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2026-10-25 09:35:40, Jamal

Turning Danger into Performance - Von Natchitoches nach Nacogdoches

Chronist der eigenen Großartigkeit – Was zuvor geschah

José Álvarez de Toledo y Dubois (1779 – 1858) war der in Kuba geborene Sohn eines spanischen Marineoffiziers. Er genoss eine Ausbildung der Alten Welt und diente in der britischen Marine. Später wechselte Toledo die Seiten und gewann das Vertrauen von US-Außenminister James Monroe. Als Agent der Vereinigten Staaten stiftete Toledo Unruhe in dem unglaublich weiten neu-spanischen Vizekönigreich, das 1535 gegründet worden war. Zuerst agitierte er in seiner Heimat, dann ging er nach Texas und unterstützte William Shaler – den ersten James Bond der USA – bei den Vorbereitungen für einen mexikanischen Aufstand gegen die spanische Kolonialherrschaft.

Shaler genoss das Vertrauen der mächtigsten Männer in den Vereinigten Staaten. Er war nicht nur ein Mann der Tat, sondern auch ein Geschichtenerzähler; jemand, der in jeder Schlacht gleichsam neben sich stand und als Chronist seiner eigenen Größe auftrat.

Die Verschwörer beauftragten den mexikanischen Revolutionär José Bernardo Gutiérrez de Lara mit der Führung einer Filibuster-Expedition. Es gelang ihnen, die Macht in San Antonio zu übernehmen. Doch Gutiérrez scherte sich nicht um die amerikanischen Interessen. Also demontierten Shaler und Toledo ihn mit einer gezielten Kampagne der Verleugnung.

Neun Jahre vor Mexikos Unabhängigkeit von Spanien fand im Sommer 1812 ein Gipfeltreffen in Nacogdoches statt. Gutiérrez, Magee, Gaines, Davenport, DeWitt und Toledo bildeten das Zentrum dieses Zirkels. Details über diese Personen wurden dir bereits mitgeteilt. Lass mich jedoch ein Wort über Augustus Magee sagen. Schließlich ist die gesamte Unternehmung mit seinem Namen verknüpft – die Gutiérrez-Magee-Expedition. Der US-Leutnant hatte seinen Dienst als Kommandant der US-Grenzschutztruppe im Neutralen Streifen zwischen Louisiana und Spanisch-Texas quittiert, um die Republican Army of the North im Kampf unter General José Álvarez de Toledo y Dubois im Rang eines Oberst anzuführen. Magee hatte einen schottisch-irischen Hintergrund, er war also Protestant – allerdings ein anderer Protestant als die irische Oberschicht. Zudem waren seine Tage gezählt.

Magee war kein Erfolg beschieden. In der 1747 erbauten Festung Presidio Nuestra Señora de Loreto de la Bahía (auf dem Gebiet der heutigen Stadt Goliad) wurden Magees Truppen von spanischen Kolonialkräften eingekesselt. Der Kommandant erkrankte und starb 1813, angeblich an Malaria. Hartnäckig hält sich jedoch das Gerücht, dass der unbeliebte Anführer von seinen eigenen Leuten vergiftet wurde.

Ich unterhielt Naomi DeWitt mit einschlägigen Schilderungen, während wir im Sommer 1984 durch den Bundesstaat Mississippi reisten. Wir fühlten uns wie weggelaufene Teenager. Ich war Naomis persönlicher History Channel. Naomi war berauscht von der Vorstellung, von jemandem abzustammen, der eine Rolle im Gründungsmythos von Texas gespielt hatte. Lange Zeit hatte ihre Familie ihre Wurzeln auf den Empresario Green DeWitt zurückgeführt. Jener DeWitt arbeitete als Treckführer. Während der Fuller-Austin-Ära führte er angelsächsische Familien nach Texas. Green war jedoch eine blasse Figur im Vergleich zu Mortimer DeWitt. Er spielte keine Rolle im Ensemble der texanischen Gründungsväter.

 Er spielte keine Rolle im Ensemble der texanischen Gründungsväter

Naomis Vorfahre war von Anfang an dabei gewesen und hatte lange genug überlebt, um die Früchte des Zorns zu ernten (frei nach Steinbeck)

Naomis Vorfahre war von Anfang an dabei gewesen und hatte lange genug überlebt, um die Früchte des Zorns zu ernten (frei nach Steinbeck). Er hatte als Rough Rider im Tejano-Stil begonnen. Seine Mustanger-Camaradas nannten ihn „Texas", beziehungsweise „Teja". Ich wollte es dir eigentlich nicht auf die Nase binden, aber es gab diese Momente, in denen Naomi mich „Texas" nannte. Die subtile Ironie deckte sich mit einer gewissen Verspieltheit. Wir waren jung unter einem weiten Himmel, und Naomi trug nichts unter ihrem Kleid.

Anfangs war Shaler noch angetan von Gutiérrez. Doch im Sommer 1812 beschrieb der Sonderagent den Mexikaner in einem Brief an den Außenminister als eine jämmerliche Figur, aufgeblasen von lächerlicher Eitelkeit. Shaler verurteilte den Revolutionsführer nach angelsächsischen Maßstäben. Er ließ sich über Gutiérrez' Obsession für Prunksucht und Prahlerei aus. In all den Nuancen der Abneigung drückte sich vor allem tiefes Misstrauen aus. Shaler beschuldigte Gutiérrez, mit französischen Agenten gegen die Vereinigten Staaten zu konspirieren.

Dies entsprach der US-Außenpolitik in den Jahren 1811 bis 1821. Shaler fürchtete, dass Großbritannien die spanische Kolonie als Basis für einen direkten Angriff nutzen könnte. Im Jahr 1812 ist bereits alles vorhanden, was das Bild der Vereinigten Staaten und ihrer Außenpolitik bis heute bestimmt: Isolationismus und Interventionismus bestimmen das Geschehen mit wechselndem Gewicht.

Die mexikanischen Aufständischen amüsierten sich derweil im Spielzimmer von Polly Morgan's Steakhouse in Nacogdoches. Sie machten die Nacht zum Tag und verprassten horrende Summen aus einer schwarzen Kasse, die in Washington gefüllt worden war. Auch hispanische und frankophone Nordamerikaner spielten dort; Grenzgänger, die gemeinhin als Frontiers bezeichnet wurden. Die Pistolero-Pioniere sahen in Gutiérrez bereits den nächsten Herrscher im Pokerbecher-Rennen um die Macht am Rio Grande. Sie deuteten das Verhalten des Granden nicht so negativ wie Shaler. Aus ihren Reihen wurden 1823 die ersten elf Texas Rangers als Schutztruppe für jene Kolonisten rekrutiert, die Stephen Fuller Austin 1821 in das nunmehr mexikanische Texas gebracht hatte.

So hängen die Dinge zusammen. Captain Colorado alias James Gaines und Peter S. Davenport lernten in Polly Morgans Kaschemme ihre Lektionen für den zukünftigen Freiheitskampf der westeuropäisch-nordamerikanischen Texaner gegen die Mexikaner. Nur vierundzwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch der Gutiérrez-Magee-Expedition war Nacogdoches nicht mehr mexikanisch.

Doch 1812 war Nacogdoches noch spanisch. Spanisch-Texas war von 1690 bis 1821 eine Provinz des neuspanischen Vizekönigreichs.