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2026-10-24 14:01:26, Jamal

Turning Danger into Performance – Filibuster Riot

Die texanischen Unabhängigkeitsbestrebungen beginnen mit den ersten mexikanischen Versuchen, sich von der spanischen Vormundschaft zu lösen. Nordamerikaner und Westeuropäer sind sofort am Start. Man nennt sie Filibuster. Ein Filibuster verfolgt in einer ausländischen Revolution seine eigenen Ziele. Er strebt beispielsweise eine uneingeschränkte Landenteignung für die Freiland-Massentierhaltung an. Er weiß: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Auf möglichst anschauliche Weise haben wir es also mit einem Verteilungskampf zu tun, in dem die First Nation als garantiert rechtslos wahrgenommen wird und die Mexikaner eine weitreichende Entrechtung erfahren. Das weite Land ist ein Geschenk Gottes an den weißen Mann.

José Bernardo Maximiliano Gutiérrez de Lara traf sich im März 1812 in New Orleans mit dem ersten Gouverneur des neuen US-Bundesstaates William Charles Cole Claiborne und dem US-Geheimagenten und Schriftsteller William Shaler. Gutiérrez, Anwalt und Landbesitzer, ließ sich informieren und ausrüsten. Er begann seine Mission mit den Intentionen eines Erfüllungsgehilfen. Natürlich erschien Gutiérrez seinen Compañeros als revolutionärer Führer.

Shaler (1773 – 1833) war der Kissinger seiner Zeit. Seine Einschätzungen nahmen vorweg, was bis heute den Blick der USA auf lateinamerikanische Gesellschaften bestimmt.

Als Gönner, der die Reisekosten und alle Extras des Extravaganten bezahlte, begleitete Shaler Gutiérrez nach Natchitoches, wo die Verschwörer am 28. April eintrafen. Gutiérrez kannte die Stadt. Der spanische Gouverneur Manuel María de Salcedo wartete mit achthundert Mann auf den Abtrünnigen, der nur wenige Männer aus Louisiana für sein Abenteuer gewinnen konnte. Gutiérrez erklärte die Unabhängigkeit von Texas. Er verkündete die erste mexikanische Verfassung und ernannte sich selbst zum Präsidenten.

Ich fasse noch einmal zusammen

Ziel der Expedition war es, Texas als republikanische Basis zu nutzen, um ganz Mexiko von der spanischen Kolonialherrschaft zu befreien. Gutiérrez de Lara reiste nach dem Scheitern der ersten Revolutionswelle in Mexiko (unter Miguel Hidalgo) nach Washington D.C. und im März 1812 nach New Orleans. Dort traf er den ersten Gouverneur von Louisiana, William C. C. Claiborne so wie den US-Geheimagenten William Shaler. Shaler wurde offiziell von US-Präsident James Madison als „Beobachter" entsandt. Er steuerte, finanzierte und beeinflusste Gutiérrez massiv im Hintergrund. Er fädelte auch die Rekrutierung von US-Militärs ein. Er begleitete Gutiérrez bis nach Natchitoches an der Grenze zu Spanisch-Texas. Dort sammelte sich die sogenannte Republican Army of the North. Die Verschwörer trafen im April 1812 ein. Die Invasion und der Marsch über den Sabine River erfolgte im August. Der spanische Gouverneur Manuel María de Salcedo zog den Aufständischen entgegen, unterschätzte jedoch den Zulauf von US-Freiwilligen, Deserteuren und indigenen Verbündeten. Die Rebellen feierten beachtliche Anfangserfolge. Sie nahmen Nacogdoches (nicht Natchitoches), Goliad und im April 1813 San Antonio ein, wo Gouverneur Salcedo gefangen genommen und brutal exekutiert wurde. Am 6. April 1813 erklärte Gutiérrez die Unabhängigkeit von der neuspanischen Kolonie Texas.

Von Natchitoches nach Nacogdoches

Natchitoches war eine ursprünglich französische Gründung und 1812 ein wichtiger US-amerikanischer Grenzposten im Bundesstaat Louisiana. Hier sammelten und bewaffneten sich Aufständische auf sicherem US-Boden.

Nacogdoches war die erste größere spanische Siedlung direkt hinter der Grenze auf texanischem Gebiet.

Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben

Wenn Visionen ihrer Zeit voraus sind

Warum gelingen bestimmte Revolutionen, während andere kläglich scheitern? Bertolt Brecht (1898–1956) prägte die These, dass der Deutsche Bauernkrieg (1524–1526) das „größte deutsche Unglück“ gewesen sei. Die Bauern kamen mit ihren radikalen Forderungen nach Freiheit und der Aufhebung der Leibeigenschaft schlichtweg zu früh. Heiner Müller (1929–1995) griff den Gedanken später auf und zeigte die Tragik dieses Dilemmas. Wenn eine revolutionäre Bewegung ausbricht, bevor die gesellschaftlichen reif dafür sind, wird sie von den bestehenden Machtstrukturen zerschmettert.

Das Fehlen der kritischen Masse

Den Bauern fehlte 1525 die militärische Koordination und die Unterstützung des städtischen Bürgertums. Den Filibustern fehlte 1813 die demografische Basis – es gab noch nicht genug Siedler, um eine Republik gegen eine Großmacht zu verteidigen. In beiden Fällen reagierten die alten Herrscher mit Härte. So wie die Heere der deutschen Fürsten die Bauernhaufen niedermetzelten, so zertrümmerte die spanische Royalisten-Armee die Rebellen in der Schlacht am Medina River.

Was 1813 unter Gutiérrez und Shaler misslang, glückte 1836 unter Sam Houston. Nicht, weil die Ideen von 1836 besser waren, sondern weil die Zeit – die Demografie, die Schwächung Mexikos und die aggressive Expansion der USA – nun reif dafür war. Für die Pioniere von 1813 galt das bittere geschichtliche Urteil: Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben.

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Wenn Visionen ihrer Zeit voraus sind

Warum gelingen bestimmte Revolutionen, während andere kläglich scheitern? Bertolt Brecht (1898–1956) prägte die These, dass der Deutsche Bauernkrieg (1524–1526) das „größte deutsche Unglück“ gewesen sei. Die Bauern kamen mit ihren radikalen Forderungen nach Freiheit und der Aufhebung der Leibeigenschaft schlichtweg zu früh. Heiner Müller (1929–1995) griff den Gedanken später auf und zeigte die Tragik dieses Dilemmas. Wenn eine revolutionäre Bewegung ausbricht, bevor die gesellschaftlichen reif dafür sind, wird sie von den bestehenden Machtstrukturen zerschmettert.

Das Fehlen der kritischen Masse

Den Bauern fehlte 1525 die militärische Koordination und die Unterstützung des städtischen Bürgertums. Den Filibustern fehlte 1813 die demografische Basis – es gab noch nicht genug Siedler, um eine Republik gegen eine Großmacht zu verteidigen. In beiden Fällen reagierten die alten Herrscher mit Härte. So wie die Heere der deutschen Fürsten die Bauernhaufen niedermetzelten, so zertrümmerte die spanische Royalisten-Armee die Rebellen in der Schlacht am Medina River.

Was 1813 unter Gutiérrez und Shaler misslang, glückte 1836 unter Sam Houston. Nicht, weil die Ideen von 1836 besser waren, sondern weil die Zeit – die Demografie, die Schwächung Mexikos und die aggressive Expansion der USA – nun reif dafür war. Für die Pioniere von 1813 galt das bittere geschichtliche Urteil: Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben.

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Die texanischen Unabhängigkeitsbestrebungen begannen im Zuge der ersten mexikanischen Versuche, sich von der spanischen Kolonialherrschaft zu lösen. Getrieben von der Ideologie des Manifest Destiny, dem Glauben an das gottgegebene Recht des weißen Mannes auf uneingeschränkte Landnahme, verfolgten angloamerikanische Abenteurer in der fremden Revolution ihre eigenen Interessen. In einem rassistisch und kolonial geprägten Verteilungskampf wurden die First Nations als rechtlos wahrgenommen, während die ansässigen Mexikaner eine weitreichende Entrechtung erfuhren.

Die Erfindung der Rechtlosigkeit – Die juristische Fiktion – Indios Bárbaros vs. Indios Reducidos

Das spanische Kolonialrecht (kodifiziert in den Leyes de Indias) war eines der bürokratischsten Systeme der Weltgeschichte. Es goss Vorurteile in Recht. Die spanische Krone erfand eine juristische Zweiklassengesellschaft: „Indios Reducidos“ (Die „Zivilisierten“): Dies waren Indigene, die sich dem spanischen Missionssystem unterworfen hatten, zum Katholizismus konvertiert waren und als sesshafte Bauern lebten. Rechtlich wurden sie als „Minderjährige unter Vormundschaft“ (miserables) eingestuft. Sie hatten minimale Schutzrechte, besaßen aber keinerlei politische Selbstbestimmung.

