston glückte, was sonst keinem gelang. In seinem Fall verband sich eine bezwingende Persönlichkeit mit politischen Chancen. Houston war sowohl Gouverneur von Tennessee als auch von Texas. Kein Zweiter kann von sich behaupten, das höchste Amt eines Bundesstaates in zwei verschiedenen Staaten inne gehabt zu haben. Er wurde der erste Präsident von Texas, nachdem er Santa Anna – den Napoleon des Südens nach eigener Angabe – am 21. April 1836 vor San Jacinto vernichtend geschlagen hatte. Und er wurde wiedergewählt. Jahrzehnte lebte Houston mit einer Wunde, die beinah täglich versorgt werden musste.
Leland liebte kosmische Bögen. Er spekulierte auf seine erstaunliche Physis. In den Grenzen seiner Monomanie war er sehr in Naomi verliebt, aber ich sah deutlich, dass er ihr nicht genügte.
Um an einer anderen Stelle weiterzumachen
Er stand mir im Weg und das war Absicht. Zweifellos stand er unter Drogen. Speichelfäden rannen über ein manisch mahlendes Kinn.
„Hab‘ gehört“, sagte er. Es war mehr ein Gurgeln.
Ich wollte gar nicht wissen, was er gehört hatte. Ich befand mich auf dem Rastplatz der Atchafalaya Swamp Bridge, einem besonderen Stück Interstate 10, ich wollte nach Lafayette, um mit Foreman zu reden. Inzwischen hielt ich auch ihn für einen Ghost Dog, ich plante eine Reportage über den Bund. Ich war einer Version des Südens auf der Spur, von der man in Deutschland nichts wusste. Ich würde einmal wieder der Erste sein und diese Aussicht erhöhte das Jagdfieber.
Auf dem Platz stand ein Denkmal zu Ehren der 82. Airborne Division, ich ordnete dem Honk einen Dodge Pickup mit Käfigen auf der Ladefläche zu. Auf seiner Kappe stand Detroit. Er kam mir wie die Idealbesetzung eines Organisators von Hundekämpfen vor. In seinen Mundwinkeln schäumte Spucke wie ein Spülmittel. Ich war sicher, nicht zu ihm durchdringen zu können. Ich glaubte, dass er mich wie eine Halluzination wahrnahm. Wie hatte er es bis hierhergeschafft? Die Brücke ist beinah dreißig Kilometer lang.
Er setzte erneut zum Sprechen an, aber eine innere Bewegung war stärker. Ich sah sie aufsteigen, sie sorgte für ein kindliches Erstaunen. Jemand rief einen Namen, ich bildete mir ein, Louis zu hören, ein Mädchen, es konnte nicht älter als zwölf sein, näherte sich. Es heftete seinen Blick auf mich, als ginge von mir eine Bedrohung aus. Es schien eine komplizierte Lage anzunehmen und mich für den Verursacher zu halten. Es erreichte den Honk, nahm ihn an die Hand und redete in Français Cadien auf ihn ein. Der Honk ließ sich widerstandslos abführen. Das Mädchen drehte sich um und bedachte mich mit einem tierisch wütenden Blick. Bei ihr daheim in den Wäldern hätte sie geschossen. Mit dem Dodge lag ich richtig. Das Mädchen kletterte auf den Fahrersitz. Es fuhr den Wagen vom Platz wie ein alter Honk.
Foreman war nicht glücklich, mich zu sehen. Ich raubte ihm die liebe Einsamkeit. Bestimmt redete er laut mit sich. Mein Interesse an ihm erschien ihm abwegig – wie eine Perversion. Ihn erfüllte die Mission eines geräuschlosen Abgangs in absehbarer Zeit.