Die „Indios Bárbaros“ oder „Indios Salvajes“ (Die „Wilden“): So nannten die Spanier die nomadischen und kriegerischen Völker der Comanchen und Apachen. Aus spanischer Sicht standen diese Völker außerhalb der göttlichen und königlichen Ordnung. Da sie sich weigerten, Verträge zu unterschreiben oder in Missionen zu leben, wurden sie juristisch als vogelfrei und absolut rechtslos wahrgenommen.

Das Rechtssystem als Waffe im Verteilungskampf

Im texanischen Grenzland diente dieses Rechtssystem als moralische und juristische Rechtfertigung für einen beispiellosen Verteilungskampf um Land und Ressourcen. War ein Volk als Indio Salvaje eingestuft, griff automatisch die spanische Rechtsdoktrin des „Guerra Justa - Gerechten Krieges“. Sein Land durfte entschädigungslos enteignet und die Überlebenden durften legal versklavt werden.

Das Land als Terra Nullius – Niemandsland

Obwohl die First Nations seit Jahrtausenden auf diesem Land lebten und es als Jagdgrund nutzten, deklarierte das spanische Recht das weite Land als „Eigentum der Krone“. Da die Nomaden keine europäischen Grundbücher besaßen und keine festen Häuser bauten, wurde ihre Existenz schlichtweg wegdefiniert. Das Land galt rechtlich als leer und ungenutzt – ein „Geschenk Gottes“, das nur darauf wartete, von der Krone an weiße Siedler und katholische Missionen verteilt zu werden. Als die anglo-amerikanischen Filibuster ab 1812 nach Texas drängten, erfanden sie den Rassismus nicht neu – sie fanden ein perfekt vorbereitetes juristisches Feld vor. Während die Filibuster den mexikanischen Unabhängigkeitskampf nutzten, um die Mexikaner weitgehend zu entrechten und ihnen ihr Land abzunehmen, behielten sie die absolute Rechtlosigkeit der Indios Salvajes einfach bei. Für die Comanchen und Apachen änderte sich der Name der Unterdrücker, aber das System blieb gleich.   

Wer zuerst kam, mahlte zuerst – doch im Jahr 1812 waren die angloamerikanischen Akteure ihrer Zeit zu weit voraus. Ein Paradebeispiel für verfrühtes Aufbegehren ist die Gutiérrez-Magee-Expedition. Gutiérrez ernannte sich selbst zum Präsidenten eines mexikanischen Texas. Seine Interventionen formten die Schlüsselfiguren, die 23 Jahre später das Schicksal von Texasbesiegeln sollten. Auf spanischer Seite kämpfte in der Entscheidungsschlacht am Medina River der erst 19-jährige Leutnant Antonio López de Santa Anna. Er verinnerlichte die Doktrin von General Joaquín de Arredondo, der Terror und Vernichtung predigte. Als Santa Anna 1836 als Diktator und Generalissimus Mexikos nach Texas zurückkehrte, um die inzwischen massenhaft zugewanderten anglo-amerikanischen Siedler zu unterwerfen, wandte er die Lektionen eins zu eins an. Er ließ bei der Belagerung von Alamo die rote Flagge für die Verweigerung jeglichen Pardons hissen und befahl das Massaker an Hunderten gefangenen Soldaten bei Goliad. Er unterschätzte den Kampfeswillen der Texaner. Sein entscheidender Gegenspieler, Sam Houston, hatte um 1813 seine ganz eigenen Lektionen auf der anderen Seite des Mississippi gelernt. Houston diente in einem anderen Krieg unter General Andrew Jackson, dessen eiserne Disziplin und strategisches Kalkül ihn prägten. In der Schlacht am Horseshoe Bend anno 1814 überlebte Houston nur knapp schwerste Verwundungen, was ihm unter seinen Männern zeitlebens den Ruf eines gesegneten Anführers einbrachte. Zudem lebte Houston jahrelang bei den Cherokee, verstand ihre Kultur und sicherte Texas im Unabhängigkeitskrieg strategisch ab, indem er Friedensverträge mit den indigenen Völkern schloss, statt sie wie die frühen Filibuster nur als Feinde zu betrachten. Im Jahr 1836 zahlte sich Houstons jahrelange Reifung aus. Während seine Männer ihn ungeduldig der Feigheit bezichtigten, wich er Santa Annas Truppen wochenlang strategisch aus, um auf den perfekten Moment zu warten – eine Geduld, die er von Jackson gelernt hatte. In der Schlacht von San Jacinto überrumpelte Houston den arroganten mexikanischen Diktator im perfekten Moment, nahm ihn gefangen und erzwang die Unabhängigkeit von Texas.  