Die Atchafalaya Swamp Bridge & Interstate 10
Die Brücke liegt im US-Bundesstaat Louisiana im tiefen Süden. Sie verbindet die Städte Baton Rouge und Lafayette über die Interstate. Offiziell heißt sie Atchafalaya Basin Bridge. Sie wurde 1973 für den Verkehr freigegeben. Mit einer Länge von rund 29,3 Kilometern (18,2 Meilen) gehört sie zu den längsten Brücken der Welt und ist die drittlängste der USA. Sie führt fast durchgehend über die unwegsamen Sumpf- und Überflutungsgebiete des Atchafalaya-Beckens. Auf halber Strecke der Brücke (nahe Meilenmarker 121) befindet sich eine der ungewöhnlichsten Autobahnraststätten der USA (Exit Atchafalaya Welcome Center). Sie ist komplett von Sumpf umgeben und nur über die Brücke erreichbar.
Das Denkmal der 82. Airborne Division
Auf diesem Rastplatz steht das 82nd Airborne Division Memorial. Die 82. US-Luftlandedivision st eine Eliteeinheit, die im Ersten Weltkrieg aufgestellt wurde und im Zweiten Weltkrieg (u. a. bei der Landung in der Normandie) sowie in späteren Konflikten wie dem Vietnamkrieg eine zentrale Rolle spielte.
Lafayette ist das kulturelle Zentrum von Acadiana. Der Name setzt sich aus „Acadia“ (einer kanadischen Stadt) und Louisiana. Sie geht auf die Acadier zurück – französischstämmige Siedler, die im 17. und 18. Jahrhundert im Osten Kanadas (Neuschottland) lebten. Nachdem sie 1755 von den Briten brutal vertrieben wurden (Le Grand Dérangement), ließen sich viele von ihnen im spanisch und französisch geprägten Louisiana und da zumal in isolierten Bayous (Sumpfgebiete) nieder. Aus Acadiens wurde Cajuns.
Das 1821 gegründete Lafayette hieß zuerst Vermilionville, bevor sie 1884 zu Ehren des französischen Generals und US-Revolutionshelden Marquis de Lafayette seine Umbenennung erfuhr. Die Stadt ist Hort und Herd kreolischer Lebensart.
Français Cadien
Das Français cadien ist eine Variante der französischen Sprache, die im ländlichen Süden Louisianas gesprochen wird.
Swamp People
Als Swamp People bezeichnet man die Bewohner entlegener Feuchtgebiete. Traditionell leben sie von Alligatorenjagd, Fischfang, Krebsfang (Crawfish) und Holzwirtschaft. Der Isolation in den uferlosen Sumpfgebieten verdankt sich eine autarke Lebensweise und eine ausgeprägte Skepsis gegenüber Außenstehenden.
Der Korea-Krieg (Foremans Schrein)
Der Krieg auf der koreanischen Halbinsel dauerte von 1950 bis 1953. Die USA kämpften an der Seite Südkoreas gegen das kommunistische Nordkorea und dessen Verbündete.
Ein Veteran dieses Krieges zu sein, verweist auf Foremans Alter und seine Verwurzelung in einer Ära des Kalten Krieges, was seinen Charakter als harten, verschlossenen Einzelgänger (und potenziellen „Ghost Dog“ des Bundes) historisch untermauert.
Voodoo und Synkretismus
Die Bemerkung des Erzählers, Foreman könnte „nachts Hühnern die Köpfe abreißen und Jünger in Ekstase versetzen“, spielt auf den im Süden Louisianas (insbesondere im Raum New Orleans und den umliegenden ländlichen Parishes) stark verbreiteten Louisiana Voodoo oder Hoodoo an. Dieser entstand aus der Verschmelzung westafrikanischer Religionen mit dem katholischen Heiligenkult der französischen und spanischen Kolonisatoren.
King Billy‘s Boys in den Bergen
Entgegen dem modernen Klischee vom einfältigen Hinterwäldler entspringt das Schmachwort Hillbilly einer kriegerischen Geschichte.
Die schottisch-irischen Covenanters
Im 17. Jahrhundert flohen protestantische Presbyterianer vor religiöser Verfolgung in die Hügel Schottlands und Irlands. Sie waren glühende Unterstützer von König Wilhelm III. von Oranien (bekannt als King Billy). Als diese Scotch-Irish im 18. Jahrhundert in Massen nach Amerika auswanderten, besiedelten sie die unwegsamen, isolierten Kämme der Appalachen. Aus den rebellischen „Billies von den Hügeln“ wurden die Hillbillies.
Bevor die Außenwelt das Wort ab 1900 als Schimpfwort für Armut und Bildungsferne nutzte, war es ein Name für Menschen, die beschlossen hatten, unregierbar zu sein. Sie brachten eine jahrhundertealte Tradition des tiefen Misstrauens gegenüber fernen Regierungen mit. In den Bergen galt nicht das Gesetz des Staates, sondern der Klan. Blutfehden zementierten das Bild einer wehrhaften Gemeinschaft.
Es gab Spuren menschlicher Kontakte, die Foreman zu verschleiern trachtete; eine Höhlenmalerei der Zuwendung. Der Mann war in einer engen Auslegung nicht allein. Auf einer Anrichte stand ein Apfelkuchen, nicht dass Foreman mir ein Stück angeboten hätte. Der Kuchen war keine Formalität. Den hatte jemand mit Familien- und Frohsinn gebacken. Wie gesagt, Foremans Verwandtschaft, Nachkommen der Swamp People, schillerten in den Farben einer expandierenden Subkultur. Foreman stellte die Behauptungen eines Einsamen auf. Der Zustand des Hofs erzählte eine andere Geschichte. Hier wirtschaftete ein Mann nicht allein.
„Wie man es erzählen kann“, schreibt Christa Wolf, „so ist es nicht gewesen.“ Ich hätte Lance, vielleicht sogar Mortimer nach Foreman fragen können. Aber ich war nach Lafayette gefahren, ohne Erkundigungen einzuziehen. Ich wollte gewisse Dinge zuerst von Foreman erfahren.
Eine Mund- oder Spielart, eine Variante – Schlägt man den falschen Ton an, ist die Sache verdorben und man kommt nie hinter ihr Geheimnis. So wie ich Lance mit kurzen Schusswaffen identifizierte und Mortimer mit tödlichen Händen, dachte ich bei Foreman an Messer und Schlingen. Foremans Totemtier war die Schlange. In seinem Wohnzimmer stand ein Schrein, der Foremans Armeezeit gewidmet war. Und ich kann Ihnen sagen, die Ausstellungsstücke waren alle auf Hochglanz gebracht worden. Glauben Sie, dass Foreman je mit einem Poliertuch unterwegs war? Ich konnte mir das nicht vorstellen. Er hatte seine Zeit in Korea gehabt, ich kriegte immerhin einen Becher Malzkaffee mehr oder weniger vor die Füße geknallt. Es fiel Foreman verdammt schwer, freundlich zu sein. Als würde Freundlichkeit ihm den Rücken aufreißen.
Immer deutlicher sah ich, dass er geachtet wurde. Es musste eine Gemeinde geben, in der Foreman eine Rolle spielte. Vielleicht riss er nachts Hühnern die Köpfe ab und versetzte Jünger in Ekstase, wer wusste das schon bei Tage. Plötzlich stand eine Frau in der Tür. Ich schätzte sie auf dreißig, vielleicht war sie auch ein paar Jahre älter. Sie platzte beinah aus ihrem Kleid. Ich war Mitte Zwanzig und reagierte unmittelbar auf die erotische Expression. Die vitale Wucht fühlte sich beinah an wie eine Attacke. Der Hausherr ignorierte sie und sie ignorierte ihn und den Besuch, während sie sich aufreizend selbstverständlich im Haus bewegte.