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Die Geschichte kann auch anders erzählt werden. In der zweiten Version erscheint Gutiérrez als Mann des Volkes. Angeregt von dem Geistlichen Miguel Hidalgo y Costilla, der 1811 in Nacogdoches die erste Dynamitstange der Revolution zündete und 1813 in Chihuahua hingerichtet wurde, engagierte sich Gutiérrez unabhängig von US-Interessen für die Freiheitsbewegung.

Die Ereignisse gingen als Gutiérrez-Magee-Expedition in die Geschichte ein. Augustus William Magee (1789–1813) war Berufsoffizier. Im Jahr 1809 wurde Magee von Baton Rouge, Louisiana, nach Fort Jesup in der Nähe von Natchitoches verlegt. Das Fort liegt 22 Meilen westlich von Natchitoches, Louisiana. Das Bollwerk diente dem Schutz der Grenze zu Neuspanien und einem Neutral Strip. Die Demarkationslinie am Sabine River erhielt ihren Sonderstatus nach einem Zusammenstoß im Oktober 1806 zwischen Streitkräften unter General James Wilkinson und Oberstleutnant Simón de Herrera.

Nur am Rand. Wir unterhalten uns über ein Gebiet, das Jahrhunderte spanische Kolonie war. Da lebten nicht nur Leute der First Nations und Mexikaner, sondern auch spanisch sprechende Nordamerikaner angelsächsischer oder französischer Herkunft wie auch hispanisierte Deutsche. Die trafen sich in Tejano-Tavernen. Wir kennen das alle aus Italo-Western. Sergio Leone war unser Geschichtslehrer. Tejano-Vaqueros sahen anders aus als Cowboys in Oklahoma oder Arkansas. Die Tejano hatten den Mañana-Drive. Sie schnitten ihre Sporen aus mexikanischen Goldmünzen ...  

Magee schloss sich Gutierrez an, so wie dann auch Peter Samuel Davenport. Jener war in den französischen Milieus von Louisiana verwildert. Captain James Colorado Gaines (1776 - 1856) traf Davenport eines Morgens betrunken auf der Hauptstraße von Nacogdoches. Er zwang Davenport in einen Zuber, spendierte ihm eine Rasur und eine Mahlzeit im Steakhouse von Polly Morgan und ließ ein Pferd für ihn satteln.

Gaines sollte schließlich zu den Unterzeichnern der Texas Declaration of Independence von 1836 gehören. Er war sein Leben lang in Kämpfe verwickelt. “He raised and commanded troops in the Gutiérrez-Magee expedition, an effort to wrest Texas from Spain“, heißt es in den Aufzeichnungen des deutschen Texas-Cowboys Cornelius Kammschneider (1782–1867). Kammschneider schildert Gaines als hünenhafte, rothaarige, halsstarrige und aufbrausende Persönlichkeit. Er mischte mit als Sheriff und Postmeister. Auf eine faire Weise angeschossen wurde er in einem Duell ausgerechnet von Mortimer DeWitt, der damals noch Texas Thunderbolt aka Tejas Rayo hieß. Seinen Lebensunterhalt bestritt er als Mustanger in der Mannschaft von Bull Calhoun. Alle Genannten beteiligten sich dann auch an der Fredonian Rebellion.

Ich sehe schon, Sie kommen nicht mit: Gutiérrez, Magee, Davenport, Gaines, DeWitt … und was wurde aus Shaler? - Und was war die Fredonian Rebellion?

Die Fredonian Rebellion (21. Dezember 1826–23. Januar 1827) entsprach dem ersten Versuch der Angloamerikaner die Leute, denen das Land gehörte, auf dem sie lebten, zu enteignen. Ausgangspunkt der Revolte war wieder Nacogdoches. Ich habe gerade das Wort Mexikaner gegoogelt. Der erste Treffer war ein Cocktail. Noch der zwölfte sagt nichts über einen mexikanischen Bürger aus.