„Sie nennen uns Honks und Hillbillies“, sagte Foreman „Sie denken, das sind Schimpfwörter, die Sie in Ihren Notizblock kritzeln können. Aber wissen Sie, woher das kommt? Hill-folk. Menschen, die sich weigerten, Königen zu gehorchen. Als wir hierherkamen, gab es keine Straßen. Nur die Hölle der Sümpfe. Also wurden wir zu Hellbillies. Treibt man uns in die Enge, brennen wir alles nieder.“
Sie war keine Tochter von Foreman, das spürte ich. Trotzdem war da familiäre Wärme und Vertrautheit; als wäre sie ihm zur Begrüßung um den Hals gefallen, wenn auch eben nicht töchterlich und auch nicht ehelich. Instinktiv verortete ich sie in einer animistischen Gemeinschaft, die sich um Foreman drehte. Ich erkannte in ihr ohne weitere Anhaltspunkte eine Jüngerin des Kultchefs. Sie erschien mir entrückt auf eine verkehrstüchtige Weise, matt illuminiert von der Alltagsdosis eines freakigen Flows. Sie nahm sich den Kuchen vor; wahrscheinlich hatte sie ihn auch gebacken. Ihr Blick, der eben noch das All in seiner ganzen stellaren Pracht geschaut haben mochte, streifte mich. Die Frau begünstigte mich mit einem Anflug von Interesse.
„Möchten Sie ein Stück?“
Ich beeilte mich, der Kontaktaufnahme eine breitere Basis zu verschaffen. Nein, so ist es nicht gewesen. Vielmehr war es so:
„Ich wusste nicht, dass du Besuch hast“, sagte sie schlicht und ergreifend.
Foreman knurrte in ihre Richtung, die Frau stieß einen Laut des Entzückens aus.
„Ich werde mich wohl selbst vorstellen müssen“, sagte sie urban. „Mein Name ist Martha, ich bin eine Freundin.“
„Haben Sie den Kuchen gebacken?“ fragte ich.
„Er hat Ihnen nichts angeboten, stimmts? Warten Sie, ich hole Ihnen ein Stück.“
Es war offensichtlich, dass Martha Foreman nicht nur nichts übelnahm, sondern ihn geradeheraus verehrte. Das verstärkte meinen Verdacht, dass Foreman eine Menge verbarg.
Martha trug einen Sorang oder etwas in der Art, womöglich sah ich eine karibische Tracht. Gelb war die dominierende Farbe, ein einpeitschendes Gelb, das narrativ auf die Sinne wirkte.
Martha servierte mir von ihrem Kuchen, sie hatte sogar Sahne aufgetan. Wie passte die Sahne zu Foremans Legende vom verlorenen Schaf im Wolfspelz? Schon der Kuchen war ein Dementi der Isolation. Im Kuchen waren halbe, in Zimt gebadete und kryptisch beschriftete Äpfel verarbeitet. Ein verzuckertes Dach brach beim ersten Stich ein.
Oder so:
Sie kostete den erotischen Schock ihres Anblicks aus. Kein Zweifel, dass sie sich für gesegnet hielt.
„Christa Wolf“, murmelte Foreman, und zum ersten Mal sah er mich direkt an – mit Augen, die so kalt und ungastlich waren wie das Atchafalaya Basin im Winter. „Die Frau hat recht. Wie man es erzählen kann, so ist es nicht gewesen. Sie werden Lafayette heute Abend verlassen. Und wenn Sie den falschen Ton anschlagen in ihrer Geschichte, dann wird die Sache nicht nur verdorben. Dann holt sich der Sumpf die Geschichte zurück.“
Unwillkürlich sah ich Martha an. Sie zuckte mimisch mit den Achseln. Ich verstand die Ansage so: Da musst du jetzt durch. Ich war so scharf auf sie, dass ich dem Wahn verfiel, sie könnte es auf mich abgesehen haben und wollte mich gerade vor Foremans Augen verführen. Noch Jahre später reichte mir eine leicht angereicherte Erinnerung an diesen Moment in Lafayette.